Spannende Ausgangslage vor den WM-Viertelfinals

Noch 8 Teams bleiben im Rennen um den WM-Titel. Einen klaren Favoriten sucht man vergeblich. Sicher ist nur, dass ein Gruppensieger das Rennen machen wird.

Die WM hat bisher viel Spektakel geboten. Auf die torreiche Gruppenphase (2,83 Treffer pro Spiel) folgten dramatische Achtelfinals mit 2 Siegen im Penaltyschiessen (Brasilien, Costa Rica) und 3 Entscheidungen in der Verlängerung (Deutschland, Argentinien, Belgien). Hinzu kommt die späte Wende zugunsten der Niederlande gegen Mexiko.

Experten und Beobachter rätseln gleichermassen darüber, wem die Favoritenrolle zusteht. Ein klarer Titelanwärter ist immer noch nicht auszumachen. Auffällig ist aber, dass sich sämtliche 8 Gruppensieger in den Achtelfinals durchsetzten.

So präsentiert sich die Lage bei den 8 Viertelfinalisten:

  • Frankreich: Das Team von Coach Deschamps hat defensiv bisher überzeugt. Die beiden Gegentore gegen die Schweiz fielen nach einer deutlichen Führung. Nach dem Achtelfinal-Sieg gegen Nigeria stellt sich die Frage, ob Deschamps im Sturm auf Griezmann neben Benzema setzt. Dieser trat erst nach der Auswechslung von Giroud und der Hereinnahme Griezmanns in Erscheinung. Mit Deutschland wartet nun ein historisch schwerer Brocken auf die «Équipe tricolore».
  • Deutschland: Die Euphorie nach dem 4:0-Startsieg gegen Portugal ist etwas gedämpft worden. In der 1. Halbzeit des Achtelfinals gegen Algerien präsentierte sich das Team von Coach Joachim Löw vor allem defensiv erschreckend schwach. Goalie Manuel Neuer scheint aber auf der Höhe seiner Aufgabe zu sein und Deutschland hat das nötige Wettkampfglück (wie bei Schürrles Absatztor). Der Weg zum 1. WM-Titel seit 1990 wird mit Frankreich und möglicherweise Brasilien im Halbfinal aber kein leichter.
  • Brasilien: Ein paar Zentimeter entschieden im Achtelfinal-Spiel über das Schicksal des Gastgebers. Hätte der Chilene Pinilla in der 120. Minute nicht die Latte getroffen, wären Neymar und Co. gar nicht mehr im Rennen. Auch wenn sich die Stürmer Fred und Hulk an der Grenze zum Totalausfall bewegten, sind die Chancen intakt. Auf dem Weg zum Titel hat schon manche Mannschaft mindestens ein harziges Spiel hingelegt.
  • Kolumbien: 4 Spiele, 4 Siege, 11:2 Tore. Die Bilanz der «Cafeteros» lässt sich durchaus sehen. Mit dem 5-fachen Torschützen James Rodriguez weiss das Team von Coach Pekerman den bisher besten Skorer in den eigenen Reihen. Doch beim scheinbar souveränen 2:0-Sieg im Achtelfinal gegen Uruguay hinterliess Kolumbien trotz des Geniestreichs von Rodriguez einen zwiespältigen Eindruck. Ein stärkeres Team als die geschwächten «Urus» könnte die passive Spielweise nach der Führung bestrafen.
  • Argentinien: Die «Albiceleste» feierte gegen die Schweiz einen Zittersieg. Nur Lionel Messi und Angel Di Maria scheinen momentan in der Lage zu sein, den Unterschied machen zu können. Der Traum vom 3. WM-Titel lebt dessen ungeachtet weiter. Die kommenden Aufgaben, Belgien und danach eventuell die Niederlande, dürften eine Steigerung verlangen.
  • Belgien: Der Geheimfavorit hat im Achtelfinal gegen die USA erstmals sein «wahres Gesicht» gezeigt und mit Offensiv-Fussball beeindruckt. Einzig die Chancenauswertung war gegen das Klinsmann-Team ein Manko, deshalb musste man auch in die Verlängerung. Defensiv steht das Wilmots-Team gut, bislang kassierte man erst einen Treffer aus dem Spiel heraus. Gegen die bislang alles andere als überragenden Argentinier sind die Chancen im Viertelfinal intakt.
  • Niederlande: Nach dem dramatischen Sieg gegen Mexiko lobte der sonst so kritische Johan Cruyff die «Elftal» in den höchsten Tönen: «Ich habe die schönsten 20 Minuten der WM gesehen. Das ist der Fussball, den ich liebe.» Cruyff, Vize-Weltmeister von 1974, gab Coach Louis van Gaal auch gleich die Marschroute für die nächsten Spiele vor. In einem 4-3-3-System sei der 1. WM-Titel anzustreben. Nach 3 verlorenen Endspielen wären die Niederlande mehr als reif dazu. Gut möglich, dass Van Gaal allerdings weiter auf sein Abwehr-Quintett setzt.
  • Costa Rica: Die «Ticos» sind die grosse Überraschung des Turniers, holten sich Rang 1 in der Weltmeister-Gruppe D und stiessen nun erstmals in der Landesgeschichte gar in die Viertelfinals vor. Der Sieg im Penaltyschiessen gegen Griechenland deckte die Limiten des Teams von Trainer Pinto jedoch auf. Gegen die Niederlande braucht es das nächste «Fussball-Wunder», bereits gegen die Griechen schienen die Kräfte am Schwinden zu sein.

    Sendebezug: SRF zwei, FIFA WM 2014 live, 28.06.-01.07.2014

Die Viertelfinal-Paarungen



Frankreich
- Deutschland
Freitag, 4.7., 18:00 UhrRio
de Janeiro
Brasilien
- Kolumbien
Freitag, 4.7., 22:00 UhrFortaleza
Argentinien - BelgienSamstag, 5.7., 18:00 UhrBrasilia
Niederlande
- Costa Rica
Samstag, 5.7., 22:00 UhrSalvador