Steve Guerdat: Einwirken, nicht flüstern

Springreiter Steve Guerdat gilt als totaler Pferde-Mensch. Im Interview erklärt der Olympiasieger, wie er mit seinen Tieren kommuniziert - und mit deren Besitzern.

Video «Gespräch mit Steve Guerdat («sportlounge»)» abspielen

Gespräch mit Steve Guerdat («sportlounge»)

9:46 min, vom 14.1.2013

Die Pferde stehen im Zentrum von Steve Guerdats Leben und so ist es kein Zufall, stellt der 30-Jährige zuerst seine Partner vor, bevor im Stallgang des Rütihofs in Herrliberg das «sportlounge»-Gespräch beginnt.

Eine «andere» Sprache

Er verbringe mit den Vierbeinern mehr Zeit als mit Menschen, erklärt Guerdat. Daher gelte es, die Beziehung mit dem Pferd «so nah wie möglich zu gestalten». Pferde funktionierten nicht über die menschliche Sprache, sondern «über Gefühle, Hände und Beine». Reden tue er mehr zum Spass mit ihnen, «es ist nicht so, dass ich daran glaube, dass sie es verstehen. Ich bin der Meinung, dass sie eine andere Sprache haben als die unsere.»

Ist Guerdat längere Zeit von den Pferden getrennt - mit Nino, Nasa und Jalisca ist er in der privilegierten Lage, über 3 Spitzencracks zu verfügen - vermisst er sie. «Ich habe auch schon nach 4 Tagen die Skiferien abgebrochen, weil ich das Reiten und den Stall vermisst habe.»

Pferd, Reiter - und Besitzer

Guerdat beschreibt sich als Einzelgänger - «ich brauche wenige, dafür treue Leute um mich herum» - und hat im Laufe seiner Karriere auch gemerkt, dass nicht nur die Beziehung zu den Pferden, sondern auch mit deren Besitzern, von denen jeder Profi-Reiter massgeblich abhängig ist, wichtig ist. «Wenn man selber nicht reich ist, kann man ohne Besitzer den Sport nicht auf höchstem Niveau machen. Ich hatte das Riesenglück, dass ich immer Leute gefunden habe, die mich unterstützten.»

Guerdat selber ist Spross einer bekannten Reiter-Dynastie und quasi auf dem Pferderücken aufgewachsen. Doch als junger Bub war teilweise auch Fussballspielen wichtiger als Reiten, zumindest «wenn man nach der Schule die Wahl hat, alleine in einer dunklen, kalten Halle zu reiten oder mit ein paar Kumpels Fussball zu spielen.»

Die Eltern hätten ihn nie ihn eine Richtung gedrängt. Und doch wählte er die Pferde, nicht zuletzt aus Wertschätzung. «Wenn ich etwas mache, dann will ich es gut machen. Und wenn ich schon zuhause ein Pferd habe, wovon viele Leute träumen, dann muss ich auch dankbar sein und das Pferd reiten.»