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Test-Länderspiele Grosse Sorge in Deutschland nach Länderspiel-Absage

Das Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden ist am Dienstagabend kurz vor dem geplanten Anpfiff in Hannover abgesagt worden. Es gab eine Warnung vor einem Sprengsatz im Stadion.

Legende: Video Evakuation des Fussball-Stadions in Hannover abspielen. Laufzeit 0:39 Minuten.
Aus sportaktuell vom 17.11.2015.
  • Der Hinweis auf ein mögliches Attentat erreichte die Polizei 15 Minuten nach Türöffnung
  • Die Zuschauer wurden aufgefordert, das Stadion geordnet und ohne Panik zu verlassen
  • Die deutsche Nationalmannschaft wurde auf dem Weg ins Stadion in Sicherheit gebracht

«Es war beabsichtigt worden, einen Sprengsatz im Stadion zu zünden», sagte Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe am Dienstagabend. Diese Warnung habe man sehr ernst genommen. «Der entscheidende Hinweis hat uns zirka 15 Minuten nach Öffnung der Tore erreicht.» Nach Informationen von Spiegel Online kam der Hinweis vom französischen Geheimdienst.

Zwei Polizistinnen
Legende: Grossaufgebot Die Polizei rund um das Stadion in Hannover. Reuters

Kluwe sprach zudem von einer «konkreten Gefahrenlage für ganz Hannover»: «Was diejenigen, die etwas geplant haben im Stadion, ansonsten noch planen, das wissen wir nicht. Deswegen versuchen wir, auch in der Stadt überall präsent zu sein.»

Noch wenig Informationen

Bundesinnenminister Thomas de Maizière erkärte, die Absage sei «aus Gründen des Schutzes der Bevölkerung» erfolgt.

«Die Hinweise auf die Gefährdung des heutigen Fussballspiels haben sich im Laufe des Abends so verdichtet, dass wir nach Abwägung dringend empfohlen haben, dieses Länderspiel abzusagen», sagte de Maizière während einer Pressekonferenz in Hannover. Fragen zu den Hintergründen und Gründen der Absage wollte er nicht detailliert beantworten: «Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.»

Die Polizei in Hannover sucht unter den Sitzen im Stadion.
Legende: Genaue Kontrolle Die Polizei in Hannover sucht unter den Sitzen im Stadion. Keystone

Keine Panik bei den Zuschauern

Zum Zeitpunkt der Absage des Spiels gegen 19.15 Uhr waren kaum Zuschauer im Stadion. Sie wurden per Lautsprecher aufgefordert, den Stadionbereich zu verlassen. «Meine Damen und Herren, meine lieben Fussballfreunde, es tut mir leid, aber das Spiel ist kurzfristig abgesagt worden. Bleiben Sie bitte ruhig! Es ist keine Gefahr im Anmarsch oder sonst irgendwas. Gehen sie einfach ganz normal nach Hause!» lautete die Lautsprecherdurchsage.

Entwarnung im Vorfeld

Eine Stunde zuvor hatte die Polizei wegen des Fundes eines verdächtigen Gegenstandes einen Bereich vor dem Stadion abgesperrt. Nach eingehender Kontrolle wurde zu diesem Zeitpunkt noch Entwarnung gegeben.

«Sicherheit geht immer vor. Es ist eine Befürchtung, die man immer hat. Ich vertraue der Polizei, dass sie hier die richtige Entscheidung getroffen hat. Wenn eine Gefährdungslage vorliegt, dann müssen solche Schritte eingeleitet werden», sagte Hannovers Bürgermeister Stefan Schostok dem SID.

Nationalmannschaftssprecher Jens Grittner erklärte auf Twitter, dass die Mannschaft auf dem Weg ins Stadin von der Polizei «umgeleitet» worden sei und sich an einem sicheren Ort befände. «Mehr können wir derzeit nicht sagen», schrieb Grittner.

Hochrangige Politiker vor Ort

Vier Tage nach den Terrorangriffen in Paris während des Länderspiels der DFB-Elf im Stade de France gegen Frankreich am Freitag galt für die Begegnung gegen den WM-Dritten aus den Niederlanden in Hannover die höchste Sicherheitsstufe. Unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere hochrangige Politiker hatten ihr Kommen angekündigt.

Medienberichten zufolge wurde am Abend auch die TUI-Arena in Hannover aus Sicherheitsgründen geräumt. Dort sollten die «Söhne Mannheims» ein Konzert geben. Bereits am Montagabend wurde das Testspiel zwischen Belgien und Spanien in Brüssel abgesagt.

Weitere Stimmen zur Absage:

  • «Es ist ein trauriger Tag für Deutschland und den deutschen Fussball. Dass unsere Mannschaft zweimal in vier Tagen ein solch tragisches Erlebnis erfährt, war nicht vorstellbar.» - Reinhard Rauball, DFB-Interimspräsident
  • «Es fühlt sich an wie eine Niederlage, aber die Sicherheit der Zuschauer und Spieler geht natürlich vor.» - Edith Schippers, Sportministerin Niederlande
  • «Eine Austragung des Spieles wäre nicht zu verantworten gewesen.» - Boris Pistorius, Innenminister Niedersachsen
  • «Die Lage ist sehr ernst.» - Stefan Schostok, Oberbürgermeister

Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 13.11.2015, 22:50 Uhr.

43 Kommentare

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  • Kommentar von L.Leuenberger, Zürich
    Deutschland sorgt sich zu Recht. Laut ZDF sind 75% der Bevölkerung gegen weitere Einwanderung aus muslimischen Ländern. Leider wiederholt D die Fehler Frankreichs und wird unweigerlich Parallelgesellschaften bilden. Die Sorge ist gross,in allen europäischen Grossstädten. Rufe nach Solidarität, Toleranz und Zensur alltäglich. Wir haben die unwürdigen Szenen der Wanderung ohne Grenzen durch Europa gesehen. Die europäischen Völker erwarten Sicherheit, für die der Staat zuständig ist. Zensur unnötig
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  • Kommentar von Christa Lohmann (saleve2), Reinach
    2. Versuch: trotzdem muss jede Warnung sehr ernst genommen werden. Wissen wir denn vorher, ob es nur "Trittbrettfahrer waren" der IS könnte auch seine Taktik ändern und versuchen, durch Angst und Drohungen ein Chaos zu erzeugen. Gerade die vielen Terrormeldungen der letzten Tage, könnten auch ein psych. Druck seitens des IS sein. Das sie vor den anderen Attentaten nie eine Warnung herausgegeben haben, sagt nicht, jetzt damit Verwirrung zu stiften.
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  • Kommentar von Basil Tschudi, Zürich
    Ich finde es völlig irrelevant ob das jetzt die richtige oder die falsche entscheidung war, denn bei einer Bedrohung dieses Ausmasses sollte ein solch grosser Menschenauflauf bei einer minimsten Unsicherheit sofort abgeblasen werden.
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