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UEFA Frauen-EURO 2017 «So hat man in der Nationalmannschaft nichts zu suchen»

Die ehemalige Nationalspielerin Inka Grings hält nach Deutschlands EM-Out mit Kritik nicht zurück. Im Interview macht sie auch Trainerin Steffi Jones Vorwürfe.

Legende: Audio Grings: «Man muss die Kirche im Dorf lassen» abspielen.
4:24 min

Nach 6 EM-Titeln in Serie war für Deutschland in den Niederlanden bereits im Viertelfinal Schluss. Gegen Dänemark setzte es eine überraschende 1:2-Niederlage ab. Erstmals seit 1987 gehören die DFB-Frauen damit nicht zu den vier besten Teams Europas.

Wer in einem EM-Viertelfinal keinen Willen zeigt, der hat in der Nationalmannschaft nichts zu suchen.
Autor: Inka Grings

Inka Grings, 96-fache Nationalspielerin und zweifache Europameisterin, findet im Interview (siehe Audio oben) klare Worte: «Man hat in keinem Spiel das Gefühl gehabt, dass die Mannschaft verstanden hat, worum es geht. Es wurden weder Wille noch Entschlossenheit aufs Spielfeld gebracht.»

Die 38-Jährige geht sogar noch weiter und sagt: «Wer in einem EM-Viertelfinal keinen Willen zeigt, der hat in der Nationalmannschaft nichts zu suchen.»

Jones nicht über alle Zweifel erhaben

Grings' Kritik richtet sich auch an Steffi Jones. Die Aussagen der Trainerin im Vorfeld («Wir wollen Europameister werden») waren ihr zu forsch:

  • «Man ist das Risiko eingegangen, eine Trainerin zu holen, die überhaupt keine Erfahrung im Trainergeschäft hat. In der Mannschaft fand zudem ein kompletter Umbruch statt. Da muss man mit gewissen Aussagen vorsichtig sein.»
  • «Die ganzen Rotationen haben nicht dazu beigetragen, dass die Mannschaft Sicherheit bekommt und selbstbewusster wird.»
  • «Ihre Ideen mögen nicht verkehrt sein, aber es braucht einfach Zeit und die Spielertypen dazu. Ich bin gespannt, ob sie die Chance bekommt, daran zu wachsen.»
Legende: Video Jones: «Meine Motivation ist da» abspielen. Laufzeit 1:00 Minuten.
Vom 31.07.2017.

Für Grings ist klar: Der Frauenfussball entwickelt sich rasant weiter, Deutschland hat seine Vorreiterrolle mittlerweile verloren. Das habe auch seine guten Seiten. «Wenn ich meine beiden letzten Europameisterschaften anschaue, war es immer nur die Frage, wie hoch wir gewinnen werden. Das Niveau hat sich gesteigert, das ist wahnsinnig wichtig für den Fussball», so die 38-Jährige.

Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 30.7.17, 18:30 Uhr

Zur Person

Grings bestritt 96 Spiele für die deutsche Nati und wurde 2005 & 2009 Europameisterin und Torschützenkönigin. In der Bundesliga war sie 6 Mal beste Torjägerin. Mit dem FCZ wurde Grings 2x Meister und 2x Cupsieger. Aktuell trainiert sie die U17-Junioren Viktoria Kölns.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Ralf Wenaweser (xmv)
    Das Interview ist gut. Es ist genau so wie der Live-Kommentar im deutschen TV bei Deutschland - Dänemark ein Beispiel für die Schweiz, wie man Kritik üben kann (und soll). Eine begründete Meinung haben, klare Aussagen, keine Angst dass noch irgendwo jemand beleidigt sein könnte, versuchen aus den Fehlern zu lernen und dann positiv in die Zukunft. Wie man allerdings bei SRF auf die Idee kommt, in der Schweiz eine Umfrage zur deutschen Nationaltrainerin zu machen, ist mir absolut schleierhaft ^^
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Das Verlieren ist bei den Deutschen halt immer noch ein Punkt, der nicht vorgesehen ist. Vorallem der Umstand, dass ein anderes Team besser sein könnte, wird von Anfang an ausgeschlossen (speziell von den Journalisten). Wenn andere gewinnen, dann nur, weil man selbst Fehler gemacht hat, nicht weil der andere besser war. Eine absolut traurige Sichtweise und Charaktereigenschaft, die im Sport eigentlich nichts zu suchen hat.
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  • Kommentar von Walter Haller (wh)
    So so der deutsche Sportler neigt nicht zur Überheblichkeit? Das ist tatsächlich der diplomatisch-feinsinnige Spruch des Jahres. Diese ganze mediale Aufarbeitung der Niederlage zeigt exemplarische den «Sportgeist» in unserem Nachbarland: Hilflose Erklärungsversuche wie es zu dieser nicht programmierten Niederlage kommen konnte - schliesslich hat man - völlig unbescheiden - vor dem Turnier angekündigt dass nur der Titel in Frage kommt. Fair wäre die Anerkennung und Gratulation an die Sieger.
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