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FIFA WM 2014 Wenn Dominanz nicht mehr siegt

Die Gruppenphase der WM in Brasilien ist vorbei. Die bisherigen 48 Partien boten offensives Spektakel - und brachten eine interessante Erkenntnis: In fast der Hälfte aller Partien setzte sich die Mannschaft mit weniger Ballbesitz durch.

Arjen Robben im Abschluss.
Legende: Ausgespielt Die Niederlande legten Spaniens Schwachstellen offen. Reuters

Spanien hat in den letzten Jahren die Fussballwelt mit seinem Tiki-Taka-System fest im Griff gehabt: Kurzpassspiel und Ballbesitz bis zum schwindlig werden. Auch die Niederlande kultivierten nicht zuletzt mit der Ajax-Fussballschule das Prinzip des unbedingten Ballbesitzes.

Die Gruppenphase an der WM in Brasilien legte nun aber nahe, dass es zu einem «Systemwechsel» gekommen ist. Feldüberlegenheit führt nicht mehr immer zum Sieg. SRF-Experte Raphael Wicky bestätigt: «Ballbesitz-Fussball sieht man bislang nicht an dieser WM.»

Ballbesitz bringt nicht zwingend den Sieg

In den 48 Gruppenspielen setzte sich 17 Mal diejenige Mannschaft durch, die weniger oft ballführend war (bei 8 Remis). Zur Perfektion trieben diese Taktik die Kolumbianer, die sämtliche 3 Gruppenspiele mit weniger als 50 Prozent Ballbesitz gewannen. Auch Costa Rica war bei beiden Siegen seltener am Ball als der Gegner. Die Niederlande triumphierten gegen Chile mit 2:0, obwohl sie nur während 37 Prozent der Zeit am Ball waren.

Legende: Video Niederlande - Chile: Die Live-Highlights abspielen. Laufzeit 3:13 Minuten.
Aus FIFA WM 2014 live vom 23.06.2014.

Die «Elftal» zeigte, dass sie die Umstellung geschafft hat - nicht so Spanien. Die Iberer, als Titelverteidiger an den Zuckerhut gereist, scheiterten mit ihrem Tiki-Taka kläglich. Gegen die Niederlande gingen sie trotz 60 Prozent Ballbesitz mit 1:5 unter. Ein ähnliches Bild ergab das Chile-Spiel (58 Prozent, 0:2-Niederlage).

Die WM der vielen Tore

Augenfällig war in der Gruppenphase aber auch die Anzahl Tore. 136 Treffer fielen in 48 Spielen, was einem Schnitt von 2,83 Toren pro Partie entspricht. Einen so hohen Wert gab es letztmals an der WM 1970 in Mexiko. «Es wird genialer Fussball gezeigt, die Teams spielen nach vorne», sagt der Schweizer Ex-Internationale Jean-Paul Brigger, der als Mitglied der «Technischen Studiengruppe» in der FIFA neue Trends im Fussball aufspüren soll.

Auch Wicky zieht ein positives Zwischenfazit: «Es sind sehr attraktive Spiele, die Mannschaften spielen auf Sieg.» Eine Erklärung für die hohe Torproduktion haben aber weder Brigger noch Wicky. Doch das dürfte den Fans rund um den Globus auch nicht so wichtig sein.

Sendebezug: SRF zwei, FIFA WM 2014 live, 12.06.2014 - 23.06.2014, 18:00 Uhr

10 Kommentare

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  • Kommentar von e, w
    beim 2:0 von Holland kommt mir das 3:0 von Frankreich gegen die Schweiz in den Sinn. Toller Pass von de Jong.
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  • Kommentar von Remo Rosini, Hoi An, Vietnam
    Was auch immer gespielt wird. Effizienz und Disziplin gewinnt
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  • Kommentar von Marco Meier, Solothurn
    Ballbesitz wurde von Spanien nicht so ausgeführt wie sie es die letzten Jahre gezeigt hatten. Trotzallem, bin immer noch der Meinung das Ballbesitz zwingend zum Erfolg führt. Das beweist Frankreich momentan am besten. Diese WM spiegelt bis jetzt nicht die wahren Stärkeverhältnisse im Fussball! Alleine das Manschaften wie Costa Rica und Algerien im Achtelfinal sind zeigt es ganz klar. Die haben wirklich nichts unter den letzten 16 verloren!
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    1. Antwort von hallo, peterswil
      wie kann man behaupten, dass algerien nichts unter den letzten 16 verloren hätte?! die haben 16 "franzosen" im kader. alles top ausgebildete spieler mit algerischem migrationshintergrund, die haben alle in den französischen ausbildungszentren gelernt fussball zu spielen. die sind mit sicherheit so gut wie die schweizer....
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    2. Antwort von Greenfielder, Zürich
      Spanisches Rasenschach hat ausgedient. Die Brasilianer haben das vor 1 Jahr am Confed-Cup der Welt gezeigt; indem sie unglaublich aggressiv mit mehreren Leuten auf den Ballführenden Spieler losgegangen sind, den Ball erobert und den Konter eingeleitet haben. Natürlich brauchts da pfeilschnelle Spieler, die dann auch noch über genügend Klasse verfügen, um den Konter erfolgreich abzuschliessen... Ist doch ganz gut, dass sich der Fussball weiter entwickelt und nicht bei einem Modell stehen bleibt.
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    3. Antwort von D. Häberlin, Berlingen
      Wer gegen drei Weltmeister ungeschlagen bleibt und dabei nur ein einziges Gegentor (das zudem noch ein Elfmetertor war) kassiert, hat es sehr wohl verdient, in die Runde der letzten 16 vorzustossen. Freuen Sie sich doch darüber, dass es bei dieser WM ein paar Überraschungsmannschaften gibt! Wäre doch langweilig, wenn jedes Mal dieselben Mannschaften in die KO-Phase einziehen würden!
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    4. Antwort von Tinello T., Bärner Oberland
      Wäre wirklich langweilig, hoffentlich kommen die eine Runde weiter!!!
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