Spirig beschreitet neue Wege

Nicola Spirig steht vor ihrer EM-Premiere im Marathon - und trainiert doch wie eine Triathletin. Wie weit wird sie, die immer für eine Überraschung gut ist, mit dieser unkonventionellen Vorbereitung kommen?

Von allen Nominationen für die EM in Zürich gab jene von Nicola Spirig am meisten zu reden: Sie rangiert mit ihrer Anfang April beim Zürich-Marathon gelaufenen Zeit von 2:42:52 Stunden nicht unter den 6 schnellsten Schweizerinnen, gehört aber zu den 5 Fixstarterinnen beim Rennen am 16. August.

«Die Richtung stimmt»

Bei ihrer Premiere hat die 32-Jährige gemerkt, welches die Tücken eines Marathons sind. Muskuläre Probleme machten ihr, die sich vom Triathlon weitaus kürzere Laufdistanzen gewohnt ist, das Rennen schwer.

Nun dauert es noch einen Monat bis zum EM-Marathon. Im Höhentraining in St. Moritz sagt Spirig: «Die Richtung stimmt, aber ich habe noch viel Arbeit vor mir. Ich bin froh, dass ich noch 4 Wochen Zeit habe.»

Ausdauer durch Schwimmen und Radfahren

Die Zürcherin ist mit Leib, Seele und Muskulatur Triathletin und trainiert mit Coach Brett Sutton im Engadin so, wie es ihr als Triathletin entspricht. Sie kann nicht den gleich hohen Kilometerumfang laufen, wie es spezialisierte Marathonläufer tun. «Ich habe meine Schwachstellen», sagt sie und spielt damit auf den Ermüdungsbruch im Schienbein an, den sie sich 2011 zuzog.

Ende 2013 traten erneut entsprechende Symptome auf, worauf sie im Januar und Februar läuferisch kürzer trat. Um die Ausdauer und das Herz-Kreislauf-System dennoch zu trainieren, schwimmt Spirig weiterhin häufig. Auf dem Rad sitzt sie dagegen zur Zeit seltener.

Ein EM-Titel als Amuse-Bouche?

Auf ihre Marathon-Ziele angesprochen, stapelt Spirig tief: «Eine Medaille liegt nicht drin. Ich finde es nur schon super, als Triathletin bei einer Leichtathletik-EM dabei zu sein.» Kein Geheimnis macht sie daraus, dass sie gerne auch über 10'000 m an den Start gegangen wäre. Ende Juni holte sie sich zwar den Schweizermeister-Titel, verpasste aber die EM-Limite.

Nicola Spirig hält jubelnd die Schweizer Fahne in die Höhe, an ihrer Seite stehen die Silber- und Bronze-Medaillengewinnerinnen.

Bildlegende: Vierter EM-Titel Spirig gewann den EM-Triathlon vor Sophia Saller (De) und Annamaria Mazzetti (It). Keystone

Trainer Sutton hätte Spirig über diese Distanz eine Medaille zugetraut. Angesprochen auf den Formstand seiner Athletin, sagt er, sie sei sehr gut drauf. «She's on fire!» Da passt es bestens, dass sie am 20. Juni quasi im Vorbeilaufen den Triathlon-EM-Titel über die olympische Distanz geholt hat. Nicola Spirig - sie ist immer für eine Überraschung gut.

Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 17.07.14, 22:20 Uhr