Lahm: «Wir sind unseren Weg gegangen»

Deutschland hat sich an der WM in Brasilien nie vom Weg abbringen lassen und den ersten Titel unter Joachim Löw errungen. Am Ende zahlten sich Geduld und Solidarität aus, wie Captain Philipp Lahm, Goalie Manuel Neuer und Mittelfeldmotor Bastian Schweinsteiger erklärten.

«Wir haben uns im Lauf dieses Turniers immer wieder gesteigert und uns nie irritieren lassen. Wir sind unseren Weg gegangen und jetzt sind wir Weltmeister», sagte Deutschlands Captain Philipp Lahm kurz nach dem Abpfiff im Maracana. «Wir sind in diesem Final geduldig und ruhig geblieben, das hat sich bezahlt gemacht. Wir hatten hinten raus mehr Kraft», so der Aussenverteidiger von Bayern München.

Ruhe und Geduld waren im Final gegen Argentinien dringend nötig. Die Südamerikaner liessen keinen Ballzauber Deutschlands zu wie Gastgeber Brasilien im Halbfinal. Deutschland musste ackern und kämpfen und geriet mehrere Male böse in Schieflage. Doch Deutschland war fähig, seine stürmische Ader zu kontrollieren und geduldig auf die Chance zu warten.

Joachim Löw alleine auf dem Rasen des Maracana.

Bildlegende: Wie einst Beckenbauer Joachim Löw alleine auf dem Rasen des Maracana. Keystone

«Zehn Jahre harte Arbeit»

«Die Spieler sind über ihre Grenzen hinausgegangen und haben so viel gegeben wie noch nie», lobte Coach Joachim Löw seine Equipe. «Es waren zehn Jahre harte Arbeit. Wir sind in dieser Zeit immer besser geworden. Das war einfach fällig», freute sich Löw, der nach vielen Ehrenplätzen seit 2006 endlich seinen ersten Titel feiern durfte.

Deutschlands Opferbereitschaft und Solidarität waren im Final in der Tat vorbildlich - wie zuvor im Turnier, als das Team von Joachim Löw nach den Spielen gegen Ghana und Algerien in der Kritik gestanden hatte: «Der Zusammenhalt ist der Grund, warum wir Weltmeister geworden sind. Alle haben mitgeholfen, auch die, die nicht gespielt haben», sagte Goalie Manuel Neuer, der zum besten Keeper des Turniers gewählt wurde.

Gedanken zu Glück und Pech

Neuer dachte in diesem triumphalen Moment auch an Marco Reus, der sich im letzten WM-Vorbereitungsspiel schwer verletzt hatte und das Turnier in Brasilien dadurch verpasste.

Wie nahe Glück und Pech beieinander liegen können, erlebte in diesem Final auch Christoph Kramer, der im Mittelfeld kurzfristig für Sami Khedira einspringen musste. Nach 32 Minuten musste der Mönchengladbacher mit einer Hirnerschütterung wieder vom Feld: «An viel kann ich mich nicht erinnern, aber das ist auch egal jetzt», meinte er und grüsste seine Geburtstag feiernde Oma.

Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger mit dem WM-Pokal.

Bildlegende: Weggefährten seit 2004 Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger mit dem WM-Pokal. Keystone

Die Power von der Bank

Der erweiterte Teamgedanke des modernen Fussballs wurde in diesem Final wie schon so oft an dieser WM unter Beweis gestellt. Einmal mehr waren es mit den eingewechselten André Schürrle und Mario Götze die Joker, die Spieler Nummer 12 und 13, die für die Entscheidung sorgten.

«Ich kann das gar nicht begreifen. Als der Abpfiff kam, sind mir plötzlich die Tränen gekommen. Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte. Der Pokal ist wunderschön. Jetzt glänzt er in meinen Armen», erklärte Deutschlands Super-Joker Schürrle, der in der 113. Minute mit seinem Pass auf Götze für die Erlösung ganz Deutschlands sorgte.

«Wie die Jungs von der Bank mitgegangen sind, das habe ich noch nie erlebt. Das gab uns unheimliche Power. Nur deshalb haben wir den Pokal gewonnen», sagte Bastian Schweinsteiger. Der Bayer, der zu WM-Beginn auch einer dieser Jungs gewesen war.

Sendebezug: SRF zwei, FIFA WM 2014, 13.07.2014, 21:00 Uhr