Der FC Lugano: Unerwartet furios

Der FC Lugano spielt im Winter gegen den Abstieg und danach eine Rückrunde wie aus einem Guss. Ähnlich unglaublich ist der Wandel, den an der Seitenlinie Paolo Tramezzani durchmachte.

  • Eine Rückrunde, die verblüfft: Lugano bucht 35 Punkte – einen Zähler weniger als Basel
  • Ein Coach, der polarisiert: Tramezzani war schon fast wieder weg – heute ist er der Held
  • Eine Aussicht, die lockt: Zur EL-Gruppenphase fehlt noch ein Remis

Die 4 Saisonhälften des FC Lugano seit dem Wiederaufstieg 2015

Hinrunde 2015/16
19 Punkte (8. Rang)
Rückrunde 2015/1616 Punkte (9. Rang)
Hinrunde 2016/1718 Punkte (8. Rang)
Rückrunde 2016/1735 Punkte (2. Rang)

Der umtriebige Lugano-Präsident Angelo Renzetti ortete in der Winterpause Handlungsbedarf. Nur 2 Punkte Reserve hatte das Polster der Tessiner auf Schlusslicht Vaduz betragen. Nach einem halben Jahr war darum Andrea Manzos Intermezzo als Cheftrainer beendet.

Mit Paolo Tramezzani wurde ein wenig reputierter Nachfolger installiert, zuletzt hatte der Italiener als Assistenzcoach von Albaniens Nationalteam gewirkt. Die Amtszeit des 46-Jährigen drohte noch kürzer zu werden. Nach Niederlagen gegen Thun und YB war Renzetti Mitte März arg missgestimmt.

Der Wind hat gedreht

Der Boss wetterte über die defensive Aufstellung. Zudem tat er einen Fabrikbesuch, bei dem der Neue seinen Schützlingen die Arbeitsmoral eintrichtern wollte, als unzumutbar ab. Renzetti liebäugelte sogar mit einer Vertragsauflösung, hätte dafür aber finanzielle Opfer bringen müssen. Deshalb folgerte er damals: «Das Glück von Tramezzani ist, dass er einen langfristigen Kontrakt besitzt.»

Alioski fotografiert seine Teamkollegen.

Bildlegende: Im Visier Alioski fotografiert seine Teamkollegen. Keystone

Längst wird der Lugano-Trainer nicht mehr infrage gestellt. Stattdessen gilt er als Baumeister des Höhenflugs, der das junge Team aus der Südschweiz bis auf den 3. Tabellenrang hievte.

«Er ist wie eine Vaterfigur und sieht uns als seine Söhne an», beschreibt Ezgjan Alioski. Weil Tramezzani höchsten Wert auf einen familiären Zusammenhalt legt, organisiere er regelmässig gemeinsame Mittagessen. Der Angreifer weiss zudem um die hohen Ansprüche des Trainers: «Er fordert auf dem Platz immer das Maximum. Und wenn etwas nicht passt, dann dreht er durch.»

Renzetti beurteilt die Lage neu

Aktuell ist es höchstens so weit, dass die Anhänger des FC Lugano demnächst durchdrehen. Denn in der letzten Runde zu Hause gegen Luzern kann das Team am Freitag mit einem Punkt die direkte Europa-League-Qualifikation sicherstellen.

Selbst ein permanent zweifelnder Renzetti würde dann finden: «Das wäre wie ein Wunder!»

Trauen Sie Lugano den 3. Schlussrang zu?

  • Ja

    94%
  • Nein

    6%
  • 1664 Stimmen wurden abgegeben

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 28.05.2017 15:55 Uhr