Louis «Genigaal» hat wieder zugeschlagen

Louis van Gaal ist bekannt als Disziplin-Fanatiker und gewiefter Taktiker. An der WM in Brasilien legt der 62-jährige Coach der Niederländer gerade sein Meisterstück ab.

Louis van Gaal.

Bildlegende: Der Meister-Taktiker Louis van Gaal liegt mit seinen Entscheidungen goldrichtig. EQ Images

«Wir haben einen fantastischen Trainer, der genau weiss, wann er welchen Spieler bringen muss», hatte Arjen Robben schon vor dem Viertelfinal gegen Costa Rica von Louis van Gaal geschwärmt. Gegen die Mittelamerikaner unterstrich der Taktikfuchs mit der Einwechslung von Keeper Tim Krul nicht zum ersten Mal Robbens Aussage.

Seine Massnahmen greifen immer

Van Gaal pokerte, wartete und schlug kurz vor Ablauf der Verlängerung zu: Er brachte Krul in der Hoffnung, nun einen Penaltykiller zwischen den Pfosten zu haben. Und der Newcastle-Keeper wurde mit seinen Paraden gegen Bryan Ruiz und Michael Urama tatsächlich zum gefeierten Helden. Vor den parierten Versuchen der beiden Costaricaner hatte der 26-jährige Krul nur gerade 2 von 20 Elfmetern gehalten. «Es hat funktioniert», kommentierte der Bondscoach den Wechsel.

Egal welche Massnahmen er bisher getroffen hat (oder treffen musste), Van Gaal lag bisher eigentlich immer richtig. 21 seiner 23 WM-Spieler hat er bislang eingesetzt, einzig Torhüter Michel Vorm und Mittelfeldspieler Jordy Clasie haben noch keine Minute gespielt. Nach dem überzeugenden Auftaktsieg gegen die Spanier (5:1) brachte der 62-Jährige gegen Australien die gleiche Elf - es sollte das einzige Mal bleiben.

Viermal hat Van Gaal einen Feldspieler eingewechselt, der anschliessend auf dem Platz ein Tor erzielte. Memphis Depay (mit dem 3:2 gegen Australien) und Klaas-Jan Huntelaar (das 2:1 gegen Mexiko) schossen sogar den entscheidenden Treffer.

Spieler setzen Vorgaben um

Verletzungen (Nigel de Jong, Leroy Fer) und Sperren (Robin van Persie) zwangen Van Gaal zu taktischen Veränderungen. Und diese fielen zum Teil ziemlich unkonventionell aus. So wurde der gelernte Stürmer Dirk Kuyt kurzerhand zum Abwehrspieler umfunktioniert. Der 33-Jährige spielt seinen Part derart gut, dass er wohl auch im Halbfinal gesetzt sein wird.

Bis zum Schluss gepokert

Gegen Costa Rica griff Van Gaal nochmals tief in die Trickkiste. Obwohl gewisse Spieler auf dem Zahnfleisch liefen, wartete er mit der 3. Auswechslung bis in die Schlussminute zu - um dann erneut einen Matchwinner einzuwechseln. Doch dieser schoss für einmal nicht die entscheidenden Treffer, sondern verhinderte diese. Ein weiterer grossartiger Schachzug. Louis «Genigaal» (De Telegraaf) hatte wieder zugeschlagen.

Sendebezug: SRF zwei, FIFA WM live, 05.07.2014, 22:00 Uhr

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Niederlande - Costa Rica: Die Live-Highlights

4:38 min, aus FIFA WM 2014 live vom 6.7.2014