WM-Erkenntnis: Ohne Fitness keine Chance

Zwei verschiedene Spielsysteme und viel Athletik: Mit der WM in Brasilien ist der Fussball definitiv zum Laufspiel geworden. Die Anforderungen an sämtliche Spieler auf allen Positionen sind noch einmal deutlich höher geworden.

Fitness auf höchstem Niveau: Lionel Messi (l.) und Mats Hummels im Laufduell.

Bildlegende: Laufduell Fitness auf höchstem Niveau: Lionel Messi (l.) und Mats Hummels im Laufduell. Reuters

In der Vergangenheit haben Weltmeisterschaften oft Revolutionen hinsichtlich Taktik oder Spielsystemen gebracht. In Brasilien wurde der Fussball zwar nicht neu erfunden. Aber: Die Athletik und das Tempo des Spiels bewegten sich an der WM 2014 in neuen Sphären. «Ohne absolute Top-Fitness hat ein Spieler auf höchstem Niveau keine Chance mehr», sagt SRF-Experte Alain Sutter.

Um das höhere Tempo des Spiels zu verarbeiten, müssten die Spieler in technischer Hinsicht unglaublich stark geschult sein, meint Sutter weiter. «Jeder Spieler muss allen Anforderungen genügen.» Hatte ein Innenverteidiger vor 20 Jahren schlicht den Auftrag, vor dem eigenen Tor aufzuräumen, ist er im modernen Fussball bei Ballgewinn bereits erster Spielgestalter.

Differenzen kleiner geworden

Eine weitere Lehre aus der WM ist, dass die Differenzen kleiner geworden sind. Und zwar nicht nur die Unterschiede zwischen den «grossen» und den «kleinen» Teams, sondern auch innerhalb der Mannschaften. «Es ist sehr viel Qualität von der Bank gekommen», bestätigt Sutter und liefert damit auch gleich die Erklärung für die Rekordzahl an Joker-Toren bei dieser WM.

Bestes Beispiel dafür war der Siegestreffer von Mario Götze im Final. «Götze ist kein prädestinierter Ersatzspieler, im Gegenteil. Er verkörpert eher den Spielertypen, der eigentlich der Star der Mannschaft ist. Dass Götze bei Deutschland meist auf der Bank sass, beweist die Entwicklung, dass auch die Ersatzspieler immer höheres Niveau aufweisen», so Sutter.

«Bayern-Taktik» schlägt «Real-Taktik»

Was die Taktik der Teams betrifft, hat die WM wenige Überraschungen gebracht. Zwei verschiedene Spielsysteme dominierten das Geschehen. «Eine ‹Bayern-Taktik›, die auf Ballbesitz und Dominanz ausgerichtet ist und eine ‹Real-Taktik›, die auf Pressing im Mittelfeld und schnellem Umschalten beruht», erklärt Sutter.

In den Gruppenspielen hätte sich die defensivere Real-Taktik noch häufig durchgesetzt. «Ab den Achtelfinals gewann dann aber eigentlich immer jene Mannschaft, die versucht hat, das Spiel zu gestalten und zu dominieren», so Sutter. Mit Deutschland schliesslich sei jene Mannschaft Weltmeister geworden, die über das gesamte Turnier die offensivere Bayern-Taktik gespielt habe.

Sendebezug: SRF zwei, FIFA WM 2014 live, 13.07.14 21.00 Uhr

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Deutschland - Argentinien: Die Live-Highlights

5:25 min, aus FIFA WM 2014 live vom 13.7.2014