Froome geht die Konkurrenz aus – wird die Tour jetzt langweilig?

Am Sonntag hat die Königsetappe an der Tour de France für eine erste richtige Zäsur im Gesamtklassement gesorgt. Vor dem Start in die 2. Woche ziehen wir mit SRF-Radexperte David Loosli Zwischenbilanz.

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Loosli: «Froome ist verwundbar»

2:15 min, vom 10.7.2017

181,5 Kilometer, 7 Bergwertungen, 4600 Höhenmeter – eine Mischung, die am Sonntag zahlreiche Fahrer an ihre Grenzen gebracht hat. Für die Durchmischung im Gesamtklassement waren aber nicht nur die steilen Aufstiege verantwortlich, sondern vielmehr die tückischen Abfahrten.

Zahlreiche schwere Stürze überschatteten die Etappe von Nantua nach Chambéry. Am schlimmsten erwischte es BMC-Fahrer Richie Porte, der sich bei einem Horrorsturz einen Becken- und Schlüsselbeinbruch zugezogen hat. Der Australier gehörte zu den grossen Herausforderern von Leader Chris Froome.

  • SRF-Radexperte David Loosli zur Situation im Gesamtklassement:
    «Viele Froome-Herausforderer sind es nicht mehr. Nun gibt es noch etwa eine Hand voll Fahrer, die um den Gesamtsieg mitfahren können. Klar kommen auch andere in Frage, viele Mitfavoriten haben aber weit über eine Minute verloren.»

Zu den grossen Geschlagenen hatten am Sonntag auch Alberto Contador (Sp) und Nairo Quintana (Kol) gehört, die beide viel Zeit verloren. Für den Kolumbianer kommt erschwerend hinzu, dass er mit Alejandro Valverde seinen Edelhelfer bereits im Auftaktzeitfahren verloren hat.

  • Loosli zur Frage, ob Froome überhaupt noch jemand gefährlich werden kann:
    «Langweilig wird es sicher nicht. Wir haben Fahrer wie Romain Bardet oder Fabio Aru und Jakob Fuglsang vom Team Astana gesehen, die versucht haben anzugreifen. Bisher konnte Froome diese Angriffe abwehren, loswerden konnte er seine Konkurrenten aber nicht. Das heisst, er ist verwundbar.»

Mit Fortdauer der Tour könnte Froome auch deshalb verwundbarer werden, weil sein stärkster Helfer Geraint Thomas am Sonntag nach einem Sturz ebenfalls aufgeben musste. Der walisische Sky-Profi hatte das gelbe Trikot bis zur fünften Etappe getragen und lag im Gesamtklassement bei seiner Aufgabe an 2. Position.

Stefan Küng wird nach dem Auftaktzeitfahren in Düsseldorf ins weisse Trikot des besten Jungprofis eingekleidet.

Bildlegende: Weiss statt gelb Stefan Küng nach dem Auftakt-Zeitfahren. Keystone

Was hat die Tour aus Schweizer Sicht geboten?

Von den Schweizern war in der 1. Tour-Woche erwartungsgemäss wenig zu sehen. Die Ausnahme bildet der 2. Platz von Stefan Küng im Auftaktzeitfahren in Düsseldorf, in dem der Ostschweizer den Sieg nur um 5 Sekunden verpasste. Der BMC-Profi absolviert seine erste «Grande Boucle».

  • Loosli zum Auftritt der Schweizer in der ersten Woche:
    «Die Schweizer Fahrer hatten natürlich in erster Linie Helferaufgaben inne. Für die nächsten zwei Wochen ist zu hoffen, dass der eine oder andere noch ein bisschen Ausgang bekommt. Es gibt Etappen, die durchaus auf einen Michael Albasini zugeschnitten sind. Das Zeitfahren am Ende der Tour wird für Stefan Küng interessant.»

Keinen Auslauf dürfte Mathias Frank bekommen, im Gesamtklassement als 45. bester Schweizer. Sein Teamkollege Bardet (3.) wird im Kampf gegen Froome auf jeden Helfer angewiesen sein.

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So lief die Königsetappe der Tour de France

3:39 min, aus sportpanorama vom 9.7.2017

Sendebezug: SRF zwei, sportpanorama, 09.07.2017, 18:15 Uhr

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