FIFA wäscht Russland und Katar rein - Ermittler Garcia empört

Die FIFA-Ethikkommission hat Russland und Katar von den gravierendsten Korruptionsvorwürfen rund um die WM-Vergabe freigesprochen. Michael Garcia, der Verfasser des Untersuchungsberichts, kritisiert die Schlussfolgerungen jedoch und kündigt Berufung an.

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Turbulenzen bei der FIFA nach Ethikkomissions-Bericht

2:42 min, vom 13.11.2014

Die Ethikkommission unter dem deutschen Vorsitzenden Hans-Joachim Eckert stellte im Zusammenhang mit der Vergabe der WM 2018 nach Russland und 2022 nach Katar zwar Verstösse und Verdachtsmomente fest.

Keine dieser Vergehen wurden aber als so gravierend eingestuft, dass sie den Ausgang der umstrittenen WM-Vergaben entscheidend beeinflusst hätten. Auch gegen die anderen 7 Bewerber werden keine Sanktionen gefordert.

Die Vorsitzenden der Fifa-Ethikkommission Michael J. Garcia und Hans-Joachim Eckert vor dem Fifa-Hauptsitz.

Bildlegende: Widersprechen sich FIFA-Chefermittler Michael J. Garcia und Hans-Joachim Eckert, Vorsitzender der rechtssprechenden Ethikkammer der FIFA. Keystone

Garcia gegen Eckert

Das Gremium basierte sein 42-seitiges Fazit auf den Untersuchungsbericht des ehemaligen US-Staatsanwalts Michael J. Garcia, der 75 Zeugen befragt und 200'000 Seiten Material studiert hatte. Garcia kritisierte die Schlussfolgerungen der Kommission aber umgehend als «unvollständig und fehlerhaft» und kündigte Berufung an. Weitere Diskussionen dürften damit nicht zu vermeiden sein.

Angebote und Geschenke an Funktionäre

Im Abschlussbericht der Ethikkommission wird unter anderen der ehemalige FIFA-Vizepräsident Jack Warner erwähnt, der von mehreren Kandidaten mit unmoralischen Angeboten kontaktiert wurde. Ein direkter Zusammenhang mit den WM-Bewerbungen konnte aber nicht festgestellt werden.

Japan, Südkorea und die USA buhlten offenbar mit Geschenken um die Stimme von FIFA-Funktionären oder sollen versucht haben, Absprachen mit anderen Kandidaten zu treffen.

Zerstörte Computer in Russland

Beim nächsten WM-Gastgeber Russland waren die Ermittlungen offenbar schwierig, weil viele Computer zerstört worden sind. Nachgewiesen werden konnten einzig mehrere Verstösse gegen Meldepflichten von Kontakten mit FIFA-Exekutivmitgliedern. Diese sollen auf die WM-Vergabe aber keinen Einfluss gehabt haben.

Als einzige Kandidaten nichts zuschulden kommen lassen hatten sich Belgien und die Niederlande, welche sich gemeinsam für die WM 2018 beworben hatten.

Lob an Blatter

Ausdrücklich gelobt wurde von der Ethikkommission FIFA-Präsident Sepp Blatter. Der 78-Jährige verdiene «Anerkennung» für die Kooperation der FIFA mit den Ermittlern, schrieb Eckert.

Bericht im September weitergereicht

Die FIFA-Ethikkommission war nach Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit der WM-Vergabe an Russland (2018) und Katar (2022) aktiv geworden. Chefermittler Michael Garcia hatte seinen Bericht im September an die Verhandlungskammer von FIFA-Ethikrichter Hans-Joachim Eckert weitergeleitet.

Der Bericht Eckerts wurde nun veröffentlicht, die gesamte Untersuchung Garcias soll jedoch unter Verschluss bleiben.

Sendebezug: Radio SRF 4, Nachrichten, 13.11.2014, 10:30 Uhr.

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FIFA wäscht Katar und Russland rein

2:34 min, aus Tagesschau vom 13.11.2014