Die USA führt im «ewigen Duell» - schlägt Jamaika zurück?

Sie sorgen seit Jahren für die heissesten Duelle auf der Laufbahn: Die Sprinter aus den USA und jene aus Jamaika. In London haben die Nordamerikaner bislang deutlich Oberwasser. Doch Jamaika bleiben Chancen zum Gegenschlag.

Im Final über 100 Meter waren die Amerikaner Justin Gatlin und Christian Coleman (in blau) schneller als Yohan Blake und Usain Bolt (in gelb).

Bildlegende: USA dominiert Über 100 Meter waren die Amerikaner Justin Gatlin und Christian Coleman schneller als Yohan Blake und Usain Bolt. Imago

Die letzten vier Weltmeister und drei Olympiasieger bei den Männern über 100 Meter kamen aus Jamaika. Bei den Frauen stellt der Karibikstaat ebenfalls die drei letzten Olympiasiegerinnen, dazu kam die Weltmeisterin bei den letzten 5 Austragungen viermal aus Jamaika.

An der WM in London aber hat sich das Stärkeverhältnis gedreht. Gleich zweimal wurden die Sprint-Fans in Jamaika geschockt:

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Bolt geschlagen: Überraschung im 100-m-Final

1:25 min, vom 5.8.2017

  • Über 100 Meter musste sich Superstar Usain Bolt im letzten Einzelrennen seiner Karriere ausgerechnet Dauerrivale Justin Gatlin geschlagen geben.
  • Bei den Frauen erging es Top-Favoritin Elaine Thompson noch schlimmer: Nur Rang 5, Weltmeisterin Tori Bowie stammt wie Gatlin aus den USA.

«Die USA ist zurück an der Spitze», jubelte Sprint-Legende Carl Lewis auf Twitter. «Jetzt ist es unser Job, dafür zu sorgen, auch da zu bleiben.» In Jamaika dagegen herrscht Trauerstimmung. «Das Leiden geht weiter», schrieb die Zeitung «Jamaica Gleaner», in London erlebe die Sprint-Hochburg ein «derbes Erwachen».

Trend für die Zukunft?

Die Zukuft scheint ebenfalls eher den USA zu gehören: Christian Coleman, der in London für die USA Silber hinter Gatlin holte, ist erst 21-jährig und damit 6 Jahre jünger als Yohan Blake. Klar ist: für die nächsten legendären Zweikämpfe an der WM in Doha 2019 und an den Olympischen Spiele in Tokio 2020 ist gesorgt.

Zuvor aber gibt es für die Sprintstars Jamaikas an der WM in London noch einige Möglichkeiten, die 100-Meter-Scharte auszuwetzen. Der Anfang ist bereits gemacht:

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McLeod holt sich Gold über 110 m Hürden

0:41 min, vom 7.8.2017

  • Olympiasieger Omar McLeod siegte über 110 Meter Hürden und liess Jamaika – endlich – über das erste WM-Gold jubeln.
  • Über 200 Meter der Männer gehören ein Südafrikaner (Wayde van Niekerk), Jereem Richards aus Trinidad & Tobago sowie Blake zum engsten Favoritenkreis, aber kein Amerikaner.
  • Schwierig wird es dagegen über 200 Meter der Frauen, wo Bowie als noch stärker gilt als über 100 Meter und Olympiasiegerin Thompson auf den Start verzichtet.

Zum ganz grossen Showdown kommt es dann am Samstag: Den Finals über die 4x100-Meter-Staffel. Um 22:15 Uhr wird Bolt zum letzten Mal überhaupt am Start stehen – und versuchen, Jamaikas Sprint-Ehre gegen die USA ein weiteres Mal zu retten.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 07.08.2017, 19:25 Uhr