Fringer: «Wir ziehen alle am gleichen Strick»

Luzerns Sportchef Rolf Fringer spricht vor dem Schlagerspiel gegen Basel am Samstag über die Ruhe beim FCL. Und der 58-Jährige erklärt, warum der FCB so erfolgreich ist.

Rolf Fringer und FCL-Präsident Ruedi Stäger.

Bildlegende: Ein Bild der Harmonie Rolf Fringer und FCL-Präsident Ruedi Stäger. Keystone

Rolf Fringer, rund um den FCL ist es nach der tollen Rückrunde und dem geglückten Saisonstart unüblich ruhig. Bliebe es auch dabei, sollte es eine 0:7-Niederlage gegen Basel absetzen?

Rolf Fringer: Das kann ich nicht sagen, denn 0:7 werden wir nicht verlieren. Aber wir hatten in den letzten Monaten sicherlich eine gewisse Ruhe im Klub. Das hat natürlich immer mit den Resultaten zu tun. Wir sind intern zusammengerückt. Es gab eine Annäherung zwischen dem Verwaltungsrat und der operativen Führung. Es ziehen alle am gleichen Strick. Wie stabil das Ganze ist, wird sich dann zeigen, wenn es einmal rumoren sollte. In einer Zehner-Liga kann es schnell gehen. Aber warten wir ab, ich habe ein ganz gutes Gefühl.

Spektakuläre Transfers sind beim FCL ausgeblieben. Die einen sagen, Sie hätten es verpasst, das Team zu verstärken. Die anderen betrachten es als Erfolg, dass Sie das Gerüst der Mannschaft zusammengehalten haben.

Das Team bis heute zusammenzuhalten, hat Anstrengungen gebraucht. Und wir haben 3 Deutsche geholt, welche der Staff unbedingt wollte (Schachten, Brandenburger, Fandrich, die Red.). Man darf nicht vergessen: Wir hatten kein Geld für Transfers mit Ablösesumme. Wir hatten eine Verjüngung im Kader. Die Integration von eigenen Nachwuchsspielern muss mittelfristig unser Weg sein.

«  Babbel hat ein Näschen für Menschenführung. »

Rolf Fringer

Dennoch wurde Haxhi Neziraj nach toller Vorbereitung ausgeliehen. Ein dritter Stürmer hinter Marco Schneuwly und dem jungen Joao Oliveira wird noch kommen, oder?

Wir stehen mit einigen Akteuren in Kontakt, aber zwingend nötig ist eine Verpflichtung nicht. Wir haben Jahmir Hyka und Oliveira. Sie haben jedesmal Positives bewirkt. Wenn man vermeintlich fertige Spieler kauft, stehen sie den Jungen vor der Sonne.

Können Sie Schneuwly halten?

Das wollen wir unbedingt. Natürlich kann im Fussball viel passieren. Doch wenn der mit Abstand beste Skorer den Klub mitten in der Saison verlässt, dann muss das Angebot stimmen. Das war zuletzt überhaupt nicht der Fall (Sion-Präsident Christian Constantin buhlte um Schneuwly, die Red.).

Wie haben Sie Jakob Jantscher zum Verbleib überredet?

Wir mussten ihn nicht überreden. Natürlich hätte er zu YB gehen können, er hatte ein gutes Angebot. Aber er fühlt sich in Luzern sehr wohl. Er würde nur in eine Topliga wechseln oder wenn er fussballerisch einen Schritt vorwärts machen könnte.

«  Der FCB wird oft zu seinem Glück gezwungen. »

Rolf Fringer

Sie haben angedeutet, dass Sie den Wunsch von Markus Babbel mit den Neuverpflichtungen erfüllt haben. Hat die Zusammenarbeit auf Anhieb so gut geklappt oder gab es Reibungspunkte?

Grundsätzlich ja, aber wir waren letzten Winter Tabellenletzter und der Sportchef, der ihn geholt hat (Alex Frei, die Red.) war nicht mehr da. Da muss man sich zuerst finden. Das wurde sukzessive besser. Nun pflegen wir eine enge Zusammenarbeit.

Welche Qualität schätzen sie an Babbel am meisten?

Er ist absolut geerdet und steht trotz internationaler Erfolge mit beiden Beinen auf dem Boden. Er hat ein Näschen für Menschenführung und dirigiert seinen Staff wie ein Orchester.

Zum nächsten Gegner: Basels Neuzugänge haben voll eingeschlagen. Wie schaffen es die FCB-Verantwortlichen, so regelmässig ein solch goldenes Händchen zu haben?

Sie werden zu einem Stück zu ihrem Glück gezwungen, indem sie oft die 3 oder 4 Besten verlieren. Es ist gar nicht das Schlechteste, wenn man eine Mannschaft immer erneuern muss und eine neue Dynamik kreieren kann. Das hat der FCB erneut geschafft. Man muss natürlich sagen, dass Basel eine tolle Führung und mit Adrian Knup und Ruedi Zbinden grosses fussballerisches Know-how hat. Man hat seit Jahren das Gefühl, dass sie alles antizipieren und schon ein halbes Jahr vorher wissen, welche Spieler gehen könnten und mit welchen man diese ersetzen kann. Hinzu kommt das nötige Geld.

Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 2.8.15, 19:00 Uhr

Zur Person

Zur Person

Rolf Fringer (58) trainierte in der Schweiz Schaffhausen, Aarau, GC, St. Gallen, Luzern und den FCZ. Seit Dezember 2014 ist der ehemalige Schweizer Nationaltrainer (1996-1997) Sportchef beim FC Luzern.