Nicola Spirig: Die Alleskönnerin

Mit 32 Jahren beschreitet Nicola Spirig neue Wege: An der EM in Zürich will die Triathlon-Olympiasiegerin von London 2012 die Welt der Läufer erobern. Es ist ein kühnes Unterfangen – und eines, bei dem die facettenreiche Frau mit kleineren Ambitionen als gewöhnlich an den Start gehen wird.

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Nicola Spirig vor der Heim-EM

4:16 min, aus sportaktuell vom 31.7.2014

Der Entscheid, sportlich neues Terrain zu betreten, passt zu einer Frau mit vielen Gesichtern. Neben ihrem zeitintensiven Leben als Spitzensportlerin absolvierte Spirig ein Jura-Studium, letztes Jahr wurde sie Mutter. Der kleine Yannis wird beim Heimspiel in Zürich am Streckenrand dabei sein, von einem «speziellen Moment» spricht Vater Reto Hug, Spirigs Ehemann.

Über ihre Prioritäten ist sich Spirig im Klaren: «Am Wichtigsten ist mir Mutter zu sein. Natürlich brauche ich viel Hilfe und Freiräume, um meinen Sport auszuüben. Und die gibt mir meine Familie.» Diese unterstützt sie in ihrer Leidenschaft für den Sport. «Ich finde es so oder so gut, wenn sie sportlich weiterhin aktiv ist», sagt Hug, selbst fünffacher Schweizer Meister im Triathlon.

Nicola Spirig nach ihrem Zieleinlauf beim Ironman von Rapperswil 2014.

Bildlegende: Nicola Spirig hat viel vor, in unterschiedlichen Rollen. Keystone

Familienglück und Spitzensport

Bei allem Familiensinn: Sportlich überlässt die Zürcherin nichts dem Zufall. Ihre Erfolge sind das Produkt harter Arbeit. Die Wettkampfvorbereitung im Kurort St. Moritz ist alles andere als erholsam – auch wenn die idyllischen Bilder mit der Familie anderes vermuten lassen.

Mit dem gebührendem Ernst unternimmt Spirig denn auch das «Wagnis Marathon»: In der Bündner Höhenluft bereitet sie sich minutiös auf den Grossanlass in der Limmatstadt vor, auch wenn eine absolute Top-Klassierung unwahrscheinlich ist. Coach Brett Sutton, bekannt für seine unorthodoxen Trainingsmethoden, berüchtigt als Schleifer, treibt sie an.

Ehrgeizig, aber nicht verbissen

Spirig mag ehrgeizig sein, vom Spitzensport getrieben ist sie aber nicht: «Sport ist meine Leidenschaft. Solange ich alles verbinden kann und so gut hinkriege, geniesse ich es. Ich habe noch Ziele, bin noch motiviert. Es ist momentan ein super Leben.» Wer erlebt, wie selbstverständlich Spirig Familie und Spitzensport vereint, ist sich sicher: Die Athletin Spirig ist in der Blüte ihres Schaffens, das Familienglück scheint sie zusätzlich zu beflügeln.

Das Fernziel Brasilien, wo 2016 die Olympischen Spiele anstehen, hat sie fest im Blick. Denn der Ausflug ins Metier der Lauf-Spezialisten hat auch mit Rio zu tun: Dort peilt Spirig ihre zweite Goldmedaille im Triathlon an - als Läuferin von Weltformat.

Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 31.07.2014, 22:20 Uhr.