Hinault und Fignon - die letzten Franzosen

Seit mittlerweile 28 Jahren wartet Frankreich auf einen einheimischen Sieger an der Tour de France. Die letzten Gewinner hiessen Bernard Hinault und Laurent Fignon. Auf die beiden Rivalen blicken wir im 5. Teil unserer Jubiläumsserie zurück.

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Bernard Hinault: Der französische TdF-Held («sportaktuell»)

3:18 min, vom 9.7.2013

Mit seinen 5 Siegen zwischen 1978 und 1985 gehört Hinault gemeinsam mit Jacques Anquetil, Eddy Merckx und Miguel Indurain zu den Rekordhaltern an der Tour de France. Sein Stern geht 1978 kometenhaft auf, gleich bei seiner 1. Teilnahme gewinnt Hinault, ein starker Kletterer und begnadeter Zeitfahrer, im Dress des französischen Meisters die Tour de France.

Hinault, der Boss im Feld

Mit seinem Renault-Gitane-Team dominiert Hinault die Tour de France in den folgenden Jahren nach Belieben und siegt auch 1979, 1981 und 1982. Hinault ist dabei nicht nur der stärkste Fahrer, sondern auch der unangefochtene Chef im Feld. Ganz knorriger Bretone regiert er das Peloton und greift auch einmal zu rabiaten Methoden, wenn ein Fahrer sich seinem Kommando nicht unterordnen will. Sein Spitzname ist «le blaireau», der Dachs.

1985 gewinnt Hinault die Tour ein fünftes und letztes Mal. Eventuell hätte er das Rennen noch häufiger gewonnen, doch 1980 (Aufgabe) und 1983 (Verzicht) machen ihm Verletzungen einen Strich durch die Rechnung.

Fignon bedrängt Hinault

So schlägt 1983 die Stunde des 22-jährigen Laurent Fignon, der die Tour als Captain des Hinault-Teams erstmals gewinnt. Fignon ist das pure Gegenteil von Hinault: Der Fahrer aus Paris gilt als belesener Intellektueller, trägt eine runde Brille und lange Haare (manchmal auch zum Pferdeschwanz gebunden) und zeigt keinerlei Respekt vor dem grossen Landsmann.

Bernard Hinault

Bildlegende: Der Dachs Der fünffache Tour-Sieger Bernard Hinault. Keystone

1984 kommt es zum grossen Duell zwischen Fignon und Hinault, der mittlerweile das Team gewechselt hat und unter dem Schweizer Paul Köchli fährt. Doch Fignon, der junge Herausforderer, siegt und demütigt Hinault gar im Aufstieg nach Alpe d’Huez. Als Hinault einen verzweifelten Angriff startet, lässt ihn Fignon grinsend gewähren, ehe er einen Gang zulegt, Hinault wieder einholt und ihn ohne eines Blickes zu würdigen stehen lässt.

Der zweifache Tour-Sieger Laurent Fignon.

Bildlegende: Der Intellektuelle Der zweifache Tour-Sieger Laurent Fignon. Keystone

Die berühmten 8 Sekunden

Besser wird es Fignon jedoch nie mehr laufen, er gewinnt in der Folge keine Tour de France mehr. 1989 wird er von Greg Lemond im legendären abschliessenden Zeitfahren auf den Champs Elysées um 8 Sekunden geschlagen. Diese Niederlage bleibt an ihm haften: «Nein, ich bin nicht der Mann, der die Tour um 8 Sekunden verloren hat. Ich bin der Mann, der sie zweimal gewonnen hat», schreibt er in seiner Autobiographie trotzig.

Hinault und Fignon bleiben der Tour auch nach ihrem Rücktritt treu. Der Bretone wechselt in die Organisation und schüttelt täglich den Siegern auf dem Podest die Hand. Der Pariser wird scharfzüngiger Experte im französischen Fernsehen. 2009 erkrankt Fignon an Krebs. Im Sommer 2010 kommentiert er bereits schwer gezeichnet letztmals eine Tour, ehe er im August 2010 im Alter von 50 Jahren stirbt.

Serie zur 100. Tour de France

Serie zur 100. Tour de France

In einer mehrteiligen Serie blicken wir während der dreiwöchigen Rundfahrt auf die Geschichte der Tour de France zurück.