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Nationalmannschaft Behrami, Shaqiri und Co: Verbundenheit schürt Erwartungshaltung

Sechs albanischstämmige Nationalspieler stehen im Schweizer Aufgebot für das WM-Qualifikationsspiel in Albanien. In ihrem Mutterland sind sie zwar Helden. Doch das Publikum wird trotzdem hinter dem Heim-Team stehen.

Legende: Video «Albanischer Zusammenhalt» abspielen. Laufzeit 7:16 Minuten.
Aus sportlounge vom 07.10.2013.

Nur ein Prozent der 200‘000 Albaner in der Schweiz stammt tatsächlich aus dem Staat Albanien. Die grosse Mehrheit kommt aus dem Kosovo und aus Mazedonien. So auch die Schweizer Nationalspieler Valon Behrami, Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka (alle Kosovo) sowie Blerim Dzemaili, Pajtim Kasami und Admir Mehmedi (alle Mazedonien). So gut diese Schweizer Nationalspieler hierzulande integriert sind, so starke ist doch die Verbundenheit zu ihrem Mutterland.

Immer unterdrückt

Sie sprechen albanisch, essen die typischen Gerichte, pflegen die Traditionen. Der Zusammenhalt ist wichtig für das albanische Volk. Obwohl sie zu den Urvölkern am Balkan gehörten, lebten die Albaner immer unter Fremdherrschaft. Ob von Römern oder Habsburgern, Slawen oder Türken – immer wurden sie unterdrückt. Dies führte zum einen dazu, dass Albaner häufig auswanderten und sich andernorts ansiedelten.

Zum anderen bauten sie in der ländlichen und armen Region ein eigenes Rechtssystem auf, den Kanun, der das Zusammenleben innerhalb ihrer Gemeinschaft regelte. Der Kanun war bindender und identitätsstiftender für die Albaner als etwa die Religion. Die meisten konvertierten zwar im Osmanischen Reich zum Islam, doch noch heute gibt es auch albanische Katholiken und Orthodoxe. Zudem gibt es durch die ehemaligen kommunistischen Regimes in Jugoslawien und Albanien auch viele Konfessionslose.

Wenn nicht für den Kosovo …

Legende: Video «Enver Robelli: «Eine Sprache, drei Religionen»» abspielen. Laufzeit 0:43 Minuten.
Vom 09.10.2013.

Enver Robelli, Auslandredaktor beim Tages-Anzeiger mit Wurzeln im Kosovo, sagt denn auch: «Man kann nicht sagen, dass die Religion die Albaner verbindet. Was sie verbindet ist die Sprache, die gemeinsame Erinnerung an die Türkenherrschaft und an die Unabhängigkeitskämpfe.» Den letzten Unabhängigkeitskampf focht der Kosovo gegen Serbien aus.

Von der UNO wird der seit 2008 eigenständige Kosovo noch nicht anerkannt. Die FIFA gesteht dem jungen Land keine offiziellen Länderspiele zu. Und so spüren die albanischstämmigen Natispieler die geballte Erwartungshaltung im Kosovo: Nämlich die, vorläufig für die Nation Albanien anzutreten.

Legende: Video «Robelli: Druck wird mit Kosovo-Nati steigen» abspielen. Laufzeit 0:43 Minuten.
Vom 09.10.2013.

Deshalb wurden Behrami, Shaqiri und Xhaka im Heimspiel gegen Albanien ausgepfiffen, und deshalb werden sie voraussichtlich auch in Tirana wieder ausgepfiffen. Stolz ist man trotzdem auf sie – und wird sie spätestens dann unterstützen, wenn an der WM kein «albanischeres» Team spielt als die Schweizer Nati.

16 Kommentare

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  • Kommentar von J.G, Thun
    @Hagou Hans: Warum schauen Sie sich als Eishockey-Fan eigentlich Fusballreportagen an?
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    1. Antwort von Hagou Hans, Bienne
      @J.G. Thun: ...essen Sie etwa einseitig? - ...und EishockeyFAN bin ich auch nicht! Selber Sport machen, ist mein DING!
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  • Kommentar von EminI Abel, Schweiz
    Danke, wir sind eine Nation und niemand wird uns trennen. Nicht mal eine Religion haben wir. Wir sind stolz auf die albanische NATI sowohl auf die albanischen Spielern der schweizer NATI. So oder so wir sind an der WM dabei!
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    1. Antwort von Hans Koller, Basel
      Ja wir haben es jetzt gehört wie toll Albanien ist deshalb kommen ja auch alle hier her.
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    2. Antwort von Hagou Hans, Bienne
      VOLLTREFFER @Hans Koller, Basel
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    3. Antwort von Marc, Schweiz
      Es ist wirklich traurig zu wissen wie viele Schweizer keinen Patriotismus zeigen können... Lieber verfluchen sie Einwanderer als ihren eigenen Staat anzufeuern...! Nationalstolz ist eines der emotionalsten Gefühle dieser Welt. Schade kennen viele Schweizer dies nicht...!! Denjenigen welche es nicht kennen schlage ich vor ein paar Jahre ins Ausland zu ziehen... Eminl Abel, bleiben sie wie sie sind!! ;) Wäre schön wenn sich das bald mal ändern würde.
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    4. Antwort von Hagou Hans, Bienne
      @Marc, Schweiz: stimmt..."Nationalstolz ist eines der emotionalsten Gefühle dieser Welt." JUGOSLAVIEN war auch mal ein emotionaler Vielvölkerstaat!!! Heute spielt in der Schweiz ein HNK ZAGREB 3.Liga Fussballmeisterschaft, in Kroatien gibt es glaub keinen FC ZÜRICH! - WAS meinten Sie genau mit, dass Schweizer kein Patriotismus oder Integration zeigen?
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  • Kommentar von Samir T., Luzern
    Menschen wie Herr Robelli sind die Ursache dafür, dass immer mehr Kosovo-Albaner sich für Kosovaren halten. Das ist falsch! Und was heisst hier man erwartet von Ihnen das sie "vorläufig" für Albanien spielen? Alle Kosovo-Albaner der albanischen Nati haben klar gemacht, dass sie keine Kosovo-Nati wollen. Ansonsten guter Bericht, ausser die Verteilung der Albaner auf der Karte ist Falsch. Freue mich auf ein faires Spiel. Forca Shqipria!
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    1. Antwort von Emini Abel, Schweiz
      Dabei gibt es keine "Kosovaren" - Kosovaren sind nur ein regionaler Begriff wie Bayern in Deutschland. Wir sind alle Albaner. Selbst die Albaner in Argentienien dessen Vorfahren vor 500 Jahren nach Italien ausgewandert sind - erheben sich stolz mit der Fahne Albaniens und der Fahne Skanderbegs.
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