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Olympische Spiele Russlands Athleten an Olympia nur unter neutraler Flagge

Russlands Athleten dürfen an den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang nur unter neutraler Flagge starten. Dies entschied das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Dienstag in Lausanne.

Legende: Video Das IOC greift gegen Russland durch abspielen. Laufzeit 3:51 Minuten.
Vom 05.12.2017.
  • Keine russische Mannschaft, Hymne und Flagge in Pyeongchang
  • Neutrale Flagge: Hintertürchen für die russischen Athleten
  • Russlands Vize-Premier Vitali Mutko lebenslänglich von allen Funktionen um Olympia ausgeschlossen
  • Die «sportaktuell»-Sendung zum IOC-Entscheid gibt es hier

Was im Vorfeld kaum für wirklich möglich gehalten worden war, ist Tatsache: Das IOC schliesst das Nationale Olympische Komitee Russlands ROC wegen des Doping-Skandals um Sotschi 2014 von den Winterspielen in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) aus. Es ist eine Entscheidung von sporthistorischer Tragweite.

Legende: Video Russland-Korrespondent Franzen im Interview abspielen. Laufzeit 1:27 Minuten.
Aus sportaktuell vom 05.12.2017.

Russland kündigte Boykott an

Zwar kommt Russland um den Komplett-Ausschluss herum, für die Sport-Grossmacht ist es dennoch eine harte Strafe. In Südkorea wird es keine russische Mannschaft, keine russische Hymne und keine russische Flagge geben.

Ein Hintertürchen bleibt für die Athleten jedoch offen. Den russischen Sportlern soll unter Auflagen ein Start als «neutrale Athleten» offenstehen. Russische Sportler, die nachweisen können, dass sie sich einem unabhängigen Testprogramm unterworfen haben, dürfen unter olympischer Flagge starten.

Es war ein beispielloser Angriff auf die Integrität der Olympischen Bewegung und des Sports.
Autor: IOC-Präsident Thomas Bach

Ob russische Sportler allerdings ohne Flagge und Hymne an den Start gehen werden, ist fraglich. Im Vorfeld der Entscheidung waren in Russland für diesen Fall bereits Rufe nach einem Boykott laut geworden. Der grösste russische TV-Kanal kündigte an, die Spiele in Südkorea nicht zu übertragen.

WM-OK-Chef Mutko gesperrt

Der russische Vize-Premierminister und frühere Sportminister Witali Mutko wurde vom IOC lebenslang von Olympischen Spielen ausgeschlossen. Mutko gilt als Organisator des Staatsdopings in Russland. Er war während den Winterspielen von Sotschi 2014 Sportminister und ist auch OK-Chef der Fussball-WM 2018.

Russland hatte in den Jahren 2011 bis 2015 ein institutionelles Dopingsystem installiert. Darin verwickelt waren laut den Berichten des WADA-Sonderermittlers Richard McLaren rund 1000 Sportler. Ausgelöst wurde der Skandal im Mai 2016 durch den Whistleblower Grigorij Rodtschenkow, den ehemaligen Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors.

IOC folgt Schmid-Report

Als Antwort auf den McLaren-Report setzte das IOC zwei Untersuchungskommissionen ein. Sie wurden nach ihren Leitern benannt, dem ehemaligen Schweizer Bundespräsidenten Samuel Schmid und dem Schweizer IOC-Mitglied Denis Oswald.

Schmid legte am Dienstag einen Report vor und kam zum Schluss: «Es gab eine systematische Manipulation der Anti-Doping-Regeln.» Dieser liegt dem Entscheid zugrunde. IOC-Präsident Thomas Bach sagte: «Es war ein beispielloser Angriff auf die Integrität der Olympischen Bewegung und des Sports.»

