Lisa Urech: Es zählt nur die Gegenwart

Lisa Urech ist erst 25-jährig, dennoch hat sie 2011 schon zur Weltklasse gezählt. Heute ist die Berner Hürdensprinterin nach einer Reihe von Rückschlägen weit von einer solchen Einschätzung entfernt. Aber sie kämpft: Mit sich selbst und um eine schnelle Zeit bei der Heim-EM.

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Porträt von Lisa Urech

3:44 min, aus sportaktuell vom 23.7.2014

Das waren noch Zeiten - in doppelter Hinsicht: Lisa Urech legte die mit 10 Hürden gesäumten 100 Meter in rasanten 12,62 Sekunden zurück. Mit dieser Marke nahm sie in der Jahres-Weltbestenliste 2011 Platz 6 ein. Sie eroberte bei der EM der U23-Jährigen Silber. Das Talent aus dem Emmental schien seine Grenzen bei weitem noch nicht ausgereizt zu haben.

Lisa Urech posiert mit Cooly, dem Maskottchen für die Heim-EM.

Bildlegende: Ihr Ansporn Lisa Urech posiert gemeinsam mit Cooly, dem Maskottchen für die Heim-EM. Keystone

Lange ist dies her, und in weite Ferne sind die Erinnerungen daran gerückt. Denn seit ihrem schnellen und mühelosen Aufstieg im 2011 fühlt sich Urech ausserstande, solche Leistungen zu erzielen. Ihr Saison-Bestwert liegt bei 13,32 Sekunden, in ihrem letzten Rennen in Luzern wurde sie sogar nur in ernüchternden 13,69 gestoppt. Zeiten, die sie als Juniorin einst regelmässig übertraf. Urech bestätigt darum: «Ja, es harzt.» Gleichzeitig ist sie darauf bedacht, sich möglichst unbeirrt zu geben.

Eine neue Herausforderung

Die Zäsur in ihrer Karriere ist einem Hauptgrund geschuldet: ihrem fragilen Körper. Sie hat drei Hüft-Operationen, Probleme mit der Achillessehne, einen Kreuzbandriss und insgesamt fast 2 Jahre Wettkampf-Pause hinter sich. Nach dieser langen Leidensgeschichte wertet Urech es schon als Erfolg, dass sie seit 10 Monaten wieder beschwerdefrei trainieren kann.

Sven Rees als Trainer von Lisa Urech gestikuliert mit seinen Armen.

Bildlegende: Ihr Trainer Sven Rees zeigt Lisa Urech und hier Kindern bei einem Event den sportlichen Weg auf. Keystone

Aber der erbitterte Kampf um den Anschluss ist damit noch längst nicht gewonnen. Vielmehr sieht sich die Bernerin mit einer zusätzlichen Herausforderung konfrontiert. «Es ist wichtig, dass ich nicht ständig an die Vergangenheit und an meine schnellen Zeiten denke», erklärt Urech, «vielmehr muss ich meine Leistungen in Relation zur aktuellen Situation setzen.»

Diskrepanz zwischen Training und Rennen

Entscheidend für die BWL-Studentin wird zudem sein, dass sie ihre Lockerheit zurückgewinnt. Denn die Realität sieht auch so auch so aus, dass sie an ihrem Trainings-Stützpunkt in Stuttgart sehr wohl gute Ansätze zeigt, diese im Ernstkampf aber nicht umsetzen kann.

Urech, die am Sonntag ihren 25. Geburtstag feiert, sagt: «Die Form muss noch kommen.» 19 Tage bleiben ihr bis zum EM-Start am 12. August und ihrem Einsatz im Vorlauf.

Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 23.07. 22:20 Uhr

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2011: Urech pulverisierte den Schweizer Rekord

2:41 min, aus sportpanorama vom 3.7.2011