Schockstarre, Pfiffe und Jubel

Es hätte bei der WM ein Happy End für Sprintlegende Usain Bolt geben sollen. Doch dann kam alles anders. Ein Stimmungsbericht aus London.

Justin Gatlin.

Bildlegende: Vor Tausenden von Fans und doch ganz allein Justin Gatlin. Keystone

Das WM-Stadion ist kurz davor abzuheben. Alles ist angerichtet für eine grosse Bolt-Abschiedsshow. Und dann das: Usain Bolt geschlagen. 60’000 Zuschauern bleiben die Emotionen im Hals stecken. Ruhe im Stadion. Dann Pfiffe. Der wegen seiner Doping-Vergangenheit unbeliebte Justin Gatlin holt sich 100-Meter-Gold. Das stand doch irgendwie anders im Drehbuch.

Die Konsternation hält ein paar Sekunden an. Und dann doch: «U-S-A, U-S-A», hallt es von den Rängen. Das Publikum ist nicht mehr in Schockstarre und feiert den neuen schnellsten Mann der Welt. Meint man im ersten Augenblick. Von wegen «U-S-A»! Alle rufen «U-sain Bolt, U-sain Bolt»! Der Geliebte geht auf die Ehrenrunde. Der Geschmähte gibt da schon längst Interviews.

Dann leeren sich die Tribünen. In den Augen der Zuschauer spiegelt sich die Überraschung über den Ausgang der Königs-Disziplin. Usain Bolt hat sein letztes Einzel-Rennen nicht gewonnen. Vielleicht bleibt seine Abschiedsvorstellung so jedoch gar länger in Erinnerung, als wenn er seine 12. WM-Goldmedaille geholt hätte. Dieser Abgang bietet schliesslich ganz viel Diskussionsstoff. Wie ein Film von Gut und Böse mit unerwartetem Ende.

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Der 100-m-Showdown zwischen Gatlin und Bolt

1:00 min, aus sportaktuell vom 5.8.2017

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 05.08.2017 19:55 Uhr