Trotz Macron: Alles spricht in Marseille für Froome

Chris Froome dürfte der Gesamtsieg an der 104. Tour de France im Zeitfahren von Marseille kaum zu nehmen sein. Auch präsidiale Hilfe dürfte Frankreichs Hoffnungsträger Romain Bardet nichts nützen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Gespräch mit Romain Bardet.

Bildlegende: Nach oben soll es gehen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Gespräch mit Romain Bardet. imago

  • Romain Bardet liegt in der Gesamtwertung 23 Sekunden hinter Chris Froome
  • Der Engländer gilt als klar besserer Zeitfahrer als der Franzose
  • Froome strebt in Marseille seinen ersten Etappensieg an der TdF 2017 an

Ganz Frankreich hofft nach wie vor auf den Gesamtsieg von Romain Bardet. Die Unterstützung für den Ag2R-Captain ist mittlerweile gar präsidial. Staatspräsident Emmanuel Macron liess es sich bei seinem TdF-Abstecher am Mittwoch nicht nehmen, Bardet weiteren Mut zuzusprechen. Mehrere Minuten lang parlierten die beiden Hoffnungsträger der Grande Nation miteinander.

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1989: Das legendäre Duell Lemond vs. Fignon

1:10 min, vom 21.7.2017

Macrons Erinnerungen

Bei seinem anschliessenden Besuch im «Vélo Club» beim TV-Sender France 2 erzählte Macron von seinen Kindheitserinnerungen und der legendären Tour de France 1989, als Greg Lemond auf der Schlussetappe Laurent Fignon den Gesamtsieg noch wegschnappte.

8 Sekunden lag der Amerikaner am Ende vor Fignon, der mit einem Vorsprung von 50 Sekunden ins abschliessende Zeitfahren von Versailles nach Paris gegangen war. Es ist bis heute der kleinste Vorsprung, den ein TdF-Sieger jemals gehabt hat.

Bardet wie einst Lemond?

Der Rückstand von Bardet sei geringer als jener von Lemond damals, gab sich Macron hoffnungsvoll. Das Problem dabei könnte jedoch sein, dass diesmal – ganz im Gegensatz zu 1989 – der Gejagte (Chris Froome) der bessere Zeitfahrer ist als der Jäger (Bardet). Lemond verblüffte die Fachwelt damals zusätzlich mit seinem revolutionären Triathlon-Lenker. Ein ähnlicher Technik-Coup von Bardet würde doch sehr überraschen.

Gesamtleader Chris Froome im Gespräch mit Emmanuel Macron.

Bildlegende: Smalltalk Gesamtleader Chris Froome im Gespräch mit Emmanuel Macron. imago

So spricht vor den 22 Zeitfahr-Kilometern von Marseille eigentlich alles für Froome, da er der klar bessere Zeitfahrer ist und wohl nur von einem Defekt oder einem Sturz noch aus dem Maillot jaune verdrängt werden kann.

Auch Froome durfte in Serre Chevalier mit Macron smalltalken, eine gewisse Neutralität wurde also gewahrt.

Sicherheit oder Risiko?

Für den Engländer steht zudem auch eine gewisse Ehre auf dem Spiel: Froome könnte als erst siebter Fahrer der TdF-Geschichte das «Kunststück» fertig bringen, die Tour ohne Etappensieg zu gewinnen. Letztmals gelang dies Oscar Pereiro im Jahr 2006, als er den Toursieg vom gedopten Floyd Landis erbte.

Somit dürfte sich Froome am Samstag an der Côte d'Azur die Frage stellen, ob er seinen Gesamtsieg mit einer vorsichtigen Fahrt sichern soll. Oder ob er alle Risiken nimmt und den Etappensieg ins Visier nimmt.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 21.07.2017, 14:10 Uhr