Ellen Sprunger: Zweifel gehören dazu

Ellen Sprunger hat im Herbst einen speziellen Weg eingeschlagen. Die Siebenkämpferin und Staffelläuferin zog nach Paris. Sie erhoffte sich vom Standort-Wechsel eine gezieltere Vorbereitung für die EM in Zürich, machte aber auch schwierige Erfahrungen.

Video «Leichtathletik: Ellen Sprunger vor der EM» abspielen

Porträt von Ellen Sprunger

5:26 min, aus sportaktuell vom 22.7.2014

Es klingt paradox. Ausgerechnet für die Heim-EM, die ab 12. August im Letzigrund ansteht, musste Ellen Sprunger ihr trautes Heim aufgeben. Die Romande brach letzten Oktober ihre Zelte in der Schweiz ab und stellte sich in Paris einer neuen Herausforderung.

Dort schloss sie sich an einem Sportinstitut einer internationalen Trainingsgruppe an und traf unter anderen auf die Europameisterin im Siebenkampf, Antoinette Nana Djimou Ida (Fr). Sébastien Levicq, einst selbst Mehrkämpfer, nahm die 27-Jährige unter seine Fittiche, er gilt als sehr strenger Coach. Sprunger verweist auf intensive Einheiten, neue Inputs und «auf Voraussetzungen, die ich in der Schweiz nicht angetroffen hätte».

Von problemlos bis kompliziert

Dafür hatte sie in Frankreich viel höhere Ansprüche zu erfüllen und bekam gegen die starke Trainingskonkurrenz ihre Grenzen deutlich aufgezeigt. «Positives wird selten hervorgehoben. Stattdessen wurde mir immer wieder vor Augen geführt, was noch verbesserungswürdig ist», sagt die Waadtländerin und räumt ein, «so etwas nagt am Selbstvertrauen». Ihr Trainer Levicq umschreibt die Zusammenarbeit wie folgt: «Sie ist manchmal problemlos, manchmal kompliziert, jederzeit aber interessant.»

Das Leben in einer hektischen Grossstadt zwang Sprunger auch im Alltag zu Anpassungen. Zudem fühlte sie sich oft einsam und war gezwungen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Im Nachhinein spricht sie von «einer Lebensschule, die ich in Paris durchlaufen habe».

2. Chance in der Staffel

Die Leichtathletik-Schwestern Lea und Ellen Sprunger posieren gemeinsam.

Bildlegende: Sprunger-Doppel Mit ihrer jüngeren Schwester Lea Sprunger (24) bildet Ellen Sprunger auch in der Staffel ein erfolgreiches Gespann. Keystone

Wie weit das riskante und mutige Experiment sie sportlich gebracht hat, wird ihr die EM in Zürich zeigen. Im ersten Siebenkampf der Saison, vor knapp zwei Monaten in Götzis, war die Nummer 2 der ewigen Schweizer Bestenliste (6124 Punkte) nur partiell erfolgreich. Sprunger stellte über 200 m, 800 m sowie im Kugelstossen persönliche Bestleistungen auf. Mit einem Total von 5872 Punkten lag sie aber weit hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Seither beklagte sie Probleme mit der Achillessehne. In der Staffel, ihrer zweiten EM-Option, beeinträchtigten sie diese nicht. Als glänzende Kurvenläuferin auf der 3. Position gehört Ellen Sprunger zum Quartett, das in Lausanne Anfang Juli in 42,94 Sekunden über 4-mal 100 Meter den Schweizer Rekord verbesserte.

Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 22.07. 22:20 Uhr

Video «Leichtathletik: Mehrkampf-Meeting in Götzis» abspielen

Sprunger beim Mehrkampf-Meeting in Götzis

4:51 min, aus sportpanorama vom 1.6.2014

Video «LA: Athletissima, Schweizer Rekord über 4x100 m Staffel der Frauen» abspielen

Sprunger läuft in Lausanne an Position 3 zum Staffel-Rekord

2:08 min, vom 3.7.2014