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Fussball allgemein Das letzte grosse Tabu

Schwule Fussballer gibt es nicht - dieses Bild prägte die Gesellschaft bis ins 21. Jahrhundert. Seit einigen Jahren ist bekannt: es gibt sie doch. Aber noch immer ist die Homosexualität das wohl letzte grosse Tabu-Thema im Spitzensport.

Legende: Video Schwule Fussballer sind immer noch Tabu – ein Betroffener erzählt abspielen. Laufzeit 12:00 Minuten.
Aus sportlounge vom 14.04.2014.

Offen zu seiner Homosexualität zu stehen ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, sollte im heutigen Spitzensport eigentlich kein Problem mehr darstellen. «Homosexuelle müssen sich auch im professionellen Männersport vor einem Outing nicht mehr fürchten», schrieb die Zeit-Online bereits vor 4 Jahren. Doch das Bild trügt.

«Gesellschaft muss reif für das Thema sein»

Fussballer, die sich öffentlich zu ihrer Homosexualität bekannten, gibt es wenige. Marcus Urban war einer der ersten, der sich an die Öffentlichkeit wagte. Der Deutsche stand anfangs der 1990er-Jahre kurz vor seinem Durchbruch zum Profi, als er im Alter von 21 Jahren seinen Rücktritt erklärte. Sein Coming-Out hatte er 1993, öffentlich gab er es allerdings erst 14 Jahre später bekannt.

«Homosexualität war ein absolutes Tabu-Thema», sagte Urban im Gespräch mit der sportlounge und nennt den Grund für das späte öffentliche Bekenntnis: «Die Gesellschaft musste reif für das Thema sein.»

Anfangs 2014 hatte mit Thomas Hitzlsperger der bislang bekannteste Fussballer sein Coming Out - allerdings auch erst 4 Monate nach seinem Rücktritt. «Das Thema ist immer noch sehr heiss, wir sind noch lange nicht am Ende der Strasse», so Urban über die mediale Resonanz zu Hitzlspergers Outing.

Das Tabu-Thema, das keines sein sollte

Der einzige bekannte aktive schwule Fussballer ist Robbie Rogers. Als er anfangs 2013 vertragslos war, machte er sein Outing öffentlich und trat gleichzeitig zurück. «Ich hatte Angst zu zeigen, wer ich wirklich bin. Angst vor Verurteilung und Verachtung», schrieb er auf seiner Homepage. Mittlerweile steht der bald 28-jährige Amerikaner bei LA Galaxy unter Vertrag.

Diese Angst trieb und treibt wohl auch heute noch viele Fussballer zum Versteckspiel. «Darin war ich perfekt. Ich hatte es mir verboten, schwul zu sein», erklärt Urban. Und obwohl es keines mehr sein sollte, ist die Homsexualität im Fussball eines der letzten grossen Tabu-Themen. «Gott hat Adam und Eva erschaffen - nicht Adam und Yves» - solche Aussagen wie diejenige von PSG-Akteur Alex sorgen dafür, das es sich in näherer Zukunft wohl auch nicht ändern wird.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Fabio Del Bianco, Spiel
    Nehmen wir mal an, der berühmte Spieler "XY" würde sich während seiner Aktivkarriere outen, dann würde er durch die psychische "Hölle" gehen. Unsere Gesellschaft (die Masse) würde eine Zirkusshow daraus machen. Offiziell ist die Menschheit sooo aufgeklärt, doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Leider muss ich das so sehen, was einem Armutszeugnis gleichkommt. Doch vielleicht wird ja einer der AKTIVEN Fussballer zum Märtyrer und wagt den ersten Schritt.
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  • Kommentar von YB forever, Wankdorf
    Für alle muss gelten und so auch im Sport: Die Würde des Menschen ist unantastbar und vorbehaltlos zu respektieren, unabhängig von Hautfarbe, Aussehen, Herkunft, Religion, politischer Einstellung oder irgendwelchen Neigungen. Das ist einer der wesentlichen Werte unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und Basis jeglicher Toleranz und eines friedlichen Zusammenlebens.
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    1. Antwort von M. Baumann, Basel
      Die Würde des Menschen ist unantastbar. Warum? Weil er ein Geschöpf Gottes ist. Das ist die Grundlage jeder christlichen Ethik. Bei der Hautfarbe, dem Aussehen und der Herkunft stimme ich dir zu. Aber was ist z.B. mit totalitären, manipulativen religiösen Gruppen? Was ist z.B. mit Rassismus als politischer Einstellung? Was ist z.B. mit Trainern mit einer pädophilen Neigung? Derartiges zu tolerien, trägt man kaum zu einem friedlichen Zusammenleben bei.
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    2. Antwort von YB forever, Wankdorf
      @M. Baumann, Basel: Es handelt sich bei meinen Ausführungen um den Grundsatz. Das heisst nicht, dass Übeltäter/innen geschützt werden sollen oder dürfen. Nachgelagert kommt selbstverständlich die Gesetzgebung zum Zug. Bei der Anwendung derselben ist dieser Grundsatz jedoch ebenfalls einzuhalten. Jede/r ist also nach ethisch-moralischen Grundsätzen und gleich zu behandeln unter Einhaltung des Rechts.
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  • Kommentar von M. Baumann, Basel
    "Diese Angst trieb und treibt wohl auch heute noch viele Fussballer zum Versteckspiel." Die Angst mag berechtigt sein. Doch ich frage mich, wie viele sind VIELE? Macht hier das Schweizer Fernsehen aus einer Fliege einen Elefanten? Es interessiert wahrscheinlich keinen und ist total langweilig: Aber ich bin Fussballer und heterosexuell und ich steh dazu!
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