Scolari überlässt sein Schicksal dem Präsidenten

Brasiliens Coach Luiz Felipe Scolari hat nach dem 0:3 im Spiel um Platz 3 seine Zukunft offengelassen. Der 65-Jährige lässt den Präsidenten des brasilianischen Fussball-Verbandes über sein Amt entscheiden.

Luiz Felipe Scolari

Bildlegende: Ein Bild mit Symbolcharakter Die 7 Gegentore gegen Deutschland lasten auf Luiz Felipe Scolari. Reuters

Brasiliens Trainer Luiz Felipe Scolari schien schon nach der 1:7-Niederlage gegen Deutschland keine Zukunft mehr in der «Selecao» zu haben. Dennoch hat der 65-Jährige auch nach dem 0:3 gegen die Niederlande, der zweithöchsten WM-Niederlage seines Landes, sein Amt nicht niedergelegt.

«Der Präsident muss die Entscheidung treffen», sagte «Felipao». Er werde seine Zukunft nicht mit den Medien diskutieren. Die Neubeurteilung seiner Situation wäre mit oder ohne WM-Titel zum Thema geworden. Scolaris Vertrag lief nur bis zum Ende des Turniers. «Das Leben geht weiter, aber es wird nichts mehr so sein wie zuvor», hatte Scolari nach dem historischen 1:7-Debakel gegen die Deutschen gesagt. Eine Fortsetzung seiner Karriere mit der «Selecao» käme überraschend.

Böse Worte von künftigem Verbands-Vize

Der künftige Verbandsvizepräsident Delfim Peixoto liess bereits im Vorfeld der Kehrauspartie gegen die Niederlande durchblicken, dass Scolari keinen Platz mehr haben würde. Der Funktionär wählte im TV-Sender ESPN Brasil deutliche Worte: «Alles war schlecht. Ich möchte nicht darüber sprechen, um nichts Dummes zu sagen, aber eines kann ich versichern: Nie wieder wird Felipao mit einer brasilianischen Auswahl zusammen sein. Er ist eine Last, eine Schande.»

Im kommenden April löst Peixotos zukünftiger Vorgesetzter Marco Polo del Nero den aktuellen Präsidenten Jose Maria Marin an der Spitze des brasilianischen Verbandes ab. Marin wird nun Scolaris Bericht zu beurteilen haben, den ihm dieser nach eigenen Aussagen zustellen wird.

Der 65-jährige Scolari übernahm die «Selecao» im November 2012 von Mano Menezes und gewann mit dem Team 2013 den Confed-Cup. Während seiner ersten Amtszeit als Auswahlchef hatte er Brasilien 2002 zum 5. und bisher letzten WM-Titel geführt. Als möglichen Nachfolger für die WM 2018 bringt die Zeitung O Globo Chelsea-Coach Jose Mourinho ins Spiel.

Van Gaal erreicht sein letztes Ziel

Bereits geklärt war die Trainerfrage bei den Niederlanden. Guus Hiddink beerbt Louis van Gaal, der als Coach bei Manchester United übernimmt. Der 62-Jährige erreicht das nach dem Verpassen des Finals gesteckte Ziel und verlässt die WM-Bühne ungeschlagen (der Halbfinal gegen Argentinien ging im Penaltyschiessen verloren).

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Arjen Robben im Interview

0:56 min, aus FIFA WM 2014 live vom 13.7.2014

«Das ist die beste Gruppe, mit der ich jemals gearbeitet habe. Der Weg war nicht einfach. Wir haben mehr als zwei Tore pro Spiel erzielt und im ganzen Turnier nur vier bekommen», resümierte Van Gaal.

Stolz war auch Arjen Robben, der zum Mann des Spiels ausgezeichnet wurde: «Es war ein Fest, mit diesen Jungs zu arbeiten. Wir hätten eigentlich noch mehr verdient.» Der Bayern-Star verriet, dass ihn Van Gaal nach England lotsen wollte, er aber in München glücklich sei.

Höchste Niederlagen von Brasilien an Weltmeisterschaften

08.07.2014Halbfinal Brasilien - Deutschland1:7
12.07.2014Spiel um Platz 3Brasilien - Niederlande0:3
12.07.1998FinalBrasilien - Frankreich0:3
03.07.1974Zwischenrunde Brasilien - Niederlande0:2
15.07.1966Zwischenrunde Brasilien - Ungarn 1:3
19.07.1966Zwischenrunde Brasilien - Portugal 1:3
27.05.1934Achtelfinal Brasilien - Spanien 1:3
27.06.1954ViertelfinalBrasilien - Ungarn2:4