Latour: «Nati macht einen guten Eindruck»

SRF-Experte Hanspeter Latour begleitet die Schweizer Nationalmannschaft in Brasilien. Im Interview verrät der ehemalige Trainer, weshalb die Nati bei ihm einen guten Eindruck hinterlässt und was er von der WM in taktischer Hinsicht erwartet.

Die Schweizer Nati beim Training.

Bildlegende: Bereit Die Schweizer Nati beim Training. Reuters

Hanspeter Latour, Sie haben die Schweizer Nati in Brasilien hautnah mitverfolgt. Welchen Eindruck macht das Team vor dem ersten WM-Spiel auf Sie?

Latour: Durch meine Wahrnehmung und nach einigen kurzen Gesprächen nicht zuletzt mit Trainer Ottmar Hitzfeld macht mir die Nati einen sehr guten Eindruck. Am Anfang waren die Spieler und Trainer locker drauf. Je näher der Anpfiff zum Eröffnungsspiel der WM kam, desto mehr spürte man, dass die Anspannung steigt. Aber es läuft alles, wie es laufen sollte. Hinsichtlich des Startspiels habe ich für diese Mannschaft ein wirklich gutes Gefühl.

Es wurde viel über Hitze und Luftfeuchtigkeit diskutiert. Wie erleben Sie die äusseren Bedingungen?

Das Klima ist so, wie ich es wartet habe. Es ist warm, es ist schwül. Nur mit dem regelmässigen Regen habe ich nicht unbedingt gerechnet. Die Nati war früh genug in Brasilien, um sich zu akklimatisieren. Nach den ersten WM-Spielen sieht man schon, dass mehr über die Entscheide der Schiedsrichter diskutiert wird als über die Bedingungen. Ich bin überzeugt, dass die Mannschaften mit dem Klima zurechtkommen werden. Einziges Fragezeichen bleibt für mich Manaus. In allen anderen Spielorten wird das Klima kein grosses Thema sein.

Die Schweizer Mannschaft steht - mit einer Ausnahme. Welchen Innenverteidiger sehen Sie neben dem gesetzten Steve von Bergen?

Die Diskussion ist ja nach dem internen Testspiel entstanden, in dem Johan Djourou neben Von Bergen gespielt hatte. Eigentlich rechne ich nicht mit grossen Veränderungen im Vergleich zu den letzten Qualifikationsspielen. Fabian Schär wäre ohne Verletzung ja nie zur Diskussion gestanden. Persönlich denke ich, dass Djourou nur dann spielen wird, wenn Schär der letzte Schliff wegen der Verletzung noch fehlen sollte. Weil man in dieser Hinsicht aber nichts Genaues weiss, stehen die Chancen für mich bei 50:50.

Das Schweizer Startspiel gegen Ecuador wurde vielfach als «Final» bezeichnet. Teilen Sie diese Meinung?

Hitzfeld sprach immer von drei Finalspielen. Aber natürlich: Der Start in die WM ist wichtig. Ecuador ist ein mächtiger Mitstreiter um die beiden ersten Plätze und nur ganz leicht hinter der Schweiz und Frankreich einzustufen. Wenn man die Südamerikaner mit einem Sieg auf Distanz halten könnte, hätte man sich eine hervorragende Ausgangslage für das Erreichen der Achtelfinals geschaffen.

Die WM ist eröffnet, die ersten Partien sind gespielt. Was erwarten Sie vom Turnier in taktischer Hinsicht?

Die Teams werden in erster Linie versuchen, unabhängig vom Klima ihr Spiel durchzuziehen. Täten sie dies nicht, hätten sie sich ihrer natürlichen Stärke beraubt. Ich erwarte grundsätzlich eine sehr spannende und torreiche WM, gerade in Brasilien wäre ich enttäuscht, wenn nicht viele Treffer fallen würden (Anm. der Red.: Das Interview wurde nach dem Eröffnungsspiel geführt.). Neue taktische Erkenntnisse sind aber keine zu erwarten. Jede Mannschaft ist variabel und kann ein System je nach Spielstand oder nach dem Zustand der Spieler während der Partie ändern. Interessant wird die Frage sein, ob sich immer noch die Mannschaften mit dem grösseren Ballbesitz durchsetzen können, wie das Spanien in den letzten Jahren kultiviert hat. Schliesslich hat schon Pele gesagt: Ballbesitz ist Macht.

TV-Hinweis

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Verfolgen Sie die Partie Schweiz - Ecuador am Sonntag ab 17:30 Uhr auf SRF zwei oder im Livestream.

Zur Person

Zur Person

Latour im Jahr 2006 (key)

Hanspeter Latour (67) ist langjähriger Radio-Kommentator, TV-Co-Kommentator und Experte von SRF. Der Thuner machte sich durch seine Trainerkarriere einen Namen. Während 35 Jahren coachte er zahlreiche Klubs, u.a. Thun, GC und den 1. FC Köln.