Blaue Supermacht mit Schwächen

Die Französinnen verfügen über ein illustres Kader. Nur versagt der Schweizer EM-Gegner vom Mittwoch regelmässig an Grossanlässen.

Frankreich – der nächste EM-Gegner der Schweizerinnen flösst Respekt ein. Gleich 12 Spielerinnen stehen bei Olympique Lyon unter Vertrag. Bei jenem Klub also, der in Europa Massstäbe setzt. Der seit 2007 stets französischer Meister geworden ist und zuletzt zweimal die Champions League gewann. Dazu kommen weitere hochkarätige Spielerinnen. Ein Trio ragt aus dem Kollektiv heraus:

  • Wendie Renard (27): Die Verteidigerin gewinnt dank ihrer Grösse viele Zweikämpfe und beweist als Captain Leaderqualitäten. Bei Lyon und im Nationalteam.
  • Amandine Henry (27): Die Regisseurin, die bei den Portland Thorns in den USA spielt, wurde zuletzt in der Wahl zu Europas Fussballerin des Jahres zweimal Zweite.
  • Eugénie Le Sommer (28): Die Stürmerin ist nicht nur bei Lyon gefürchtet. In der EM-Qualifikation traf sie in 8 Spielen 8 Mal.

Es fehlt ein grosser Titel

Allerdings: Trotz Prominenz und Tiefe im Kader will den Französinnen bei Grossanlässen wenig gelingen. Bei den letzten drei Turnieren – EM 2013, WM 2015 und Olympia 2016 – kamen sie nicht über den Viertelfinal hinaus. Auf einen grossen Titel warten sie noch immer.

Auch an dieser EM spielen «les Bleues» bislang unter den Erwartungen. Nach einem mühselig erkämpften 1:0 gegen Island spielten sie gegen Österreich bloss 1:1.

Lyons Dominanz als Problem

Der Hauptgrund für die Schwächen liegt in der Unausgeglichenheit der heimischen Liga. Das hat der Verband in seiner Analyse konstatiert. Und das glaubt auch die Schweizerin Lara Dickenmann, die von 2009 bis 2015 in Lyon tätig war. Gegenüber dem Tages-Anzeiger sagte sie:

«Bei Frankreich spielen die meisten bei Lyon oder Paris St-Germain. Und dort kennen sie das Gefühl gar nicht, überraschend zurückzuliegen. Die französische Meisterschaft ist zu einfach für die Spitzenteams. Mit Lyon führst du nach 10 Minuten meistens schon 1:0. Vielleicht ist das der Grund, warum sie an Turnieren zwar immer zu den Favoritinnen zählen, es aber oft nicht schaffen, zu überzeugen und auch den letzten Schritt zu machen.»

«  Die französische Meisterschaft ist zu einfach für die Spitzenteams. Mit Lyon führst du nach 10 Minuten meistens schon 1:0. »

Lara Dickenmann
Schweiz

Auch wenn Dickenmann ihren Gegnerinnen Weltklasse attestiert, sie vor dem Turnier gar für die Topfavoritinnen hielt, sagt sie: «Ich glaube fest daran, dass wir sie schlagen können.» Für Frankreich wäre es der nächste herbe Rückschlag.

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Frankreich schwächelt an Grossanlässen

1:04 min, vom 26.7.2017

Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 25.7.17, 22:45 Uhr

TV-Hinweis

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Das EM-Spiel Schweiz - Frankreich ist am Mittwoch ab 20.30 Uhr bei SRF zwei und in der Sportapp zu sehen.