Froome: 4 Erkenntnisse zum 4. Gesamtsieg

Zum vierten Mal nach 2013, 2015 und 2016 ist Chris Froome am Sonntag mit dem gelben Trikot in Paris eingefahren. So dominant wie in den Jahren zuvor war der Brite heuer nicht. Gute Gründe für seinen erneuten Triumph gibt es dennoch.

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Froomes Rede nach seinem 4. Tour-Sieg (engl./frz.)

2:35 min, vom 23.7.2017

Die Ausgangslage sei offener als in vergangenen Jahren. Es gebe eine grosse Anzahl Herausforderer. Zudem komme Froome der Parcours mit nur drei Bergankünften und wenigen Zeitfahrkilometern nicht entgegen.

All dies konnte man im Vorfeld der 104. Tour de France lesen. Und am Ende heisst der Sieger doch wieder Froome. Der 4. Gesamtsieg des Briten lässt folgende Schlussfolgerungen zu:

1. Man kann die Tour auch ohne Etappensieg gewinnen

Bei seinen bisherigen drei Gesamtsiegen hat Froome dank seinen Kletter- und Zeitfahrqualitäten immer mindestens einen Etappensieg einfahren können. Dies blieb ihm diesmal verwehrt.

«  Ein unglaubliches Privileg, mit dieser Mannschaft zu fahren. »

Chris Froome

Während seine beiden am Ende stärksten Herausforderer Rigoberto Uran (9. Etappe) und Romain Bardet (12. Etappe) in den Bergen zuschlugen, konnte der Brite am Samstag auch seine letzte Chance im Einzelzeitfahren in Marseille nicht nutzen. Froome ist damit der erst 7. Fahrer, der die Tour ohne Tagessieg gewinnt.

Froome umgeben von seinem Team.

Bildlegende: Stets gut behütet Froome umgeben von seinem Team. EQ Images

2. Ohne starke Mannschaft geht es nicht

Der 4. Tour-Gesamtsieg von Froome ist vor allem auf die Stärke seines Teams zurückzuführen. Dies wurde in diesem Jahr vielleicht so deutlich wie nie. Konnte der 32-Jährige in der Vergangenheit auch mal in einer Abfahrt oder mit einem unwiderstehlichen Antritt am Berg den Unterschied machen, stach heuer die Leistung des Team Sky heraus.

Nur schon die Tatsache, dass ein Mikel Landa oder Geraint Thomas in jedem anderen Team wohl die Leaderrolle inne hätten, sagt einiges. Dessen ist sich auch der Brite bewusst. Wie im Vorjahr wurde er nicht müde zu betonen, welches «Privileg es ist, mit dieser Mannschaft zu fahren».

3. Zeitfahrqualitäten sind ein Muss

Vielleicht kann man eine Rundfahrt als guter Zeitfahrer nicht gewinnen, aber man könnte sie definitiv verlieren. Mal abgesehen davon, dass der Kampf gegen die Uhr auf den vorletzten Tag terminiert war und somit mehr denn je entscheidenden Charakter hatte, ist es der einzige Moment, in dem auch ein Fahrer wie Froome ganz auf sich alleine gestellt ist.

Im Vergleich zu Bardet, der seinen 2. Gesamtrang einbüsste und den 3. um ein Haar (respektive eine Sekunde) auch noch verlor, verfügt Froome auch in dieser Disziplin über die nötigen Qualitäten.

Der Franzose Romain Bardet.

Bildlegende: Kein ausgewiesener Zeitfahrspezialist Der Franzose Romain Bardet. Keystone

4. Die Schwäche und Geschwächtheit der Konkurrenz

Ob BMC-Fahrer Richie Porte tatsächlich ganz vorne hätte mitmischen können, werden wir nie wissen. Nach seinem Horrorsturz auf der 9. Etappe musste der Mann, der nach eigenen Aussagen «in der Form seines Lebens» gewesen wäre, die Tour vom Spitalbett aus mitverfolgen.

Enttäuschend verlief die «Grande boucle» zudem für Nairo Quintana, Giro-Sieger 2014 und Vuelta-Gewinner 2016. Das Movistar-Team des Kolumbianers wurde durch das Out von Alejandro Valverde im Auftaktzeitfahren früh geschwächt. Zudem machte Quintana in den Bergen je länger je mehr keine allzu gute Figur. Mit dem Doppelstart am Giro und an der Tour scheint sich der Kletterer offensichtlich übernommen zu haben.

Kräftemässig am Ende war auch Aru. Nach der kurzzeitigen Übernahme des Maillot jaune (12. Etappe) war der Italiener zum grössten Froome-Herausforderer aufgestiegen, schwächelte danach in den Bergen aber immer häufiger.

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Der schwere Sturz von Richie Porte

1:24 min, vom 9.7.2017

Sendebezug: SRF info, sportlive, 23.07.2017, 16:35 Uhr

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