Dubiose Transfergeschäfte: Nachwuchskicker im Visier von Topklubs

Obwohl Fussballer unter 18 Jahren international nicht transferiert werden dürfen, finden Klubs immer wieder Schlupflöcher. Aktuell steht Real Madrid im Verdacht, mit einem ausgeklügelten System das Schutzalter für Fussballer umgangen zu haben. Auch die Schweiz kennt Fälle.

Video «Fussball: Interview mit Fredy Bickel zum Kinder-Handel im Fussballgeschäft» abspielen

Fredy Bickel: «Uns werden laufend Minderjährige angeboten»

1:54 min, vom 3.3.2015

Fredy Bickel, Sportchef bei den Berner Young Boys, hat ein Problem. Weil YB verstärkt auf den eigenen Nachwuchs setzt, muss er sich immer öfters gegen illegale Geschäfte wehren. Gegen Begehren von ausländischen Klubs, welche die Berner Talente möglichst früh – unerlaubt früh - zu sich holen möchten.

Und auch das Gegenteil ist der Fall: Immer öfters werden ihm minderjährige Talente angeboten, die bei YB spielen wollen. Doch das FIFA-Reglement sagt: Fussballer unter 18 Jahren dürfen international nur in Ausnahmefällen transferiert werden. Doch genau diese Ausnahmefälle bieten Schlupflöcher, welche die Klubs zu nutzen versuchen.

Video «Rohstoff Kind – skrupelloser Handel im Fussballgeschäft» abspielen

Rohstoff Kind – skrupelloser Handel im Fussballgeschäft

9:15 min, aus sportlounge vom 2.3.2015

Die Tricks von Real Madrid

Real Madrid hat eben den erst 16-jährigen Norweger Martin Ödegaard nach Madrid geholt. Ein Riesentalent, um das auch Klubs wie Bayern München gebuhlt haben. Zugleich hat Real Ödegaards Vater als neuen Technik-Trainer vorgestellt. Kein Zufall. Denn Transfers von unter 18-Jährigen sind dann erlaubt, wenn deren Eltern auch in das entsprechende Ausland gezogen sind und dort arbeiten. Allerdings darf der Umzug nicht wegen des Transfers des Sohnemanns erfolgt sein. Was im Fall Ödegaards aber auf der Hand liegt. Die FIFA hat darum Ermittlungen aufgenommen.

Partner Klubs als Tarnung

Der Fall Ödegaard ist kein Einzelfall. Nach Aussagen des spanischen Journalisten José Luis Guerrero von der Madrider Sportzeitung AS hat die FIFA weitere spanische Klubs im Visier, die gegen die Transferbestimmungen verstossen haben. Schon allein bei Real würden 51 weitere Kindertransfers untersucht.

Vermeintliches Schlupfloch im Reglement ist nicht nur der Familiennachzug. So steht Real im Verdacht, ausländische Kinder zuerst in spanischen Partner-Klubs parkiert zu haben, um den späteren Transfer zu Real als – legalen - innerspanischen Transfer tarnen zu können.

Legales Schlupfloch Asylantrag

Die Sendung «sport inside» des WDR hat eine weitere Taktik aufgedeckt. Der bei Hertha Berlin spielende minderjährige Bosnier Miralem Ramic tingelte schon als 11-jähriger mit seinen Beratern auf der Suche nach einem Klub durch Europa . Alle lehnten wegen der FIFA-Regel ab. Nun haben Ramics Eltern in Deutschland Asyl beantragt, was ihm die Spielberechtigung gibt. Ein legales Schlupfloch.

YB muss warten

Die FIFA-Regeln, seit 2009 streng umgesetzt, sind ein gutes Instrument. Darin sind sich alle einig. Auch Fredy Bickel von YB. Doch er erzählt auch von einem Fall, bei dem die Aufsicht der FIFA seiner Ansicht nach an Grenzen stösst. YB möchte einen noch nicht ganz 18-jährigen Italiener verpflichten. Seine Eltern leben bereits in der Schweiz, es wäre also ein Familiennachzug gemäss YB.

Doch die FIFA traut der Sache nicht und verhindert den Transfer. So bleibt YB wohl nur, sich zu gedulden, bis der Spieler der Minderjährigkeit entwachsen ist.

Sendebezug: SRF zwei, sportlounge, 02.03.2015, 22:25 Uhr