Ronaldo: der Junge, der Romario den Kaffee brachte

Früher sorgte er mit Toren auf dem Feld für Spektakel, heute organisiert er es. Ronaldo spricht im Interview über seine Funktion im OK der WM 2014 und blickt zurück auf Scherze von Romario, grosse Momente seiner Karriere und unnötige Verletzungen.

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Ronaldo im Gespräch

9:50 min, aus sportlounge vom 7.1.2013

Er hält mit 15 Toren den Rekord an WM-Treffern, spielte für Barcelona, Real Madrid, Inter Mailand und die AC Milan. Er stand mit 17 Jahren im Kader von Weltmeister Brasilien, wurde mit 20 als jüngster Spieler überhaupt zum Weltfussballer des Jahres gekürt. 2002 führte er sein Heimatland mit 8 Toren zum WM-Titel. Kurz: Der Brasilianer Ronaldo ist einer der grössten Fussballer aller Zeiten.

Während «Il Fenomeno» mit der Nummer 9 früher die Zuschauer weltweit verzückte, ist er nun neben dem Platz dafür besorgt, die Bühne für das ganz grosse Spektakel herzurichten. Der 36-Jährige ist Mitglied des OKs für die WM 2014 in Brasilien und orientierte an der FIFA-Gala in Zürich über den Stand der Vorbereitungen. Die neue Funktion fordert Ronaldo heraus. «Wir müssen dafür sorgen, dass in 12 Städten in diesem riesigen Land alles funktioniert. Die Aufgabe gefällt mir sehr, und ich lerne dabei auch enorm viel», erklärt er.

Späterem Sturmpartner jeden Wunsch erfüllt

Gerne blickt der Brasilianer, der mit einem Schmunzeln zugibt, nun zwar etwas mehr Haare auf dem Kopf, «aber auch ein paar Kilos mehr auf den Rippen» zu haben, auf seine Karriere zurück. Er überrascht dabei mit unterhaltsamen Anekdoten. So erzählt Ronaldo, wie ihn Romario, mit welchem er in den 1990er Jahren den «RoRo-Sturm» der Seleçao bildete, bei Zusammenzügen veräppelte.

«Als Junger tust du im Nationalteam alles, was von dir verlangt wird. So hat mich Romario immer Kaffe holen geschickt. Ich habe ihm den Wunsch erfüllt und nicht verstanden, dass er sich über mich lustig machte», erzählt Ronaldo.

Falsche Trainingsmethoden in Mailand

Ronaldos Karriere war nicht ohne dunkle Flecken, zu oft hielten ihn Verletzungen von Einsätzen ab. 1999 erwischte es den Stürmer bei Inter am rechten Knie, 2008 war dann bei Milan das linke an der Reihe. Ronaldo schätzt die Verletzungen heute als wenig zwingend ein. «Zu jener Zeit war Fussball halt noch sehr hart. Und die Trainingsmethoden waren zum Teil schlichtweg falsch», erklärt er.

Heute geht es Ronaldos Knien wieder gut. Vermissen tut er seit seinem Rücktritt vor allem die Atmosphäre in den Stadien und den Druck. Wobei letzterer, je näher der der 12. Juni 2014 rückt, auch spürbar werden dürfte. An jenem Datum wird in Sao Paulo die WM eröffnet und sich zeigen, ob Ronaldo neben dem Feld genauso exzellent zu agieren vermag, wie auf dem Rasen. Vielleicht lädt ihn ja dann Romario, mittlerweile Politiker im brasilianischen Parlament, mal zum Kaffee ein.

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Die grosse Karriere von «Il Fenomeno» Ronaldo

2:00 min, aus sportlounge vom 7.1.2013