Für Wyder liegt die Kraft in der Ruhe

Orientierungsläuferin Judith Wyder ist an der WM mit 3 Goldmedaillen zur Schweizer Teamleaderin aufgestiegen und hat sich als Nachfolgerin von Simone Niggli etabliert. Ihr Vorteil: Jeder Erfolg macht sie noch abgeklärter.

Judith Wyder beisst auf ihre WM-Goldmedaille, die um ihren Hals hängt.

Bildlegende: Strahlende Siegerin Mit 3 Mal Gold um den Hals kehrte Judith Wyder von der WM aus Norditalien heim. Keystone

Die letzte Woche liess Judith Wyder keine Verschnaufpause. Auch darum, weil die 26-jährige Bernerin an der OL-WM im Trentino von Erfolg zu Erfolg eilte. Ihre bemerkenswerte Bilanz: 4 Starts, 4 Medaillen, 3 davon in goldener Legierung.

Nach dieser intensiven Phase gönnt sich die Überfliegerin ein paar freie Tage im Engadin. Mit Wandern will sie runterfahren. Die Auszeit dient einem weiteren Grund. «Um überhaupt zu realisieren, was ich erreicht habe», wie sie erklärt.

Vieles musste zusammen stimmen

Seit 2009 gehört Wyder dem nationalen Elite-Kader an, in ihrem 3. Jahr hatte sie schon einmal eine Einzel-WM-Medaille gewonnen. Der Durchbruch ist ihr aber erst im letzten April an der EM in Portugal mit 3 Mal Gold geglückt. Nun hat sie im ruppigen und steinigen WM-Gelände eindrücklich nachgedoppelt, was Wyder doch «ein Stück weit überrascht hat».

Denn vieles müsse zusammen stimmen, damit aus jedem Rennen eine Medaille resultiere. «Aber ich hatte nach der EM hohe Ziele. Man konnte mit mir rechnen», sagt sie in der Nachbetrachtung. Einem zusätzlichen Druck hingegen musste Wyder nicht standhalten. «Vielmehr freute ich mich auf die neue Aufgabe, die ich mit Ruhe und viel Selbstvertrauen angehen konnte. Ich hatte nicht das Gefühl, etwas bestätigen zu müssen.»

Zurück an die Arbeit

Beruhigend war für sie zudem, dass im Jahr 1 nach dem Rücktritt der Ausnahmekönnerin Simone Niggli (23 WM-Titel) nicht die gesamte Last auf ihren Schultern lag. «Wir haben uns als Team stark entwickelt und die Lücke, die Simone hinterlassen hat, gemeinsam ausgefüllt», sagt die Physiotherapeutin.

Nach ihren Glanztaten an der WM wird Wyder aber unweigerlich als Nigglis Nachfolgerin gehandelt. Das ehrt sie zwar, wie auch die gestiegene Aufmerksamkeit. «Gleichwohl ist es nicht mein Ziel, ihr nachzueifern. Ich möchte meinen eigenen Weg gehen», betont sie. Dazu gehört, dass Wyder nach ein paar wenigen Monaten als Profi nun wieder ein 50-Prozent-Pensum annimmt. «Die Arbeit macht mir Freude und sie ist eine willkommene Abwechslung», sagt sie.

Wyders Medaillensegen im 2014

EM: SprintGold
EM: LangdistanzGold
EM: StaffelGold
WM: SprintGold
WM: StaffelGold
WM: Mixed-StaffelGold
WM: LangdistanzBronze
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Gold im Sprint für Wyder

0:55 min, vom 5.7.2014