«Er braucht einen ziemlich grossen Besen»

Zahlreiche Verbandsvertreter haben Gianni Infantino zur Wahl zum Fifa-Präsidenten gratuliert. Auch kritische Töne werden laut. Die Reaktionen.

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Peter Gilliéron zur Wahl Infantinos

1:07 min, vom 26.2.2016

Zu den Gratulanten gehörten wenig überraschend viele europäische Fussball-Verbände, die Infantino schon im Vorfeld unterstützt hatten. «Auf in eine neue Ära», twitterte die Swiss Football League gar euphorisch – oder einfach nur hoffnungsvoll?

Auch SFV-Präsident Peter Gilliéron wollte seine Freude nicht verbergen. Gianni Infantino sei ganz einfach der richtige Mann, seine Nationalität sekundär. «Er kennt die politische Welt, die Finanzen und den Fussball», erklärt Gilliéron.

Arbeiter reinigt den Boden

Bildlegende: Wird bei der Fifa jetzt ausgemistet? Bild vom Kongress in Zürich. Keystone

Linekers Laune verfinstert sich

Nicht so richtig freuen mag sich Gary Lineker, einer der Fifa-Chefkritiker. «Ich wünsche Gianni Infantino alles Gute. Er hat höllisch viel Arbeit vor sich, aber scheint ein guter Bursche zu sein. Er braucht einen ziemlich grossen Besen», liess der BBC-Kommentator zunächst verlauten. Die Laune des Engländers wurde aber von Minute zu Minute schlechter.

«Hmm, kein grosser Eröffnungssatz», monierte Lineker kurze Zeit später. Infantino hatte nach seiner Wahl gesagt: «Wir müssen stolz auf die Fifa sein und darauf, was wir gemeinsam erreichen werden.»

Lineker ging gar noch weiter: «Ich habe das komische Gefühl, dass er seine Maske herunternehmen wird und dann Sepp Blatter zum Vorschein kommt.»

Blatter selbst kann offenbar gut mit Infantinos Wahl leben. Der scheidende Fifa-Präsident attestiert seinem Nachfolger alle Qualitäten, die es brauche, um seine Arbeit fortzusetzen und die Fifa zu stabilisieren.

«  Ich habe mit Gianni in der Weihnachtszeit noch Glühwein getrunken und ihm Tipps gegeben. »

Sepp Blatter

Deutschland nicht unisono hinter Infantino

In Deutschland sind die Meinungen geteilt. DFB-Interimspräsident Rainer Koch begrüsst Infantinos Wahl: «Wir sind froh und erleichtert, dass Gianni Infantino gewonnen hat und der europäische Fussball weiter starken Einfluss nehmen kann.» IOC-Präsident Thomas Bach freut sich auf eine «gute und konstruktive Zusammenarbeit im Sinne des Sports».

Eine Absage an Infantinos Pläne einer WM mit 40 Teams gibt es hingegen von Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandschef von Bayern München und Vorsitzende der Klubvereinigung ECA fordert von Infantino, sich dem überfrachteten Spielbetrieb anzunehmen.

«Wir haben einen Punkt erreicht, an dem wir die Spieler nicht weiter belasten können, sondern sie entlasten müssen. Die Fifa muss ihrer Verantwortung für die Gesundheit der Spieler gerecht werden», so Rummennigge.

10 Kilometer von Visp nach Brig

Enttäuscht ist ZDF-Sportreporter Jochen Breyer. Er glaubt nicht, dass sich die Fifa jetzt bewegt und verweist auf die Nähe von Infantinos Heimat Brig zu Blatters Heimat Visp.

Sendebezug: SRF 1, Tagesschau, 26.2.2016, 19:30 Uhr