27. Bayern-Titel: Ein Trostpflaster, mehr nicht

Am viertletzten Spieltag haben die Bayern eine weitere Meisterschaft klargemacht. Auf dem Rathausbalkon werden sich Spieler und Trainer traditionell feiern lassen. Allzu überschwänglich dürfte die Fete kaum werden.

Die Bayern samt Maskottchen Bernie feiern in der Allianz Arena vor der Fankurve.

Bildlegende: Richtig gejubelt wurde nur in der Bundesliga Die Bayern samt Maskottchen Bernie feiern in der Allianz Arena vor der Fankurve. Keystone

Die nackten Zahlen sind eindrücklich:

  • Der jüngste Bayern-Triumph ist der 27. Meistertitel der Klubgeschichte
  • Die Münchner jubeln zum 5. Mal in Folge – auch das ist Bundesliga-Rekord
  • Dazu kommen 3 Pokal-Triumphe in den letzten 5 Jahren

Friede, Freude, Eierkuchen an der Säbener Strasse also? Mitnichten! An die Saison 2016/17 wird man sich in München nicht lange erinnern. Denn der FC Bayern misst sich längst nicht mehr am Gewinn der Bundesliga.

Carlo Ancelotti gestikuliert an der Seitenlinie.

Bildlegende: Auch er bringt den Henkelpott nicht zurück Carlo Ancelotti. Imago

Zuerst platzte das Triple, dann das Double

Der Rekordmeister war primär angetreten, um die Champions League zu gewinnen. Wie zuletzt 2013, als unter Jupp Heynckes das Triple realisiert wurde. Doch was Heynckes-Nachfolger Pep Guardiola in 3 Anläufen nicht fertig brachte, gelang auch Carlo Ancelotti in seinem 1. Bayern-Jahr nicht: Real Madrid bedeutete im Viertelfinal Endstation. So früh war Bayern zuletzt 2011 gescheitert.

«Ob es eine gute oder sehr gute Saison wird, hängt vom Pokal ab», sagte Bayern-Captain Philipp Lahm nach dem CL-Out. Es sollte keine sehr gute werden. Borussia Dortmund zerstörte im Halbfinal des DFB-Pokals den Traum vom Double.

Mit dem Gewinn der Bundesliga haben die Bayern das Minimalziel erreicht. Mehr nicht. «Gut» ist im Bayern-Selbstverständnis nicht automatisch auch «zufriedenstellend». Man wird sich zwar auf dem Rathausbalkon in Münchens Innenstadt von den Fans feiern lassen, doch überschwänglich wird die Fete nicht ausfallen.

Philipp Lahm (links) und Xabi Alonso sitzen auf der Spielerbank.

Bildlegende: Sie werden fehlen Philipp Lahm (links) und Xabi Alonso. Imago

Wer wird Lewandowskis Backup?

Stattdessen wird man den Fokus bereits auf die kommende Spielzeit richten. Von den Schlüsselspielern läuft nur der Vertrag von Xabi Alonso aus – der 35-Jährige beendet seine Profikarriere. Zudem tritt auch Captain Lahm trotz Kontrakt bis 2018 zurück.

Ziel der Bayern wird es sein, die Eckpfeiler der Equipe zu halten, Lahm und Alonso zu ersetzen sowie die Mannschaft punktuell zu verstärken. Zur Disposition steht ein 2. Angreifer neben Robert Lewandowski, der als Mittelstürmer eingesetzt werden kann. Denn als der polnische Topskorer im CL-Viertelfinal-Hinspiel verletzt fehlte, nahm für die Bayern das Unheil seinen Lauf.

Sendebezug: Radio SRF 3, Nachmittagsbulletin, 29.4.17, 17:50 Uhr