Mit Arbeit und Leidenschaft zum 4. Stern

Deutschland hat genug. Ein drittes Mal nach 2006 und 2010 soll das undankbare Spiel um Platz drei vermieden werden. Erfolg steht vor Schönspielerei. Erreicht werden soll er mit kollektiver Stärke und unbändigem Willen.

Deutschlands Vorkämpfer Hummels im Viertelfinal gegen Frankreich.

Bildlegende: Kampf um jeden Zentimeter Deutschlands Vorkämpfer Hummels im Viertelfinal gegen Frankreich. Reuters

2006 hatten die Deutschen mit ihrer Spielweise die Fans im eigenen Land, 2010 in Südafrika diejenigen in der ganzen Welt begeistert, den Pokal hielten am Ende aber andere in die Höhe. Zweimal resultierte der 3. Rang. Nun, 24 Jahre nach dem letzten WM-Triumph in Italien, soll der 4. Titel Tatsache werden.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach glaubt an den Titel-Gewinn. Im Team herrsche eine «Stimmung wie 1990. Ich glaube, dass wir es schaffen können.» Noch fehlen in Brasilien zwei Siege zum Triumph, zum 4. Stern auf der Brust. Das Ziel ist klar, der Weg respektive die Mittel, um dieses zu erreichen, scheinbar auch.

Und der Hunger nach dem ganz grossen Erfolg ist gross, zeigt Deutschland doch eine beeindruckende Konstanz an Endrunden. Seit 1954 haben die «Adler» an einer WM immer mindestens die Viertelfinals erreicht, zuletzt sogar viermal in Folge die Halbfinals.

Leidenschaft vor Kunst

Nach den Gruppenspielen (7 Punkte, 7:2 Tore) wandte sich die deutsche Auswahl vom spektakulär offensiv-ausgerichteten Spielstil ab. Der 2:1-Erfolg nach Verlängerung im Achtelfinal gegen Algerien war erknorzt, das 1:0 eine K.o.-Runde später gegen Frankreich erkämpft. Egal. Oder wie Per Mertesacker nach dem Algerien-Spiel im TV-Interview sagte: «Was wollen Sie? Dass wir Erfolg haben, oder ausscheiden und gut gespielt haben?»

Mats Hummels, der die Deutschen gegen Frankreich mit seinem Tor zum Sieg geführt hatte, kam zum Schluss, dass «wir mit dieser Art, Fussball zu spielen, eine Chance haben zu gewinnen». Er meinte aber nicht das technisch anspruchsvolle Spiel, welches Bundestrainer Joachim Löw so gerne hätte, sondern Einsatz, leidenschaftliche Defensivarbeit und Kampf um jeden Zentimeter.

Alles vereint

Die Deutschen überzeugten gegen die Franzosen in der Tat als kampfstarke, als stabile Einheit. Es gelte weiterhin genauso für einander zu arbeiten, sagte Thomas Müller mit Betonung auf arbeiten. «Dann ist es ganz schwer, uns zu schlagen, weil wir auch individuell was drauf haben». Und gewissermassen als Kampfansage an die Gegner folgerte er: «Jetzt ist alles drin.»

Auch Trainer Löw kommt vor dem Halbfinal-Duell mit Brasilien zur Einsicht: «Schön spielen alleine wird nicht reichen». Sein Captain, Philipp Lahm, weist auf «Wille und Leidenschaft» hin.

Im Halbfinal wird Löw das deutsche Team zum 111. Mal seit seinem Debüt 2006 als Trainer betreuen. 75 Siege stehen auf dem Konto. In 7 Tagen sollen es 77 sein - und nicht 76. Denn ein Spiel um Rang 3 will definitiv keiner mehr haben.