Ist Cologna ein Schönwetter-Athlet?

SRF-Experte Adriano Iseppi erklärt, wie die Wetterverhältnisse die Tour de Ski prägen und was die perfekten Schneebedingungen wären.

Cologna hinter einem Norweger

Bildlegende: Verlor viel Zeit im Schneetreiben Dario Cologna konnte nicht mit den starken Norwegern mithalten. Keystone

Adriano Iseppi, Dario Cologna ist gelaufen, wie das Wetter war. Am Freitag im Sprint top, am Samstag schlecht, am Sonntag bei sonnigem Wetter wieder gut. Ist er ein Schönwetter-Athlet?

Iseppi: (Lacht) Das könnte man fast meinen. Die schwierigen Wetterverhältnisse hatten einen grossen Einfluss auf das Material. Die Norweger hatten in diesem Winter bei schwierigen Bedingungen stets gute Skier an den Füssen. Sie haben einen grossen Tross von Serviceleuten und damit die Möglichkeit, im Materialbereich den entscheidenden Unterschied auszumachen. Das war einer der Hauptgründe, warum Cologna am Samstag viel Zeit verloren hat. Zudem waren seine Beine sicher nicht super, seine Technik ist im klassischen Stil nicht, wie sie zu den besten Zeiten war. Das war eine unglückliche Symbiose.

Klassement 30 km Männer:

  • 1. Martin Johnsrud Sundby (No) 1:14:48.3
  • 2. Petter Northug (No) + 00:34.6
  • 3. Didrik Tonseth (No) + 00:35.1
  • 12. Dario Cologna (No) + 1:36.9
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Langlauf: Tour de Ski, 30 km Männer

3:12 min, aus sportaktuell vom 2.1.2016

Gewisse Nationen sind bei schlechtem Wetter also klar im Vorteil?

In der Regel gleicht sich das über eine Saison aus. Mal hat einer mehr Glück bei der Materialwahl, mal ein anderer. Heuer ist es aber auffällig, dass die Norweger bei hohen Temperaturen immer wieder in die Trickkiste greifen. Die Dominanz bei Rennen in klassischer Technik ist schon eklatant.

  • In der aktuellen Saison gewannen die Norwegerinnen und Norweger alle Weltcup-Rennen in den klassischen Disziplinen! Zu den Resultaten.
«  Auf harter Unterlage kann man im Normalfall nicht soviel Zeit herausholen, wie am Samstag. »

Die Schweizer hätten am liebsten keinen Neuschnee gehabt?

Der Schneefall war weniger das Problem als die hohe Luftfeuchtigkeit. Diese hat die ganze Spur aufgeweicht. Die Schweizer hätten hart gefrorenen Kunstschnee bevorzugt. Auf einer solchen Unterlage kann man im Normalfall nicht soviel Zeit herausholen wie am Samstag. Wir hoffen für die letzten Etappen im Val di Fiemme hin auf ein Schönwetter-Fenster. Die Region ist für kompakte Spuren bekannt.

Im alpinen Skisport wird heute Kunstschnee bei der Pistenpräparation aufgrund seiner Homogenität bevorzugt. Vermehrt auch im Langlauf?

Nein, die Langläufer bevorzugen Naturschnee. Gerade in der klassischen Disziplin läuft es sich weicher und besser. Im Skating ist das weniger wichtig. Am liebsten hätte man 5 bis 6 Zentimeter Neuschnee, die man über einige Tage zu einer kompakten Spur präparieren kann. Das wären die Traumverhältnisse.

Was Iseppi sonst noch über die Rennen auf der Lenzerheide sagt, können Sie hier nachlesen.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 03.01.16, 11:30 Uhr.