Siegrist: «Luzern ist durchaus schlagbar»

Ausnahmezustand in der Innerschweiz: Kriens empfängt in der 1. Cuprunde den FC Luzern. Der langjährige FCL-Spieler Nico Siegrist über seine Erinnerungen und Ziele mit dem SC Kriens.

Nico Siegrist jubelt mit Skumbim Sulejmani nach dem 2:1-Cupsieg gegen Thun.

Bildlegende: Riesentöter Nico Siegrist jubelt mit Skumbim Sulejmani nach dem 2:1-Cupsieg gegen Thun. EQ Images

Nico Siegrist, am Samstag bestreiten Sie ihre erste Partie gegen den FC Luzern. Welche Emotionen haben Sie vor dem Spiel?

Siegrist: Seit meiner Zeit in Luzern sind 4 Jahre vergangen. Bis auf Claudio Lustenberger und David Zibung kenne ich kaum einen Spieler. Daher ist es nicht ein klassisches Spiel eines Ex-Spielers gegen seinen alten Klub. Die Emotionen kommen eher davon, dass man Protagonist sein darf in diesem Spiel, von dem man merkt, dass es für den SC Kriens eine grosse Bedeutung hat.

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SL 2011: Nico Siegrist trifft zum 3:1 gegen Zürich

1:29 min, vom 10.9.2011

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Zeit in Luzern?

Sehr gute. Ich habe die 5 Jahre beim FCL sehr genossen. Ich durfte die alte Allmend verabschieden, war in der Übergangsphase dabei und dann auch beim Einzug ins neue Stadion. Ich durfte eine Ära von Umbrüchen und Neuanfängen mitprägen, auch wenn ich nicht die ganz grossen Fussstapfen hinterlassen habe.

«  Für mich gab es noch andere Dinge als den Fussball. »

Nico Siegrist

Sie galten als grosses Talent, debütierten beim FCL schon mit 17 Jahren in der Super League. Weshalb konnten Sie sich trotzdem nicht ganz durchsetzen?

Als hätte ich diese Frage noch nie gehört (lacht). Die Antwort bleibt immer die gleiche: Ich hatte irgendwann das Gefühl, dass es für mich auch noch andere Dinge gibt als Fussball, dass es für mich keine grosse Ambition ist, als 30-Jähriger noch in der Super League zu spielen. Es war auch eine realistische Einschätzung meiner Fähigkeiten; ich wusste, dass ich es nicht an die absolute Spitze schaffen werde. Dadurch hat mir sicher auch die totale Hingabe für diesen Sport gefehlt. Das sollte man aber nicht mit einer grundsätzlichen Aversion gegen das Fussball-Business verbinden, eine solche hatte ich nie.

Wie gross ist der Aufwand denn mit dem SC Kriens?

Man bringt nach wie vor Opfer. Ein Tag am Wochenende ist immer verplant, dazu haben wir 3-4 Trainingseinheiten in der Woche. In der Rangordnung in meinem Leben kommt der Fussball hinter Beruf und Studium aber klar an dritter Stelle. Bei mir kommt dazu, dass praktisch mein gesamter Kollegenkreis in Kriens spielt, wir verbringen als Freunde eine tolle Zeit.

«  Wir wissen, dass wir auch ein Super-League-Team schlagen können. »

Nico Siegrist

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Cup 2016: Kriens eliminiert den FC Thun

1:19 min, vom 14.8.2016

Kriens hat im Cup letzte Saison die Viertelfinals erreicht. Wie haben Sie diesen Lauf erlebt?

Wir wissen, dass wir die Qualität haben, in einem Spiel auch ein Super-League-Team zu schlagen. Das ist uns letzte Saison gegen Thun gelungen, dort haben wir ein fast perfektes Spiel gezeigt. Danach haben wir viele lösbare Aufgabe zugelost erhalten und sind auch deshalb so weit gekommen.

Ihr Team ist mit 2 Siegen und 5:0 Toren ausgezeichnet in die Promotion League gestartet.

Wir sind sehr zufrieden. In dieser Liga entscheiden Nuancen. Wir wissen, dass wir zu den besseren Teams gehören und jeden Gegner schlagen können, wenn wir unsere Leistung abrufen. Das Ziel von Kriens darf und muss mit dem neuen Stadion nächste Saison sein, den Aufstieg mittelfristig zu realisieren. Vielleicht klappt es ja schon in diesem Jahr.

«  Ein Derbysieg im Cup wäre schon geil. »

Nico Siegrist

Wären Sie in der Challenge League dabei?

Wären wir letzte Saison aufgestiegen, hätte ich das Abenteuer Challenge League wohl mitgemacht. Grundsätzlich kommt es auf die Strukturen, sprich Trainingszeiten etc. an. Auf jeden Fall kann ich sagen, dass ich nicht um jeden Preis in der ChL spielen würde. Es müsste mit den anderen Bereichen meines Lebens übereinstimmen.

Wenn Sie die Wahl hätten zwischen einem erneuten Lauf im Cup nach einem Sieg über Luzern und dem Aufstieg – wofür würden Sie sich entscheiden?

Das ist eine schwierige Frage. Für den gesamten Klub, der mit dem neuen Stadion so viel investiert hat, und wenn man mitbekommen hat, wie viele Leute daran mitarbeiten, dass ein Aufstieg überhaupt realisierbar wäre, dann wäre dieses Ziel für den Klub bedeutender. Auf der anderen Seite wäre ein Derbysieg im Cup schon auch geil.

Was braucht es denn, damit Kriens den grossen Bruder Luzern schlagen kann?

Luzern ist durchaus schlagbar. Ich habe das Spiel des FCL in St. Gallen gesehen, auch sonst einige Sequenzen. Es ist ein Team im Umbruch, die Automatismen greifen noch nicht zu 100%. Luzern muss gewinnen, deshalb wird sehr entscheidend sein, wie die ersten Minuten laufen. Wenn wir es schaffen, den Respekt vor dem Gegner, den Fans und dem Stadion abzulegen und es zu diesem Zeitpunkt noch nicht 0:3 steht, dann haben wir eine sehr gute Chance.

Schafft Kriens erneut eine Überraschung?

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Sendebezug: Radio SRF 1, Abendbulletin, 11.08.2017, 17:10 Uhr

zur Person

Nico Siegrist bestritt von 2008-2013 52 SL-Spiele für Luzern (9 Tore). Danach wechselte er für 2 Jahre in die ChL nach Biel. Nun bestreitet der 26-Jährige seine dritte Saison in Kriens. Letzte Saison war er mit 17 Treffern zweitbester Torschütze der gesamten Promotion League.

TV-Hinweis

TV-Hinweis

Verfolgen Sie das Cup-Derby zwischen Kriens und Luzern am Samstag ab 17:30 Uhr live auf SRF zwei oder in der Sport App.