Der grosse BVB am Tiefpunkt angelangt

Nach der 0:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt ist Borussia Dortmund erstmals seit über sieben Jahren wieder das Schlusslicht der Bundesliga. Bei den in den letzten Jahren erfolgsverwöhnten Westfalen herrscht grosse Ratlosigkeit.

Jürgen Klopp (2.v.r.) und seine Spieler verlassen in Frankfurt enttäuscht den Platz.

Bildlegende: Hängende Köpfe Jürgen Klopp (2.v.r.) und seine Spieler verlassen in Frankfurt enttäuscht den Platz. Reuters

In der bisher völlig verkorksten Saison klang es aus den Reihen von Borussia Dortmund immer wieder gleich. Man müsse diese schwierige Phase einfach überstehen und man sei mehr als überzeugt, dass die Wende kommen werde. Bislang traten die Prophezeiungen aber nicht ein. Nach der jüngsten Niederlage gegen Frankfurt und dem Absturz auf den letzten Tabellenplatz scheint der Glaube an den Aufschwung teilweise zu schwinden.

In Frankfurt machten zum ersten Mal die Fans, die bislang trotz der Erfolglosigkeit hinter ihrer Mannschaft gestanden waren, ihrem Unmut mit Pfiffen Luft. Der Tiefpunkt, den man Woche für Woche als nicht mehr zu unterbieten angesehen hatte, ist für die Anhänger nun definitiv erreicht, die Stimmung schlägt um.

Die Dortmund-Spieler stehen nach der Niederlage in Frnkfurt vor den aufgebrachten Fans.

Bildlegende: Unzufrieden Die BVB-Fans machen ihrem Ärger nach der Niederlage in Frankfurt Luft. Reuters

Die Ratlosigkeit des Jürgen Klopp

Coach Jürgen Klopp ist die Ratlosigkeit in seiner bisher schwierigsten Phase als Trainer von Dortmund deutlich anzumerken. Sein System mit frühem Gegenpressing und überfallartigen Angriffen verursacht bei den Gegnern kaum mehr Kopfschmerzen. Teams wie die Aufsteiger aus Köln und Paderborn boten dem achtfachen Meister fast problemlos die Stirn.

Zwar gab es für die Borussia in dieser Saison auch Lichtblicke: In der Champions League steht der BVB – trotz der 0:2-Niederlage am letzten Mittwoch bei Arsenal – in den Achtelfinals, in der Liga besiegte er dank einer starken Leistung das damals formstarke Mönchengladbach. Diese Erfolgserlebnisse führten in der Meisterschaft aber nie zur erhofften Trendwende, der Negativstrudel drehte sich unaufhörlich weiter.

Fehlende Effizienz und individuelle Fehler

Dabei sind die Leistungen der Dortmunder beileibe nicht nur schlecht. In einigen Belangen offenbaren sie ihre Schwächen aber besonders stark: Nach dem Abgang von Topskorer Robert Lewandowski lässt die Effizienz vor dem Tor mehr als zu wünschen übrig. Hinzu kommen haarsträubende individuelle Fehler, wie auch zuletzt beim 2. Gegentreffer gegen Frankfurt durch Haris Seferovic.

Marco Reus wälzt sich nach dem rüden Foul von Paderborns Marvin Bakalorz verletzt am Boden.

Bildlegende: Tragische Figur Marco Reus wälzt sich im Spiel gegen Paderborn verletzt am Boden. Reuters

Nicht vergessen werden darf, dass das Verletzungspech bei Dortmund kein Ende zu haben scheint. Im eigentlich topbesetzten Kader fallen zu viele Leistungsträger zu oft aus. Allein Marco Reus fehlt im Moment wegen einem Aussenbandriss bereits zum zweiten Mal in dieser Saison für längere Zeit.

Klopp denkt nicht an Rücktritt

Trotz der schlechten Situation ist Klopp in Dortmund kein Thema. Der Glaube daran, dass der 47-Jährige die Mannschaft zurück zum Erfolg führt, ist zumindest bei den Klub-Verantwortlichen ungebrochen. Und ein Rücktritt kommt für Klopp nicht in Frage: «Ich habe hier die Verantwortung und solange keiner kommt und sagt, wir haben jemanden, der es besser macht, kann ich doch nicht gehen. Wenn es aber nur am Glück hängt und ein Trainerwechsel das Glück zurückbringt, dann soll mich jemand anrufen und mir eine Garantie geben. Dann mache ich den Weg frei.»

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 26.11.14, 20:00 Uhr

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CL: Zusammenfassung Arsenal - Dortmund

4:02 min, vom 26.11.2014