Latour: «FCZ kann Kampf um Spitzenplätze beleben»

Am Samstag ist die Super-League-Saison zu Ende gegangen - mit Basel als Meister, GC als Cupsieger und Servette als Absteiger. SRF-Fussball-Experte Hanspeter Latour spricht im Interview über die Sonderstellung des FCB, die Perspektiven der Zürcher Klubs und die Probleme in der Romandie.

Für den SRF-Experten ist die richtige Mannschaft Meister geworden.

Bildlegende: Hanspeter Latour Für den SRF-Experten ist die richtige Mannschaft Meister geworden. EQ Images

Hanspeter Latour, der FC Basel hat sich zum 4. Mal in Serie den Meistertitel gesichert - ein verdienter Champion?

Latour: Ja, die Basler haben es verdient. Sie sind als Favorit gestartet und haben sich durchgesetzt. Zudem hat der FCB mit seinen Erfolgen in der Europa League viel für das Ansehen des Schweizer Fussballs getan.

Überraschte es Sie, dass Basel die gewichtigen Abgänge im Sommer so gut verkraftet hat?

Eigentlich nicht. Schon zu Beginn der Saison habe ich gesagt, dass es zwar ein paar Mitfavoriten gäbe, der Weg zum Titel aber über den FCB führe. Das Potenzial des gesamten Klubs ist innerhalb der Schweiz erstklassig.

«  Bei GC ist etwas herangewachsen. »

Hanspeter Latour

Immerhin konnten die Grasshoppers das Meisterrennen lange offen gestalten und den Cupsieg feiern...

Die Saison der Grasshoppers war sehr gut, das hätten ihnen nicht viele zugetraut. Junge Spieler sind sehr früh zur 1. Mannschaft gestossen und haben viel Erfahrung in der Super League gesammelt. Bei GC ist etwas herangewachsen, das im Cupsieg gipfelte. Ich kann mir vorstellen, dass GC dem FC Basel einen Schritt näher kommen wird. Man darf nicht vergessen, dass die Grasshoppers viele Spiele nur knapp verloren und daneben 17 Mal zu Null gespielt haben. (Anm.d.Red.: Das Gespräch wurde vor dem Abgang von Uli Forte geführt).

Könnte nächste Saison die Mehrbelastung im Europacup zum Problem für GC werden?

Man wird nicht darum herum kommen, den Kader aufzustocken. Natürlich kommt es auch darauf an, wie lange sie europäisch im Geschäft bleiben. Aber generell geben solche internationalen Auftritte auch viel Selbstvertrauen für die heimische Meisterschaft. Zudem glaube ich, dass der Klub erfahren genug ist, um mit diesem Mehraufwand richtig umzugehen.

Nicht nur GC hat beeindruckt, sondern auch der FC St. Gallen...

Absolut. St. Gallen hat als Aufsteiger sehr stark gespielt und hatte in der Person von Oscar Scarione den auffälligsten Spieler der Super League in seinen Reihen. Auch Thun überrascht mich immer wieder aufs Neue. Was sie dort aus ihren Möglichkeiten machen, ist beeindruckend.

Der FCZ hat in Hin- und Rückrunde 2 komplett verschiedene Gesichter gezeigt. Wo liegt die Wahrheit?

Die Rückrunde der Zürcher war sehr beeindruckend. Nicht umsonst waren sie die zweitbeste Equipe in der 2. Saisonhälfte. Die Mannschaft ist noch jung und ohne allzu grosse Veränderungen wieder in die Gänge gekommen. Ich kann mir gut vorstellen, dass der FCZ nächste Saison den Kampf um die Spitzenplätze beleben wird - falls das Team zusammenbleibt.

«  Sions Probleme waren hausgemacht. »

Hanspeter Latour

Ein leidiges Thema war einmal mehr der FC Sion, obschon er - man vergisst es fast - mit 16 Punkten aus 6 Spielen in die Saison gestartet war. Es gab zwar für einmal keinen juristischen Hickhack, dafür aber Trainer-Entlassungen en masse und Spielerdegradierungen. Wie schätzen Sie die Lage im Wallis ein?

Nach guten Partien zu Beginn mit Trainer Sébastien Fournier auf der Bank ist Sion in eine Negativ-Spirale geraten. Nicht zuletzt wegen unverständlichen Personalentscheiden. Die Probleme waren hauptsächlich hausgemacht. Die Konsequenz daraus war, dass man regelrecht nach hinten durchgereicht worden und im Cup relativ früh ausgeschieden ist. Mit all diesen Turbulenzen war es schlicht unmöglich, erfolgreich zu bleiben.

Der fehlende Erfolg ist auch ein Problem in der Romandie: Servette stieg ab, Lausanne wurde Zweitletzter. Ist in der Westschweiz in der nächsten Zeit ein Turnaround zu erwarten?

Ich denke nicht, dass der bald kommen wird. Das Positive ist, dass Lausanne und Servette nach ganz schwierigen Jahren 2011 die Rückkehr in die Super League geschafft haben. Aber schon zu Saisonbeginn waren die beiden Teams als Abstiegskandidaten gehandelt worden. Immerhin hat Lausanne eine überraschend gute Hinrunde gespielt. Aber bedauerlicherweise ist die Fussballbegeisterung in der Romandie nicht so gross, wie es zu wünschen wäre. Nicht zuletzt fehlt es an gewichtigen Sponsoren.

Lausanne hat die ganze Saison mit dem gleichen Trainer bestritten. Eine Seltenheit in der Super League 2012/13...

In der Tat, 7 von 10 Mannschaften haben ihren Trainer gewechselt (nur Lausanne, St. Gallen und GC hielten am Coach fest - die Red.). So darf es nicht weitergehen. Immerhin fanden die meisten freigestellten Trainer schnell wieder einen neuen Job, was aber nicht die Regel ist. Ich kann nur hoffen, dass es in Zukunft wieder mehr Kontinuität gibt.

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Saisonrückblick FC Basel

2:17 min, vom 1.6.2013