Die bislang durch das IOC gesperrten russischen SportlerInnen

Athlet(in)
Sportart
Aberkanntes Resultat in Sotschi
Jana RomanowaBiathlonu.a. Silber Staffel
Olga WiluchinaBiathlonu.a. Silber Staffel, Silber Sprint
Olga Saizewa
Biathlonu.a. Silber Staffel
Alexander SubkowBobGold Zweier, Gold Vierer
Alexej WojewodaBobGold Zweier, Gold Vierer
Alexej NegodailoBobGold Vierer
Dimitri TrunenkowBobGold Vierer
Alexander Kasjanow
Bob4. Zweier, 4, Vierer
Ilwir Chusin
Bob4. Vierer
Maxim BeluginBob4. Vierer
Alexej Puschkarjow
Bob4. Vierer
Olga StulnewaBob9.
Ludmilla UdobkonaBob9.
Tatjana BurinaEishockey6.
Inna DyubanokEishockey6.
Jekaterina LebedewaEishockey6.
Jekaterina Paschkewitsch Eishockey6.
Anna SchibanowaEishockey6.
Galina SkibaEishockey6.
Anna Schtschukina Eishockey6.
Jekaterina SmolenzewaEishockey6.
Olga FatkulinaEisschnelllaufu.a. Silber 500m
Iwan SkobrewEisschnelllauf7. über 5000 m
Alexander RumjanzewEisschnelllauf11. über 5000m
Artem Kusnezow Eisschnelllauf19. über 500 m
Denis AirapetjanShorttrack-
Wladimir GrigorjewShorttrackGold Staffel, Silber über 1000 m
Albert DemtschenkoRodeln2. Einzel und Teamstaffel
Tatjana IwanowaRodeln2. Teamstaffel
Alexander TretjakowSkeletonGold
Jelena Nikitina
SkeletonBronze
Olga PotylizinaSkeleton5.
Maria Orlowa
Skeleton6.
Sergej TschudinowSkeleton5.
Alexander LegkowLanglaufu.a. Gold 50km, Silber 4x10-km-Staffel
Maxim WylegschaninLanglaufSilber 50km
Nikita KryukowLanglaufSilber Teamsprint
Alexander BessmertnychLanglaufSilber 4x10-km-Staffel
Alexej PetuchowLanglauf8. Sprint
Jewgeni Below Langlaufu.a. 18. Skiathlon
Julia IwanowaLanglaufu.a. 6. 4x5-km-Staffel
Julia Tschekalewa
Langlaufu.a. 6. 4x5-km-Staffel, 11. 10km
Anastasia Dozenko
Langlaufu.a. 6. Teamsprint
Natalja MatwejaLanglauf20. im Sprint
Jewgenija SchapowalowaLanglauf28. Sprint

Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 05.12.2017, 20:00 Uhr

53 Kommentare

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  • Kommentar von Winston Smith (Satiere für Demokratie)
    Ich suche schon seit langem die Beweise in der Berichterstattung! Finde jedoch bis jetzt keine. Mann spricht von Beweise, Mann zeigt sie jedoch nicht, warum? Bis jetzt habe ich als Beweismittel nur die aussage von dem Wisthlebower und sein Tagebuch! Stützt sich die Ganze beweislast auf Indizien? Weis jemand von Faktisch belegbaren beweise? Und wo findet mann diese? Wäre dankbar
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  • Kommentar von Norbert Schnidrig (3646)
    Aha, Herr Samuel Schmid kanns einfach nicht lassen. Sogar als Privatier schadet er der Schweiz enorm. Wieso ist der nicht in den Ausstand getreten? Wann begreift unser Volk endlich, dass wir immer noch ein neutraler Staat sind und auf Feriengäste aller Art angewiesen sind? Solche Berichte muss nun erneut der Steuerzahler ausbaden. Vielen Dank lieber Ex-Bundesrat, sie haben ja jetzt ihre lebenslange Rente von uns.
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    1. Antwort von Walter Schwarb (Schwarb Walter)
      Aha, also lieber Betrüger schützen, Hauptsache die Touristen kommen und bringen Geld, tolle Einstellung. Und, seit wann ist die Schweiz neutral? In welcher Welt leben Sie eigentlich.
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    2. Antwort von Friedrich Stowasser (H.B.)
      Sehe nicht ganz Ihr Problem. Herr Schmid wurde beauftragt eine Untersuchungskommission zu leiten, das hat er gemacht und einen Bericht vorgelegt. Der IOC ist eine Organisation die aus vielen Mitgliedsländern besteht, auch der Schweiz, somit ist man seiner Pflicht als Mitglied nachgekommen. Das man daraus versucht einen "Neutralitätsbruch" zu basteln ist m.E. äusserst fragwürdig.
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  • Kommentar von Erich Singer (liliput)
    Ja jetzt bin ich aber sehr erstaunt das das IOC doch so drastisch reagiert hat.Hätte ich absolut nicht erwartet.Das die Sauberen Athleten zugelassen werden finde ich gut und fair wenn sie denn beweisen können Dopingfrei zu sein.
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