Ein Schnürsenkel illustriert Basels Transferpolitik

Salah, Dragovic, Gonzalez, Elneny - der FC Basel versteht es immer wieder, fussballerische Perlen auszugraben. Ein Handwerk, das die Verantwortlichen in den letzten Jahren perfektioniert haben und das die Scouts schon mal auf die Schuhe der Spieler blicken lässt.

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Das Transfersystem des FC Basel

3:30 min, vom 7.2.2016

Es ist der 13. Dezember 2015 und der FC Basel soeben im Cup gegen Sion ausgeschieden. Die Winterpause und Georg Heitz stehen vor der Garderobentür im Tourbillon. «Es wird nicht so hektisch werden», lässt sich der Sportdirektor im Hinblick auf die folgende Transferperiode zitieren.

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«Wir schauen auch, wie ein Spieler jubelt»

0:16 min, vom 3.2.2016

Medien-Wirbel

Eine Aussage, die sich anderthalb Monate und 11 Kadermutationen später als medienwirksame Beruhigungspille entpuppt: «Es war eine taktische Aussage, weil die Medien sonst immer gleich sehr viel Wirbel machen. Aber ich wurde sicher auch überrascht.» Überrascht, aber nicht überrumpelt. 8 Abgänge hatte der FC Basel in den letzten Wochen zu verzeichnen. Darunter namhafte wie jene von Zdravko Kuzmanovic oder allen voran Mohamed Elneny.

«  Ich war überrascht ob der vielen Transfers. »

Georg Heitz
Sportdirektor FC Basel

Drei Männer vor einem Bild mit Alpenpanorama

Bildlegende: Führung mit Weitsicht Der FC Basel hat pro Position mindestens 3 valable Kandidaten in der Hinterhand. Keystone

Gerade am Beispiel des zu Arsenal abgewanderten Ägypters lässt sich das erfolgreiche «System FCB» bestens veranschaulichen: Bräche manch anderer Klub ab einem solch unerwarteten Transfer eines seiner absoluten Leistungsträger in Panik aus, öffnet der FC Basel seine Dossiers. Georg Heitz und Chefscout Ruedi Zbinden sind vorbereitet, für jede Position haben sie mindestens 3 valable Kandidaten in der Hinterhand.

Schnürsenkel als Indikator

So kommt's, dass nur wenige Tage nach den ersten Elneny-Gerüchten mit Alexander Fransson bereits ein schwedischer Internationaler für dieselbe Position beim FC Basel unterschrieben hat. Ein Spieler, der die FCB-Scouts auf Videos und nach persönlicher Betrachtung vor Ort überzeugte. Geachtet wird dabei nicht nur auf die fussballerische Qualität, sondern auch auf das Verhalten des Fussballers.

«  Der Spieler hatte offene Schnürsenkel beim Einwärmen, das hat unserem Chef-Scout nicht gefallen. »

Georg Heitz
Sportdirektor FC Basel

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Unterhaltsame Anekdote von Georg Heitz

0:49 min, vom 3.2.2016

«Wir waren einmal an einem Tunesier interessiert. Auf den Videos hat er uns begeistert. Schnell, technisch stark, alles wunderbar. Als unser Chefscout Ruedi Zbinden ihn dann beobachtete, ist ihm aufgefallen, dass der Spieler beim Einwärmen die Schuhe nicht gebunden hatte. Das hat Zbinden schon mal gar nicht gefallen. Und tatsächlich: Der Spieler war zwar ein super Individualist, aber absolut kein Teamplayer.»

Der betreffende Spieler dürfte sich ärgern, wenn er wüsste, dass ein möglicher Transfer zum FC Basel auch wegen seiner Schnürsenkel platzte.

Höchste Rendite

Diese Anekdote verdeutlicht, weshalb die Liste an erfolgreichen Transfers beim Schweizermeister länger ist als bei jedem anderen Super-League-Klub. Keiner der Konkurrenten investiert ähnlich viel wie der FC Basel in das Scouting und keiner fährt eine ähnlich hohe Rendite ein.

«Nicht hektische» Transferphasen wird es beim FCB darum auch in Zukunft selten geben, entgegen möglicher taktischer Aussagen des Sportdirektors.

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Komplettes Interview mit Georg Heitz

5:27 min, vom 3.2.2016

Sendebezug: SRF zwei, laufende Berichterstattung Super League