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Leichtathletik-WM 3 Mal Gold für Bolt? Der Schlagabtausch vor den Muskelspielen

Usain Bolt, Renaud Lavillenie, Genzebe Dibaba und Evan Jager: Die beiden SRF-Leichtathletikkommentatoren Patrick Schmid und Mario Gehrer kreuzen ihre Klingen zu vier grossen Namen.

Genzebe Dibaba beim Applaudieren, und Usain Bolt küsst seinen goldenen Schuh.
Legende: Das Double bzw. Triple im Visier Patrick Schmid setzt an der WM auf durchschlagende Erfolge von Genzebe Dibaba sowie Usain Bolt. Keystone

1. Usain Bolt holt wie in Moskau 3-mal Gold.

Darum sagt Patrick Schmid Ja: «Weil er eben Bolt ist. Egal, was vorher alles gewesen ist: Keiner versteht es besser, am Tag X bereit zu sein. Der Jamaikaner kann bei der Rückkehr nach Peking ins ‹Vogelnest› auf einen weiteren Vorteil bauen. Denn dort lancierte er 2008 mit 3 olympischen Goldmedaillen seine ruhmreiche Karriere.»

Darum sagt Mario Gehrer Nein: «Seine Vorgeschichte in dieser Saison ist definitiv gravierender, als er sich das zugestehen will. Ich denke, dass es mehr als nur eine Baisse ist. Zudem bestritt er in dieser Saison kaum Wettkämpfe.»

2. Renaud Lavillenie springt Weltrekord.

Darum sagt Mario Gehrer Ja: «Es hat ihm gut getan, dass er in der Diamond League in Paris vor Heimpublikum und in Lausanne zweimal hintereinander geschlagen worden ist. Das war zur richtigen Zeit ein Schuss vor den Bug. Zudem wurmt es Lavillenie, dass er erst den Indoor-Weltrekord innehat. In Peking will er nun vermutlich vor den Augen Sergej Bubkas auch dessen Freiluft-Marke (6,14 m) übertreffen.»

Renaud Lavillenie vergräbt sein Gesicht.
Legende: Renaud Lavillenie Rang 5 am Heimmeeting bedeutete für ihn ein ernüchterndes Ergebnis. Reuters

Darum sagt Patrick Schmid Nein: «Er ist noch nie Weltmeister geworden und wird es auch diesmal nicht. Denn Stabhochsprung ist eine ausgesprochene Kopfsache. Mit seiner persönlichen Bestleistung von 5,94 m hat Raphael Holzdeppe eben erst angedeutet, zu was er fähig ist. Der Deutsche setzte damit seinen Konkurrenten noch stärker unter Druck. Doch am Schluss scheitert der Franzose an sich selbst.»

3. Genzebe Dibaba holt das Double über 1500 und 5000 m.

Darum sagt Patrick Schmid Ja: «Sie kann dieses Novum schaffen. Denn sie verfügte schon vor ihrem Wunderrennen in Monaco über eine riesige Portion Selbstvertrauen. Obschon die Äthiopierin zeitlich weit davon entfernt war, kündigte sie über 1500 m den Weltrekord an. In 3:50,07 Minuten löste sie das Versprechen souverän ein und knackte eine 22 Jahre alte Bestmarke. Seither ist ihr Selbstvertrauen sicher nicht kleiner geworden.»

Legende: Video Dibaba: Ein Weltrekord mit Ansage abspielen. Laufzeit 2:03 Minuten.
Aus sportaktuell vom 17.07.2015.

Darum sagt Mario Gehrer Nein: «Möglicherweise ist nach dieser Parforceleistung der Hunger nicht mehr ganz so gross, und die Anspannung im Kopf ist etwas abgefallen. In taktisch geprägten Rennen muss sie nicht zwingend siegen. Und Dibaba bestätigte ihren WM-Start über 1500 m erst in Monaco vor einem Monat. Deshalb frage ich mich: Reicht das gegen auf dieser Strecke bestandene Athletinnen?»

4. Evan Jager schnappt sich den 3000-m-Steeple-Titel.

Darum sagt Mario Gehrer Ja: «Der Amerikaner wird den Kenianern ein Schnippchen schlagen. Er zeigte in Paris trotz seines Sturzes am letzten Hindernis, dass er die Konkurrenz im Griff hat. Seine Gegner dort waren durchaus namhaft. Ein solches Missgeschick wird ihm kein 2. Mal passieren. Vielmehr hat ihn diese Niederlage stark gemacht.»

Legende: Video Jager: Angehängt und aufgerappelt abspielen. Laufzeit 1:27 Minuten.
Vom 04.07.2015.

Darum sagt Patrick Schmid Nein: «Die Kenianer reisen eigentlich nur nach Peking, um den Titel über 3000 m Steeple zu erobern. Das ist ihre Disziplin, damit ist eine grosse Tradition verbunden. Können sie sich nicht an der Spitze halten, würde zu Hause Staatstrauer ausgerufen. Zudem können die Afrikaner zusammenspannen und auf diese Weise Jager zermürben.»

Sendebezug: SRF zwei, «sportaktuell», 18.08.2015 22:20 Uhr

Kommentatoren-Duo

Kommentatoren-Duo

Patrick Schmid (33, links) wird zum 4. Mal von einer WM berichten. Mario Gehrer (35) kommt zu seiner Feuertaufe.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Esther Ulrich, Niederglatt
    Wenn offensichtliche Doper wie Armstrong von ihren Verbänden jahrelang gedeckt werden (nur weil Geld, viel Geld floss) dann muss man leider einsehen, dass wir das Doping nie ganz in den Griff bekommen werden, die Protagonisten sind immer einen Schritt voraus. Wer die Leichtathletik-WM nicht sehen will, der MUSS ja den TV nicht einschalten, so einfach ist das! Aber wir Zuschauer wollen ja immer mehr: höher, weiter, schneller ...
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  • Kommentar von D.Daniele, Obergösgen
    Die nächsten Doping - Spiele mögen beginnen. Angeführt von Usain Bolt & Justin Gatlin.
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    1. Antwort von dominique stark, aarau
      Haben Sie ernsthaft den Glauben, dass die Leichtathletik mehr Dopingsünder hat als Fussball, Basketball, American Football, Velo, Schwimmen und viele mehr? Wohl eher nicht. Am besten Sie schauen sich die WM nicht an. Ich werde es tun. Denn neben den sportlichen Höchstleistungen gibt es wohl selten eine derart elegante und pure Form des Sports. Ich freue mich drauf :)
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