Teilziel erreicht – jetzt muss der nächste Schritt kommen

Der Blick auf die Tabelle der EM-Quali-Gruppe E liefert erfreuliche Tatsachen: Die Schweiz hat sich einen Spieltag vor Schluss für die Endrunde qualifiziert. Nüchtern betrachtet hat die Mannschaft erreicht, was man von ihr erwartet hat. Mehr aber nicht.

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Sascha Ruefers Analyse der EM-Kampagne

1:43 min, vom 10.10.2015

Sogar das 7:0 vom Freitag über San Marino, notabene der zweithöchste Sieg in der Schweizer Nati-Geschichte, hat eine berechtigte Plattform für Kritik geboten. Ein Phänomen, das sich durch die gesamte Qualifikation zog. Weshalb? Weil die Nati in keinem Spiel restlos zu überzeugen wusste.

Kein Coup gegen den «Grossen»

Die Frage bleibt ungeklärt, wie stark die Schweiz tatsächlich ist. Es waren kleine Enttäuschungen während dieser Qualifikation, die von den grossen Emotionen – im Wesentlichen dem Slowenien-Sieg – überlagert wurden. Gegen das vermeintlich grosse England war die Schweiz chancenlos.

Die Sehnsucht des Schweizer Fans nach Grossem, nach Magischem, bleibt auch nach der Qualifikation Sehnsucht. Sie zu stillen muss Ziel sein für die EM-Endrunde.

Minimalziel Viertelfinal

Der nächste Schritt ist fällig. Und angesichts der Voraussetzungen sogar Pflicht. Die Schweiz muss an der Endrunde den Beweis abliefern, dass sie den selbst geäusserten Ansprüchen gerecht wird. Das Minimalziel muss Viertelfinal heissen.

Die rosigen Aussichten verlangen das: Der hochtalentierte Kader ist jung, die Startelf gegen San Marino war im Schnitt 24,1 Jahre jung, wichtige Pfeiler des Teams sind noch keine 25. Alle spielen sie in wichtigen Ligen Europas.

Das Potenzial ist überragend und übertüncht womöglich die Realität. Viele Spieler sind bei Ihren Klubs mittlerweile nicht mehr erste Wahl oder kämpfen mit Formkrisen. Die Hierarchien in der Mannschaft sind nicht klar definiert und eher flach gehalten. Das birgt zwar viel Energie und Kreativität, das birgt aber auch Konfliktpotenzial.

Petkovics Kampf um Anerkennung

Vladimir Petkovic steht vor wichtigen Monaten. Der Trainer kämpft auch eineinhalb Jahre nach Amtsantritt um Akzeptanz. Obwohl er das gesteckte Ziel erreicht hat. Obwohl er ohne Frage attraktiveren, offensiveren Fussball spielen lässt, als es Ottmar Hitzfeld getan hat.

Die Personalie des Trainers ist in den nächsten Wochen die grosse Herausforderung des Verbandes. Der Kontrakt mit Petkovic hat sich mit der Qualifikation automatisch bis nach der Endrunde verlängert. Noch in diesem Herbst soll über eine Verlängerung befunden werden.

Ruhige Vorbereitung oder Verpflichtung eines Wunschkandidaten?

Die Frage ist, ob der Verband eine Weiterentwicklung im Team unter Petkovic sieht. Andere Landesverbände zollen der Arbeit des Nati-Coaches jedenfalls grossen Respekt, in Italien geniesst Petkovic einen sehr guten Ruf. Petkovic zwei weitere Jahre zuzugestehen und das frühzeitig zu fixieren, wäre nicht verkehrt. Zudem würde es eine ruhige EM-Vorbereitung garantieren.

Umgekehrt lockt die Tatsache, dass ausgerechnet die beiden Wunschkandidaten nach Hitzfelds Rücktritt verfügbar wären. Lucien Favre und Marcel Koller. Kann der Verband dieser Versuchung widerstehen?

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Zusammenfassung Schweiz - San Marino

3:49 min, aus sportaktuell vom 9.10.2015

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 9.10.15, 20:00 Uhr

Die Autoren

Sascha Ruefer

Sascha Ruefer SRF

Sascha Ruefer kommentiert seit 2008 die Spiele der Schweizer Nati auf SRF. Unterstützt wird er dabei von Assistent Renato Schatz, mit dem er gemeinsam den aktuellen Zustand der Nati analysiert hat.