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Schweizer Nationalmannschaft Pont: Der unterschätzte Schattenmann

Seit 13 Jahren ist Michel Pont Assistenztrainer der Schweizer Nati. Nach der WM in Brasilien muss der Genfer seinen Platz räumen. Pont bleiben vielfältige Erinnerungen an eine intensive Zeit.

Hitzfeld-Assistent Michel Pont
Legende: Hitzfeld-Assistent Michel Pont Der Romand hält sich häufig im Hintergrund. Keystone

In der Deutschschweiz wird die Arbeit von Michel Pont gerne unterschätzt. Die Schlagzeilen um die Nationalmannschaft gehören Star-Trainer Ottmar Hitzfeld. Dabei ist Pont, der am letzten Donnerstag seinen 60. Geburtstag gefeiert hat, für die Nati enorm wichtig. Der Genfer erreicht die französisch sprechenden Spieler, er kennt das Team nach 13 Jahren in seiner Funktion als Assistenztrainer auswendig.

Die Ära von Michel Pont geht nach dieser WM zu Ende. Vladimir Petkovic, der nach dem Turnier in Brasilien die Nati übernimmt, bringt mit Antonio Manicone seinen eigenen Assistenten mit. 131 Spiele hat Pont mit der Schweiz absolviert. «Viele Erinnerungen, viel Nostalgie hat sich in all diesen Jahren angesammelt», sagt Pont.

Legende: Video «Fernandes' Jahrhunderttor» abspielen. Laufzeit 1:26 Minuten.
Vom 16.06.2010.

WM sorgte für die Höhepunkte

Unter Köbi Kuhn und Hitzfeld führte Pont die Nati an 3 Weltmeisterschaften und 2 Europameisterschaften. «Ich bräuchte Tage, um alle Höhepunkte dieser langen Zeit aufzuzählen. In allerbester Erinnerung bleiben werden mir das Spiel an der WM 2006 in Dortmund gegen Togo vor 50‘000 Schweizer Fans und das sensationelle 1:0 gegen Spanien 2010 in Südafrika.»

Als «delikat» bezeichnet Pont das Ausscheiden 2006 im Penaltyschiessen gegen die Ukraine. «Delikat, weil wir die grosse Chance auf einen Viertelfinal gegen Italien nicht wahrnehmen konnten.» Insgesamt sei er aber glücklich und dankbar, «dass ich mit zwei so grossen Persönlichkeiten und tollen Trainern wie Kuhn und Hitzfeld arbeiten durfte.»

Der kleine Mann im Kopf dominiert ab und an

Pont hätte nach der WM die Nati gerne als Chefcoach übernommen. Er war enttäuscht darüber, dass ihn der SFV nicht einmal in die engste Auswahl genommen hatte. «Wer weiss, was die WM in Deutschland für die Deutschschweiz bedeutet hatte, kann sich vorstellen, was die EURO 2016 in Frankreich für einen Romand darstellt.» Sie wäre der perfekte Abschluss seiner Karriere gewesen.

Nun aber wird Pont seine Nati-Laufbahn in Brasilien beenden müssen. Mit einem Team, dem Pont attestiert, «das Potenzial zu etwas Grossem» zu besitzen. Er setze sich jeden Tag mit seiner ganzen Energie für den Erfolg der Mannschaft ein. «10 Minuten am Tag aber», erklärt Pont, «dominiert dieser kleine Mann in meinem Kopf und bringt all die Erinnerungen an die Zeit zurück, die nach Brasilien vorbei sein wird.»

Ein Abschied im Schatten

Pont hat den Schweizer Fussball geprägt wie kaum ein anderer Trainer. Mehr noch als Hitzfeld, denn die Konzepte zur Neuausrichtung des Schweizer Fussballs nach der Jahrtausendwende wurden allesamt von Pont mitverfasst und umgesetzt. Sie haben heute noch Gültigkeit. Pont wird nach der WM aller Voraussicht nach eine Aufgabe im technischen Bereich des Verbands übernehmen.

Und wenn dieses Turnier in Brasilien, dieser letzte Höhepunkt in der reichen und langen Nati-Karriere von Pont vorbei ist, dann werden die Schlagzeilen erneut nicht dem Romand gehören. Weil Hitzfeld gleichzeitig wie sein Assistent abtritt, wird er im Mittelpunkt stehen. Pont bleibt die Rolle des zweiten Mannes - wie immer in den letzten 13 Jahren.

Sendebezug: Radio SRF 3, Rendez-Vous, 20.06., 12:30 Uhr

7 Kommentare

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  • Kommentar von Roland Thürng, Basel
    Passt doch zum SFV, man nimmt lieber einen Trainer, der in seiner Laufbahn mal einen Cup in Italien gewonnen hat, aber sonnst noch keine Bäume rausgerissen hat. Im Fall Pont wäre es gut man würde Ihn im SFV als Chefscout anstellen. Chefscout für die Nati, wie dies ein andrer Schwezer iim Dienste des DFB's tätigt. Oder dann nehmen wir ihn nach Basel in die Fussballstadt der Schweiz, mit Handkuss.
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  • Kommentar von F.Riedo, Bern
    Unverständlich warum man nicht Michel Pont zum Nachfolger von Ottmar Hitzfeld gemacht hat. Pont hat Alles was man für diesen Posten braucht. Ich denke, dass die Schweizer Nationalmannschaft nach der WM nicht mehr an ihre grossen Erfolge knüpfen kann. Mit Petkovic kommen neue Taktiken und Spielideen mit denen die Mannschaft konfrontiert wird. Gegen Frankreich haben wir keine Mannschaft gesehen sondern einen demotivierten Verein ohne Qualitäten, Taktik, Witz und dem gewissen Biss.
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  • Kommentar von Peter Howald, Basel
    Mit Michel Pont verliert die Schweizer Nati einen kompetenten Trainer, eine wahre Persönlichkeit und einen ausserordentlich liebenswürdigen Menschen! Im gilt Dank und Anerkennung.
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    1. Antwort von Willy, Basel
      Da stimme ich ihnen zu. Und Jemand der das Team schon bis aufs letzte gekannt hätte... finde ich ebenfalls unverständlich warum man Pont nicht mal die Chance gab oder ihn zumindest überhaupt gefragt hat, ob er Interesse hätte... aber dazu fällt mir fast nur ein typisch SFV ;)
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