China eine Bedrohung für Europa? «Das ist lächerlich!»

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping versucht um jeden Preis, den einheimischen Fussball erfolgreich zu machen. Wie stehen seine Erfolgschancen? Wir haben einen Experten befragt.

In dieser Transferperiode wurde im Reich der Mitte geklotzt wie noch nie. Mit über 260 Millionen Euro an Ablösesummen für Transfers wurde gar die Premier League in den Schatten gestellt (rund 250 Mio).

Die grossen finanziellen Anstrengungen kommen nicht von ungefähr, forderte doch Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping höchstpersönlich, dass es mit Chinas Fussball endlich vorwärts gehen soll. Das Staatsoberhaupt ist selbst ein grosser Fussballfan. Sein 3-Punkte-Plan sieht vor, dass:

  • China sich für eine WM qualifizieren soll.
  • China Austragungsland einer WM werden soll.
  • China Weltmeister werden soll.
Ein chinesischer Fan feuert sein Team an

Bildlegende: Nicht der grosse Brüller Noch lässt die Qualität im chinesischen Fussball zu wünschen übrig. Keystone

Attraktive Destination für Fussballer

Scheinbar unerschöpfliche Geldreserven, staatlich verordnete Begeisterung und Metropolen, die in Sachen Lebensqualität mittlerweile einiges zu bieten haben. Wird die chinesische Super League also einst die Liga mit der grössten Strahlkraft und Chinas Nationalmannschaft zu einer Macht?

«Das ist lächerlich», sagt Cameron Wilson. Der britische Sportjournalist und Betreiber der Website http://wildeastfootball.net/ wohnt seit über einem Jahrzehnt in Schanghai und kennt sich in der Szene aus.

Darum ist das chinesische Modell aus seiner Sicht keine Konkurrenz für Europa:

  • Das Leistungsgefälle

«Zwar werden die teuer eingekauften Spieler dafür sorgen, dass das Qualitäts-Level angehoben wird. Doch in kaum einer anderen Liga ist der Niveau-Unterschied zwischen einheimischen und ausländischen Fussballern so eklatant wie in der ‹Chinese Super League›.»

  • Keine Nachwuchsförderung

«Es gibt praktisch keine Jugendmannschaften und kaum Infrastruktur für die breite Öffentlichkeit. Die Kinder stehen in der Schule dermassen unter Leistungsdruck, dass sie fast ihre gesamte Freizeit für die Hausaufgaben opfern müssen, damit sie später studieren können und einen guten Job finden. Da bleibt keine Zeit für Sport.»

  • Begrenzte Kontingente für Ausländer

«In China dürfen höchsten 5 ausländische Spieler unter Vertrag stehen. Und auf dem Platz dürfen höchstens 4 pro Spiel eingesetzt werden. Im Gegensatz zu den Klubs in Europa sind die Plätze für Ausländer also stark begrenzt.»

  • Prestige statt nachhaltiger Erfolg

«Die aktuelle Entwicklung im chinesischen Fussball ist nicht nachhaltig, weil bei den Klubs nur Geld eingeschossen und kein Output erwartet wird. Die Vereine werden von grossen Firmen finanziell unterstützt. Und die Firmen sichern sich durch diese prestigeträchtigen Transfers die Gunst der Regierung. Das wird auf lange Sicht nicht gut gehen.»

Sport als Mittel zur Selbstinszenierung

Vorläufig geht es also primär darum, «Chinas Ansehen in der Welt zu erhöhen, auch wenn das niemand so direkt sagen will», erklärt SRF-China-Korrespondent Lukas Messmer.

Dazu eignet sich der Sport bestens, wie sich bereits bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking beobachten liess. Und wenn es im Fussball nicht klappt, stehen ja schon bald die Olympischen Winterspiele 2022 (wiederum in Peking) an.

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Sendebezug: Radio SRF 3, Morgenbulletin, 03.02.2016, 08:05 Uhr.