Simone Niggli - zurück ins Leben

Simone Niggli, die erfolgreichste Orientierungsläuferin aller Zeiten, geht in den «Ruhestand». Im Gespräch mit der «sportlounge» gab die Schweizer Ausnahmeathletin Einblick in ihre Gefühlslage und Zukunftspläne.

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Simone Niggli in der «sportlounge»

11 min, vom 1.10.2013

23 Gold-, 2 Silber- und 6 Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften. Die Rede ist nicht von Jahrhundertschwimmer Michael Phelps, sondern von Simone Niggli. Mit dem Rücktritt der Bernerin verliert der Orientierungslauf sein Aushängeschild - und die Schweizer Sportwelt eine ihrer herausragendsten Protagonistinnen.

Vom Spitzensport in die Normalität

Mit ihren Erfolgen griff die mittlerweile 35-Jährige Ausnahmeathletin weit über den begrenzten Kosmos ihres Sports hinaus und machte sich und das Nischenphänomen Orientierungslauf populär. Ausdruck ihrer Beliebtheit: Der dreimalige Titel als Schweizer Sportlerin des Jahres.

Unvergessen bleibt auch ihr Husarenritt von 2005, als sie im fernen Japan das Kunststück der Heim-WM von 2003 wiederholte und in allen 4 Disziplinen zu Gold lief. Eine einmalige Sportlerkarriere. Ebenso allein wie auf dem OL-Olymp dürfte Simone Niggli mit der Frage stehen: Wie schrumpft eine Sportikone im Privaten wieder auf Normalgrösse?

«Eine gewisse Leere ist möglich»

Eine Frage, die Simone Niggli nicht abschliessend zu beantworten weiss. Fest steht für sie: «Ich brauche Ziele». So will sich Niggli auch künftig in OL-, vielleicht auch Bergläufen messen, auch wenn «nicht mehr ganz so viel aus den Beinen kommen wird». Der Aufbruch in die 2. Karriere ist indes - ebenso wie der sportliche Erfolg - nicht abschliessend planbar. Entsprechend hält die gebürtigen Burgdorferin eine «gewisse Leere» durchaus für möglich, vertraut dabei aber auf ihre Familie und ihr gutes Umfeld.

Die Geburt ihrer drei Kinder hat sie allerdings schon während ihrer aktiven Zeit gelehrt, gelassener zu werden und die Dinge auf sich zukommen zu lassen: «Als ich Mutter wurde, rückte alles in ein anderes Licht. Gewisse Anpassungen waren nötig, etwa wenn die Kinder krank waren. Ich habe gelernt, dass es auch so geht.» Eine Gelassenheit, die die Perfektionistin nun im Privatleben anwenden will, wo ihr sportlicher Ehrgeiz zwischenzeitlich auch in der Alltagsplanung durchdrang.

Ein würdiger Abschied vor heimischer Kulisse

Bevor sie sich aber den vermeintlich profanen Dingen des Lebens widmet, plant Niggli einen letzten grossen Coup: Mit einem Sieg beim Frauensprint in Baden will sie sich den 9. Sieg im Gesamtweltcup holen. Ein Abschied, der einer der ganz Grossen ihres Sports angemessen wäre.

TV-Hinweis

TV-Hinweis

SRF zwei überträgt den Frauenlauf in Baden am kommenden Sonntag (6. Oktober) live ab 13:10.