Löw: Ein Gefühl für die Ewigkeit

In seinem 111. Spiel als Bundestrainer hat Joachim Löw mit Deutschland den WM-Titel errungen und damit sich selbst die Krone aufgesetzt. Sein Weg dorthin war steinig, auch weil ihm Kritiker immer wieder Steine in den Weg gelegt haben.

Joachim Löw.

Bildlegende: Vom Gescholtenen zum Gefeierten In seinem 10. Jahr für den DFB hat Joachim Löw den Gipfel erklommen. Keystone

27. Juni 2012: Deutschland verliert seinen Halbfinal an der EURO gegen Italien 1:2. Die Medien daheim erklären Bundestrainer Joachim Löw zum Schuldigen. Sie werfen ihm vor, aus Fehlern nicht zu lernen. Es war dies nicht das erste und nicht das letzte Mal, dass Kritik auf den Coach einprasselte - und an diesem abperlte, wie Wasser an Teflon.

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Joachim Löw: Auszüge aus der Pressekonferenz

3:46 min, vom 14.7.2014

An der WM in Brasilien brauchte Löw ein einziges Spiel und das 4:0 gegen Portugal, um die ständigen Nörgler zum Verstummen zu bringen. Dieser plötzliche Umschwung kümmerte den Badener ebenso wenig. Er arbeitete unbeirrt und perfektionistisch weiter, mit gewagten Rochaden verfeinerte er seine Mannschaft und den Stil. Er setzte 18 seiner 23 Kaderspieler ein und forderte von jedem Einzelnen, dass er ständig in höchster Alarmbereitschaft stehe. Es hiess, Löw habe bewiesen, nicht beratungsresistent zu sein.

Der Spass mit dem Trainer

Seit 2004 arbeitet Löw nun für den DFB. Nach der Heim-WM vor 8 Jahren und dem Abgang von Jürgen Klinsmann stieg er vom Assistenten zum Chef auf. Deshalb ist für ihn der WM-Titel «das Produkt einer 10-jährigen Phase». Er erklärt: «Unsere Stärke ist, dass wir uns in dieser Zeitspanne kontinuierlich gesteigert haben.» Selbst wenn der entscheidende letzte Schritt lange auf sich hatte warten lassen, für den 54-Jährigen stand ausser Frage, «dass wir die Sache irgendwann zu einem Ende bringen würden.»

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Mario Götze: Auszüge aus der Pressekonferenz

1:20 min, vom 14.7.2014

Diese Selbstüberzeugung und sein Instinkt sind auffällig. So entschieden auch den Final gegen Argentinien (1:0 nach Verlängerung) mit André Schürrle (Assist) und Mario Götze (Torschütze in der 113. Minute) zwei Spieler, die von der Bank gekommen waren. Hinterher erzählt Götze von einem Spass mit dem Bundestrainer und dessen angeblicher Vorahnung. «Er sagte zu mir: ‹Jetzt zeig der Welt, dass du besser bist als Messi›», berichtete der Matchwinner.

Mehr geht nicht

«Der durchschlagende Erfolg ist das Werk von Löw - in Zusammenarbeit mit dem Staff», adelte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Löw dürfe stolz sein. «Zudem ist er der erste Trainer, der es mit einem europäischen Team geschafft hat, in Südamerika ein WM-Turnier zu gewinnen. Mehr geht wirklich nicht», betonte Niersbach.

13. Juli 2014: Die Medien stimmen in diesen Lobesgesang mit ein. Nach dem WM-Titel in dessen 111. Spiel als Bundestrainer schreiben sie Löw in den Himmel. Ein ehemals knapp durchschnittlicher Zweitliga-Spieler hat sich als erst 4. WM-Trainer Deutschlands unsterblich gemacht. Und wie reagiert er selbst darauf? «Ich glaube, dieses tiefe Glücksgefühl wird für alle Ewigkeit bleiben.»

Sendebezug: SRF zwei, FIFA WM 2014 live, 13.07.2014, 21.00 Uhr

WM-Einsätze deutsche Spieler

SpielerVereinEinsätzeMinutenTore
Manuel NeuerBayern München7690-
Benedikt HöwedesSchalke 047690-
Philipp LahmBayern München7690-
Toni KroosBayern München76892
Thomas MüllerBayern München76815
Mesut ÖzilFC Arsenal76511
Jérome BoatengBayern München7645-
Mats HummelsBorussia Dortmund65072
Bastian SchweinsteigerBayern München6504-
Per MertesackerFC Arsenal6436-
Mario GötzeBayern München62592
André SchürrleFC Chelsea62503
Sami KhediraReal Madrid53751
Miroslav KloseLazio Rom52792
Shkodran MustafiSampdoria Genua3132-
Christoph KramerBor. Mönchengladbach343-
Lukas PodolskiFC Arsenal254-
Julian DraxlerSchalke 04115-
Roman WeidenfellerBorussia Dortmund---
Kevin GrosskreutzBorussia Dortmund---
Erik DurmBorussia Dortmund---
Matthias GinterSC Freiburg---
Ron-Robert ZielerHannover 96---
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Deutschland - Argentinien: Die Live-Highlights

5:25 min, aus FIFA WM 2014 live vom 13.7.2014