FC St. Gallen: Der Musterknabe träumt leise von Tottenham

Die Überraschungsmannschaft der letzten Super-League-Spielzeit steht vor einer Saison der Bestätigung. In Angriff nehmen das die St. Galler ohne den letztjährigen Topskorer Oscar Scarione. Dafür mit vielversprechenden Perspektiven.

Die Erwartungen der St. Galler Fussballfans sind gross. Den Verantwortlichen des FCSG sogar ein wenig zu gross. Nach dem 3. Rang in der Meisterschaft und dem Erreichen der Europa-League-Qualifikation soll der FC St. Gallen in dieser Saison ähnlich brillieren – am besten national und international. Sportchef Heinz Peischl drückt an der Medienkonferenz vor dem Saisonstart auf die Euphoriebremse: Von Saisonzielen halte er wenig, der Klub solle vor allem nichts mit dem Abstieg zu tun haben.

Erstmals seit 2001 international

Und doch lockt die Träumerei. Davor ist selbst der ansonsten nüchterne Präsident Dölf Früh nicht gefeit. Auf die Frage, wie erstrebenswert das Erreichen der Europa-League-Gruppenphase sei, holt er aus: «Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Es wäre natürlich schon schön, wenn wir europäisch …», ehe er von Trainer Jeff Saibene unterbrochen wird: «Du weisst schon, dass wir in der Qualifikation auf Tottenham treffen könnten?!»

Während sich also ganz St. Gallen auf die ersten internationalen Spiele seit 12 Jahren (UI-Cup ausgenommen) freut, betonen die Verantwortlichen, dass die ganze Konzentration der Meisterschaft gilt. Realitätsfremde Träumereien sind in St. Gallen nicht gefragt, der älteste Fussballklub des Landes will, so Früh, «zum Musterknaben der Liga werden».

Nicht übermütig werden

Der Beinahe-Bankrott liegt in St. Gallen noch keine 2 Jahre zurück, dementsprechend stark ist Frühs Blick auf die Wirtschaftlichkeit ausgerichtet. Letzte Saison stiegen Werbeeinahmen um einen Millionenbetrag, die Lohnkosten der 1. Mannschaft wurden eingehalten, der Klub schrieb schwarze Zahlen. Und der Verein hütet sich davor, Transfererlöse wie jenen von Oscar Scarione als fixen Bestandteil in sein Budget zu integrieren.

Wüthrich mit schwerem Erbe

Der Topskorer der letzten Saison wird nicht eins zu eins ersetzt. Sébastien Wüthrich soll in Scariones grosse Fussstapfen treten. «Im Mittelfeld sind wir auch dank den Transfers breiter abgestützt», sagt Saibene. «Stimmung und Level erinnern mich an letztes Jahr.»

Schöne Aussichten, auch wenn die 2. Saison nach dem Aufstieg gemeinhin als schwierigste gilt. In St. Gallen halten sie nichts von dieser Binsenwahrheit. «Bislang konnte mir keiner erklären, wieso das so sein soll», sagt Früh mit einem Lächeln.

Die zweite Saison der Super-League-Aufsteiger

SaisonKlubKlassierungKlassierung Aufstiegssaison
2013/14St. Gallen3
2012/13Lausanne97
2011/12Thun55
2010/11St. Gallen106
2009/10Vaduzin der ChL10 (Abstieg)
2008/09Neuchâtel Xamax78
2007/08Luzern68
2006/07Yverdonin der ChL10 (Abstieg)
2005/06Schaffhausen89 (Barrage)
2004/05Vorsaison ohne Aufsteiger--

TV-Hinweis

TV-Hinweis

Auch in der Saison 2013/14 zeigen wir auf SRF zwei und im Livestream in jeder Super-League-Runde ein Spiel live. Den Auftakt macht am kommenden Sonntag die Partie zwischen St. Gallen und GC (ab 15:45 Uhr).