Von vollen Hosen, gebrochenen Herzen und vergessenen Speckrollen

Welche Sprüche lieferte die 16. Leichtathletik-WM in London? Anhand eines Rückblicks liefern wir ein Best-of von Aussagen der Beteiligten.

Die deutsche Siebenkämpferin Carolin Schäfer hält die Hand vor den Mund

Bildlegende: Erst sprachlos, dann hungrig Die deutsche Siebenkämpferin Carolin Schäfer. Imago

Wie belohnt sich eine Siebenkämpferin nach WM-Silber? Die überraschende Antwort liefert die Deutsche Carolin Schäfer gleich selbst.

«  Ich habe jetzt Bock auf eine Pizza. Hauptsache fettig und ungesund. »

Der deutsche Zehnkämpfer Kai Kazmirek sollte mit folgender Einschätzung zur Wettkampf-Halbzeit Recht behalten. Denn der französische Leader kam bei der Fortsetzung ohne Aussetzer durch und liess sich nicht mehr verdrängen.

«  Kevin Mayer kriegen wir nur noch, wenn er einen Salto nullo macht. »
Pamela Dutkiewicz.

Bildlegende: Die Verwandlung ist offensichtlich Pamela Dutkiewicz mit weniger Gewicht, dafür mehr Selbstvertrauen. Getty Images

Eine ganz andere Wandlung hat Pamela Dutkiewicz gemacht. Noch vor zweieinhalb Jahren wog die Deutsche 10 kg mehr. Inzwischen hat sie ein ganz anderes Körpergefühl – und sie preschte im Hürdensprint zur Bronzemedaille. Die Erklärung dafür klingt logisch.

«  Früher stand ich im Stadion und hatte Panik, dass mein Speck irgendwo rausguckt. Das hat mir den Fokus genommen. Damals hätte ich nie gedacht, dass man bei mir mal Bauchmuskeln sehen würde. »

Nicht wegen ihrer Leistungen, sondern primär wegen der Debatte um zu hohe Testosteronwerte steht Caster Semenya immer wieder im Fokus. Die Südafrikanerin nimmt ihren Kritikern aber den Wind aus den Segeln.

«  Wenn ich pinkle, pinkle ich wie eine Frau. »

Wenn wir schon beim Thema sind. Eine Toilette hätte Alex Wilson vor seinem Vorlauf über 200 m definitiv nötig gehabt. So sprach der Basler mit Wurzeln auf Jamaika hinterher ungeschminkt über seine Nervosität vor dem Rennen.

Als Wilson 2 Tage später dann im Halbfinal chancenlos auf der Strecke blieb, hatte er nur ein Kopfschütteln für sein Scheitern übrig, trotzdem aber ein weiteres Bonmot bereit.

«  Gopferdeckel, ich war am Schluss tot, konnte gar nicht mehr voll durchziehen. Eine solch bescheidene Zeit hatte ich schon als 18-Jähriger drauf. »

Der neue Speerwurf-Weltmeister Johannes Vetter nahm nach seinem Gold-Coup kein Blatt vor den Mund – und bohrte in alten Wunden. Denn mit seiner Provokation spielte er darauf an, dasss er bei seinem Ex-Klub Dresdner SC nicht ausreichend gefördert worden sei.

«  Ich glaube, die in Dresden werden sich jetzt gewaltig in den Arsch beissen. Das sollen sie auch tun. »
Video «Makwala: Einsames Rennen und dann 7 Liegestütze» abspielen

Makwala: Einsam unterwegs und dann 7 Liegestütze

0:38 min, vom 9.8.2017

Isaac Makwala war für die 200-m-Vorläufe nicht zugelassen, weil er am Magen-Darm-Virus litt. Der Athlet aus Botswana tobte und sprach von «Sabotage». Erst nach Ablauf der Quarantäne räumte der Verband Makwala doch noch eine Chance ein und liess ihn solo einen Zeitlauf bestreiten. Der 30-Jährige, in der Endabrechnung auf Platz 6 klassiert, schlug plötzlich andere Töne an.

«  Ich vergebe allen, die diese Entscheidung getroffen haben. Aber ich renne immer noch mit gebrochenem Herzen. »
Video «Bolt geniesst auch als Dritter die volle Aufmerksamkeit» abspielen

Gatlin siegt, doch die Aufmerksamkeit gehört Bolt

0:59 min, vom 5.8.2017

Der Sprintsieg von Justin Gatlin in der Königsdisziplin über 100 m hatte die Weltmeisterschaften so richtig lanciert. Doch die Begeisterung über den Sturmlauf des Amerikaners verbunden mit der Entthronung Usain Bolts (3.) hielt sich sehr in Grenzen. Auch beim IAAF-Vorsitzenden Sebastien Coe.

«  Das Drehbuch ist nicht perfekt aufgegangen. Auch bin ich nicht gerade angetan davon, dass jemand, der zwei Dopingsperren abgesessen hat, mit einem unserer glanzvollen Preise davonzieht. »

Das letzte Wort hat Usain Bolt. Der schnellste Man der Welt tritt mit 30 Jahren und der stolzen Kollektion von 11 Mal Gold, 2 Mal Silber und 1 Mal Bronze von der WM-Bühne ab. Der Jamaikaner freut sich offensichtlich auf die Zeit danach, verständlich nach seiner missglückten Schlussvorstellung.

«  Ich bin aufgeregt, endlich normal leben zu können, aufzustehen, wann ich will, und zu wissen, dass ich kein Training habe. »

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 13.08.2017 19:25 Uhr