«Beat the Heat» – so hart ist die Rad-WM

Kaum Fans, unzulängliche medizinische Betreuung und Gluthitze: Die Rad-WM in Doha/Katar sorgt schon vor ihrem Ende für kritische Töne. Halb so schlimm, meinen die Schweizer Rad-Cracks Stefan Küng und Reto Hollenstein.

  • Die Ausgangslage: Nach der Handball-WM 2014 und vor den Weltmeisterschaften der Leichtathleten (2019) und der Fussballer (2022) führt das Emirat Katar mit der diesjährigen Rad-WM ein weiteres Prestige-Projekt durch.
  • Die Probleme: Einerseits hatte es bislang kaum Zuschauer am Streckenrand. Selbst bei den Medaillenzeremonien machen Fotografen den Grossteil der Anwesenden aus. Andererseits sind die klimatischen Bedingungen grenzwertig: Temperaturen im Bereich von 40 Grad Celsius bringen die Fahrer an ihre körperliche Grenzen.
Tony Martin mit Handtuch.

Bildlegende: Tony Martin spürt trotz Vorbereitung die Hitze. IMAGO

Die Vorbereitung: Zeitfahr-Champion Tony Martin versuchte im Vorfeld, sich an die ungewohnten äusseren Bedingungen zu akklimatisieren. Dies tat er, indem er vor seinem Hometrainer einen Heizlüfter installierte und vermehrt die Sauna besuchte.

Dennoch hatte der Neu-Weltmeister aus Deutschland mit der Hitze in Doha seine liebe Mühe.

  • Die Verletzte: Anouska Koster litt sichtlich unter der Hitze und steuerte wie benebelt ihr Rad in die Absperrungen. Sie überschlug sich und zog sich Verletzungen im Gesicht zu. Mieke Kröger brauchte auf dem Weg zur Siegerehrung Unterstützung.
  • Die Massnahmen: Der internationale Radsportverband UCI entwarf unter dem Namen «Beat the Heat» einen Leitfaden, wie sich die Fahrer vor dem Wettkampf verhalten sollten. Zudem hat sich die UCI vorbehalten, die Rennen zu verkürzen. So könnte das Strassenrennen der Männer statt über die geplanten 257 nur noch über 106 Kilometer führen.
Jonathan Castroviejo sitzt auf dem Boden.

Bildlegende: Jonathan Castroviejo leidet unter der Hitze. IMAGO

Die kritischen Stimmen: Von den Fahrerinnen klagte Roxane Knetemann: «Die Hitze ist unmöglich, wie in einer Sauna.» Chantal Blaak stimmte ihr zu: «Sogar die Lungen haben geschmerzt.» Auch Sprintstar André Greipel äusserte sich kritisch: «Man hätte früher nachdenken sollen, bevor Gelder geflossen sind, wohin man die WM vergibt, damit man die Gesundheit der Sportler nicht aufs Spiel setzt.»

«  Nach dem Rennen habe ich sogar leicht gefroren. »

Stefan Küng

  • Die Resistenten: Keinerlei Probleme mit den äusseren Umständen zeigten die Schweizer nach dem Zeitfahren (vgl. Video oben). So gab etwa Stefan Küng zu Protokoll: «Wir hatten vor und nach dem Rennen Kühlmassnahmen. Nach dem Rennen wurde ich direkt abgeduscht und fror danach sogar leicht.» Landsmann Reto Hollenstein, dessen Körpertemperatur beim Zeitfahren auf 40 Grad Celsius anstieg, pflichtete ihm bei: «Es war schon heiss, aber es machte mehr Spass, als bei Kälte und Regen zu fahren.»

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  • Etwas Abwechslung im Radsport-Kalender tut dem Sport gut.

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  • Keine Zuschauer und glühende Hitze – diese WM ist eine Zumutung für die Fahrer

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Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 13.10.2016, 12:40 Uhr