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Super League Schwuler Schiedsrichter: «Immer noch ein Tabu-Thema»

Schiedsrichter Pascal Erlachner hat sich lange versteckt, steht nun aber öffentlich zu seiner Homosexualität.

Legende: Video Schiedsrichter Erlachner spricht über sein Outing abspielen. Laufzeit 00:36 Minuten.
Aus Sport-Clip vom 10.12.2017.

Pascal Erlachner ist einer der 10 besten Schiedsrichter der Schweiz. 73 Spiele hat er bislang in der Super League geleitet. Und: Er ist schwul. «Na, und?», fragen sich vielleicht manche.

Doch: Der Fussball ist eine Welt, in der Homosexualität nach wie vor als grosses Tabu gilt. Und genau das will Pascal Erlachner mit seinem Coming-Out brechen.

Zusätzliche Angriffsfläche

Die Fans brüllen, die Spieler schimpfen, das Adrenalin pumpt. Pascal Erlachner muss – wie alle Fussballschiedsrichter – innert Sekunden entscheiden. Er darf sich keinen Fehler erlauben.

Der Druck ist gross. Und der Druck auf dem Fussballplatz wird vielleicht bald noch grösser: Pascal Erlachner hat sich entschieden, sich öffentlich als schwul zu outen. Und bietet damit in einem nach wie vor von Homophobie geprägten Umfeld wie dem Fussball zusätzliche Angriffsflächen.

Während der Frauenfussball mit lesbischen Spielerinnen mittlerweile unverkrampft umgeht, gibt es im Männerfussball bislang erst 3 Profis, die offen zu ihrer Homosexualität stehen oder standen. Aktive schwule Fussballer als Vorbilder fehlen. Und das obschon wissenschaftliche Studien zum Schluss kommen, dass bis zu 10 Prozent aller Männer schwul sind.

Nur wenige Vorgänger

Justin Fashanu, der bei Manchester City spielte, outete sich 1990 als erster Spieler überhaupt. Er nahm sich 8 Jahre später das Leben. Robbie Rogers, amerikanischer Nationalspieler, stand während seiner Karriere bei LA Galaxy in der Major League Soccer zu seinem Schwulsein. Und Thomas Hitzlsperger, ehemals Captain der deutschen Nationalmannschaft, outete sich vor bald 4 Jahren – nach dem Ende seiner Laufbahn.

Letztes Jahr hat sich mit Jesús Tomillero ein Fussballschiedsrichter aus der spanischen Regionalliga geoutet. Er hat sich nach einer regelrechten Hetzjagd dazu entschieden, die Pfeife an den Nagel zu hängen.

Erlachner will aufrütteln

Pascal Erlachner wagte den Schritt nun auch. Er ist der erste Spitzenschiedsrichter überhaupt, der sich outet. Seine Motivation: Er will aufrütteln, Vorbild sein, enttabuisieren, helfen, ein Klima herzustellen, in dem es künftig normal sein soll, dass Fussballer, Trainer oder Funktionäre schwul sind. In dem schwul nicht mehr als salonfähiges Schimpfwort gilt, weder auf dem Platz, noch auf den Rängen. Erlachners Ziel ist denn auch, nach dem Coming-Out weiterzupfeifen.

Der Lehrer und Hobbypilot stammt aus einer richtigen Fussballerfamilie. Sein Vater war einst selber Spieler, dann Trainer. Seine Mutter und sein Bruder verpassen praktisch kein Spiel, das er leitet, sei es im Stadion oder zu Hause vor dem Fernseher.

Das Fussballmilieu hat den 37-Jährigen geprägt – sein Coming-Out in der Familie hatte er deshalb erst spät im Alter von 30 Jahren. Nun folgte der letzte grosse Schritt auf dieser – wie er sie nennt – Reise: der Schritt an die breite Öffentlichkeit.

Sendebezug: Radio SRF 3, Sport-Magazin, 10.12.17, 18:55 Uhr

TV-Hinweis

«DOK» hat den Fussball-Schiedsrichter Pascal Erlachner im letzten halben Jahr begleitet – auf seinem Weg zum öffentlichen Coming-Out. Der Film läuft am 21. Dezember 2017 um 20:05 Uhr auf SRF1.

Dani Heusser, Autor

Dani Heusser ist freier Redaktor, Regisseur und Filmemacher. Er war von 2009 bis 2015 Redaktionsleiter der Sporthintergrundsendung «sportlounge», zuvor u.a. Redaktor bei «Giacobbo/Müller» und Entwickler der SRF-Sendungen «Tapetenwechsel» oder «Chor auf Bewährung». «Ich, der Schiedsrichter und Tabubrecher» ist sein erster Dokumentarfilm.

Olivier Borer, Co-Autor

Olivier Borer ist seit 15 Jahren im Journalismus tätig, den grossen Teil davon bei SRF. Nach dem Abschluss seiner Stage war er bei der «sportlounge» tätig. Borer ist selber schwul und hat sich mehrfach mit dem Thema Homosexualität im Sport auseinandergesetzt. Heute arbeitet er als Moderator und Redaktor bei «sportaktuell» und «sport live».

18 Kommentare

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  • Kommentar von Quentin Tarantino (Quentin1)
    Was soll dieses Thema bezwecken? Im Fussball umarmen sich die Spieler nach einem Tor und duschen nach dem Spiel zusammen. Ist doch klar, dass es dabei Einigen unangenehm ist. Das ist so und wird immer so bleiben. Steckt einen Mann in die Dusche einer Frauenmannschaft. Dem Einen gefällts, der Andere ist damit völlig überfordert..
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  • Kommentar von Benjamin Perez (Adelante)
    Der Schiedsrichter soll sein was er will. Ich finde das Theater um seine Orientierung lächerlich. Ob man dafür ist oder nicht, weshalb wird das überhaupt publiziert. Ist doch Privatsache. Ein lächerlicher Zirkus
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
      Wie Respektlos Ihr Kommentar ist! Was für sie belanglos ist, ist für viele Menschen exen siel. Oder denken sie alles was sie vom besten geben Interessiert die andern immer? ich hoffe für sie, das wenn sie Probleme mal haben denen mehr Respekt entgegengebracht wird!
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  • Kommentar von Roman Lutz (Romi)
    Eines muss ich klar stellen. Diskriminirend ist das, was ich geschrieben habe, nicht. Ich gebe Ihnen in 1 Punkt recht, Hr. Röthlisberger. In der Bibel steht vieles. Nur mit einem Unterschied. Sie ist vom 1.Buchstaben bis zum letzten Buchstaben, wahr. In der Bibel steht aber, man soll nicht gleiches Geschlecht mit gleichem, eine Beziehung eingehen. Ich lebe in der Realität, Hr. Morgenthaler. Und auch im 21.Jahrhundert. Und Sie? Ich glaube eher, Sie müssen Ihre Ansichten mal gründlich überdenken.
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
      Es steht auch, Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen. Was sie getan haben mit der Behauptung das Wort für Wort wahr sei! Bei allem Respekt vor Ihnen Herr Lutz, es ist Glauben nicht wissen. Sie können es nicht wissen nur Glauben! Herr Serini, ich bin nicht gegen Christen, solange sie Ihr Glauben nicht Missionieren! Den damit haben diese Sekten schon genug angerichtet!
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