Der Hunger des Hais ist gestillt

Vincenzo Nibali hat als erster Italiener seit Marco Pantani 1998 die Tour de France gewonnen. Der 29-jährige Sizilianer krönte seine Laufbahn mit einem souveränen und ungefährdeten Auftritt an der «Grande Boucle».

Video «Rad: Rückblick auf die Tour de France 2014» abspielen

Rückblick auf die Tour de France 2014

5:20 min, vom 27.7.2014

4 Etappensiege, 19 von 21 Tagen im «Maillot jaune» und ein Vorsprung von über siebeneinhalb Minuten auf den zweitplatzierten Franzosen Jean-Christophe Peraud: Vincenzo Nibali hat der 101. Austragung Tour de France seinen Stempel aufgedrückt und in ebenso souveräner wie verdienter Manier den grössten Erfolg seiner Karriere gefeiert.

Keine Konkurrenz, keine Gefahr

Spätestens nach dem vorzeitigen Ausscheiden von Vorjahressieger Chris Froome (Gb) und Mitfavorit Alberto Contador (Sp) war am 29-jährigen Sizilianer kein Vorbeikommen mehr. Zu souverän und zu abgeklärt war sein Auftreten, als dass er den Sieg noch hätte aus der Hand geben können. Die Aufgabe seiner Konkurrenten schmälert den Erfolg des Astana-Fahrers keinesfalls.

Unantastbar war der Kletterspezialist mit den eindrucksvollen Etappensiegen in den Alpen und den Pyrenäen, wo er seine Konkurrenz regelrecht deklassierte. Mit seinen überraschenden und unwiderstehlichen Antritten liess er seine Gegner stehen und fuhr einem überlegenen Tour-Sieg entgegen.

Der Hai von Messina

Nibali ist kein grosser Taktiker, ebensowenig ein defensiver Fahrer. Die Leidenschaft, das Überraschungs-Moment und der Mut zur Attacke zeichnen ihn aus. Seine aggressive Fahrweise und die «Alles-oder-Nichts-Taktik» brachten dem Italiener den Spitznamen «Der Hai von Messina» ein. Er riskiert viel und nimmt in Kauf, dass der Schuss auch nach hinten losgehen kann. An der diesjährigen «Grande Boucle» wurde er für seine Risikobereitschaft belohnt.

Nach Giro und Vuelta nun die TdF

Bereits im Alter von 16 Jahren bewies er Mut, als er seine Heimatstadt Messina verliess, um seinen Traum wahr werden zu lassen. «Ich habe alles hinter mir gelassen. Meine Familie, meine Freunde, mein ganzes Leben», blickte Nibali, der mittlerweile in Lugano wohnt, zurück. Und auch diese Entscheidung erwies sich als richtig, die Erfolge sollten dem bodenständigen und zugänglichen Sizilianer nicht verwehrt bleiben.

2010 gewann er in Spanien die Vuelta, im selben Jahr wurde er beim Giro d'Italia Dritter. Ein Jahr später beendete er seine Heim-Rundfahrt auf dem 2. Rang. 2013 verzichtete Nibali auf die Tour de France und feierte den Giro-Sieg. Dieses Jahr ging er den umgekehrten Weg: Er liess den Giro aus - der Rest ist bekannt. Und der Hunger nach Erfolg (vorerst) gestillt.

Sendebezug: SRF info, sportlive, 27.07.14, 18:00 Uhr

Video «Rad: Nibali als italienischer Hoffungsträger» abspielen

Auf den Spuern von Vincenzo Nibali

5:10 min, aus sportaktuell vom 21.7.2014