Erbitterter Kampf um den Thron des Rad-Weltverbandes

An der Rad-WM in Florenz kommt es am Freitag zu einem Krimi abseits der Strasse: Der UCI-Präsident für die nächsten vier Jahre wird gewählt. Amtsinhaber Pat McQuaid und sein Herausforderer Brian Cookson liefern sich ein hitziges Duell.

Amtsinhaber Pat McQuaid oder Herausforderer Brian Cookson.

Bildlegende: Wer macht das Rennen? Amtsinhaber Pat McQuaid (l.) oder Herausforderer Brian Cookson. Reuters

Eine Wiederwahl von Pat McQuaid an die Verbandsspitze wäre «ein trauriger Tag für den Radsport», sagte Brian Cookson zwei Tage vor dem «richtungsweisenden Votum» in Florenz. Der 62-jährige Engländer, der seit 1997 dem britischen Verband vorsteht, ist zuversichtlich, dass er den umstrittenen UCI-Präsidenten ablösen wird.

Dubiose Machenschaften

McQuaid spürt vor der Wahl starken Gegenwind: Dem 64-jährigen Iren wird nicht nur ein autokratischer Führungsstil vorgeworfen, sondern auch Korruption und Mauscheleien. Bei den Dopingaffären um Lance Armstrong und Alberto Contador soll es geheime Absprachen gegeben haben, um deren positive Proben unter dem Deckel zu halten. Bewiesen sind diese Vorwürfe allerdings nicht.

Beide wollen «den Wandel»

Das Kernziel beider Kandidaten ist es, diese dunkle Vergangenheit zu verarbeiten, das Vertrauen zu erneuern und den Wandel hin zu einem sauberen Sport zu vollenden. «Für Glaubwürdigkeit braucht es eine neue Führung», ist Cookson überzeugt. Der Engländer kündigt radikale Reformen an, beispielsweise möchte er das gesamte Anti-Doping-Management an eine «vollkommen unabhängige Institution» abgeben.

McQuaid hingegen, seit 2005 im Amt, verweist auf den unter seiner Ägide bereits erfolgten Wandel: «Es ist heute wieder möglich, sauber Rennen zu gewinnen». Er bittet die Delegierten daher um erneutes Vertrauen: «Ich habe meine Aufgabe noch zu Ende zu bringen.» Zudem bezeichnet er seinen Gegner angriffig als «Marionette» des russischen Oligarchen und Verbandspräsidenten Igor Makarow. Cookson bestätigt diese Nähe zu Makarow offen, betont aber seine Unabhängigkeit.

McQuaid-Nomination nicht regelkonform

Bevor McQuaid überhaupt zur Wahl antreten kann, muss beim UCI-Kongress allerdings einer Regeländerung zugestimmt werden. Der in der Schweiz wohnhafte Ire wurde nicht von seinen «Heimatverbänden», sondern von Thailand und Marokko nominiert. Diese Aufstellung ist mit dem aktuellen Reglement nicht vereinbar.

Aber selbst wenn McQuaid nicht zugelassen wird, möchte sich Cookson einer Wahl stellen. «Ich will keine Krönung», sagt er und verbindet seine Äusserungen mit einem nochmaligen Seitenhieb in Richtung seines Gegners: «Ich werde mich an die Regeln halten, die UCI hat genug Tricksereien erlebt.»

Europäer stehen hinter Cookson

42 Wahlmänner entscheiden, wer die nächsten 4 Jahre an der UCI-Spitze stehen wird. Die 14 Vertreter aus Europa, darunter der Schweizer Franz Gallati, werden in der geheimen Wahl wohl für Cookson stimmen. McQuaid hofft auf Zuspruch aus Asien und Afrika.